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Medizin

Depressive Frau schaut aus dem Fenster
Die Corona-Pandemie wirkt sich auch bei nicht Infizierten negativ auf die Psyche aus.
© Colourbox

Psychisch krank durch soziale Isolation

Kontaktsperren und Quarantänemaßnahmen bedeuten soziale Isolation und haben unmittelbar negative psychosoziale Folgen.

Menschen sind soziale Wesen und auf die Gemeinschaft mit anderen angewiesen. Der persönliche Kontakt, Mimik, Gestik und Berührung sind oft entscheidend für Wohlbefinden und Gesundheit. Isolations- und Quarantänemaßnahmen, vor allem wenn sie lange andauern und mit Einkommensverlusten und Existenzängsten einhergehen, wirken sich negativ auf die Gesundheit, insbesondere auf die psychische Gesundheit, aus. Bei gesunden wie auch psychisch bereits vorerkrankten Menschen können sie zu Depressivität, Ängstlichkeit, Schlafstörungen, Stress und Wut führen. Langfristig kann soziale Isolation das Gefühl von Einsamkeit und gesellschaftlicher Stigmatisierung verstärken. Aufklärung, Information und Prävention wirken dem entgegen. Deshalb müssen Angebote zum Erhalt und zur Förderung der psychischen Gesundheit der Bevölkerung aus Sicht der Deutschen Gesellschaft für -Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde (DGPPN) integraler Bestandteil eines verantwortungsvollen psychosozialen Corona- Krisenmanagements sein.

Zwischenmenschliche Begegnungen wichtig für die Psyche

„Psychische Gesundheit ist im Umgang mit der Pandemie von entscheidender Bedeutung“, so DGPPN-Präsident Prof. Dr. med. Dr. phil. Andreas Heinz, Berlin, „und das nicht nur zur Stärkung der Resilienz und Widerstandskräfte, sondern auch wegen der großen Belastungen, die soziale Isolation für die Allgemeinbevölkerung und insbesondere für Menschen mit psychischen Erkrankungen darstellt. Zwischenmenschliche Begegnungen stabilisieren die Gesundheit.“

Nicht alle Menschen haben Zugang zu internetbasierter Kommunikation. Insofern ist es unabdingbar, neben digitalen Behandlungsmöglichkeiten entsprechen-den Kapazitäten mit persönlichem Kontakt aufrechtzuerhalten. Laut Heinz ist es wichtig, Angebote zu entwickeln, die frühzeitig ansetzen und helfen, Suizide, Suchtentwicklungen und häusliche Gewalt zu verhindern oder zumindest so weit wie möglich zu reduzieren.

Dr. med. Kirsten Westphal

Quelle:  Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde (DGPPN)