Newsletter

Medizin

Logo DGU
Der Kongress der DGU fand 202 virtuell statt.
© DGU/Unrau

Best of DGU

Die Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Urologie (DGU) fand in diesem Jahr als Hybrid­kongress statt: Die Referenten präsentierten ihre Beiträge vor Ort im Congress Centrum Leipzig. ­Teilnehmer waren per Livestream dabei und können weiterhin On-demand-Vorträge online abrufen.

CARAT-Plattform: Rasche Veränderungen der Therapielandschaft beim mRCC

Beim metastasierten Nierenzellkarzinom (mRCC) hat die Zulassung zahlreicher neuer Therapeutika in den letzten Jahren einen raschen Wandel von Management und Therapiealgorithmen ausgelöst. Dies verdeutlichen erste Daten der CARAT-Plattform, die als Nachfolger des Tumorregisters RCC 2.500 Patienten in Zentren aus ganz Deutschland rekrutieren soll. Aktuell wurden in Universitätskliniken sowie von niedergelassenen Urologen und Onkologen in beide Regis-ter 1.952 Patien-ten aufgenommen.

Die Ergebnisse verdeutlichen, dass neue Therapien ab 2007 rasch in der Praxis implementiert wurden, berichtete Prof. Peter Goebell, Erlangen: So nahm der Anteil neuer TKI wie Pazopanib ab 2010 deutlich zu, der von Sunitinib sank entsprechend. Ab 2018 wurden weitere TKI wie Tivozantinib und Cabozantinib in zunehmendem Umfang eingesetzt. 2019 kam dann der Umschwung zu den Checkpoint-Inhibitoren (CPI), die mittlerweile mehrheitlich in der Firstline zum Einsatz kommen, während TKI nur noch ca. 20% der Therapien ausmachen

In der zweiten Linie sieht es ähnlich aus: Dominierten bis 2015 TKI und Everolimus, so begann ab 2016 der Siegeszug der CPI. Seitdem stellen sie in der Secondline-Therapie einen stabilen Anteil von rund 80%. Die Empfehlungen der Leitlinien werden demnach rasch umgesetzt.

Zudem weist das Register auf Unterschiede im OS zwischen Patienten, die in Studien eingeschlossen werden könnten, und Patienten mit Ausschlusskriterien für Studien hin. Das OS ab Beginn der Erstlinien-Therapie in der ersten Gruppe ist mit 26,5 Monaten gut doppelt so lang wie in der zweiten Gruppe (12,4 Monate). „Bei für Studien geeigneten Patienten ist das Outcome laut RCC-Register vergleichbar mit dem der Zulassungsstudien“, so Goebell.

Checkpoint-Inhibition plus Angiogenese-Hemmung bei RCC

Mit der Kombinationstherapie aus Avelumab plus Axitinib sind aktuell zwei Therapiekonzepte – Checkpoint-Inhibition (CPI) und Angiogenese-Hemmung – als Kombination für den Einsatz beim fortgeschrittenen Nierenzellkarzinom unabhängig von der Risikokategorie zugelassen. Damit bilden Avelumab plus Axitinib zusammen mit den Kombinationen Nivolumab plus Ipilimumab und Pembrolizumab plus Axitinib den Standard in der Erstlinien-Therapie.

Drei multizentrische offene Phase-III-Studien untersuchen den Nutzen der verschiedenen Kombinations-Therapien: JAVELIN Renal 101 (Avelumab plus Axitinib vs. Sunitinib), Checkmate 214 (Nivolumab plus Ipilimumab vs. Sunitinib) und Keynote 426 (Pembrolizumab plus Axitinib vs. Sunitinib).

In diesen Phase-III-Studien zeigte sich unter Avelumab plus Axitinib bzw. Pembrolizumab plus Axitinib ein signifikant verlängertes progressionsfreies Überleben (PFS) im Vergleich zu Sunitinib (je p<0,001). Für Avelumab plus Axitinib betrug das mittlere PFS in der Gesamtpopulation 13,8 Monate und war damit 5,4 Monate länger als unter Sunitinib (8,4 Monate; HR=0,69; 95%-KI: 0,56–0,84; p<0,001). Damit einher ging ein um 31% reduziertes Risiko für Progression oder Tod (HR=0,69; 95%-KI: 0,56–0,84). Die objektive Ansprechrate war mit 55,2% für Avelumab plus Axitinib mehr als doppelt so hoch wie für Sunitinib mit 25,5%. Unter Behandlung mit Avelumab plus Axitinib zeigte sich eine geringere Abbruchrate ver-glichen mit Sunitinib; zudem benötig-ten Patien-ten unter der Kombination seltener hochdosierte Kortikosteroide.

Die Ergebnisse von JAVELIN Renal 101 haben bereits ihre Translation in den Praxisalltag gefunden. So empfielt die DGHO-Leitlinie den Einsatz der Kombi unabhängig von der Risikokategorie.

Zum Management von TKI-/VEGF-vermittelten Nebenwirkungen können prophylaktische Maßnahmen sowie medikamentöse Interventionen eingesetzt werden. Weitere Optionen sind Dosismodifikationen und/oder Therapieunterbrechung.

Dr. Katharina Arnheim / Leoni Burggraf