Newsletter

Medizin

© Adobe Stock / ssstocker

Was macht die COPD im Sommer?

Die COPD ist eine über weite Bevölkerungsschichten verbreitete Erkrankung, mit der wir meist täglich in irgendeiner Form in unserer klinischen Praxis befasst sind. Wir alle kennen die gehäuften Exazerbationen zur Winterzeit. Aber wie steht es um das Befinden der Patienten in der Sommersaison?

Dr. med. Dennis Bösch, Landshut

Verschiedene Arbeiten ha- ben sich mit dem klimatischen Einfluss auf die COPD befasst und den Eindruck bestätigt, dass sich die Erkrankung zur Herbst-Winter-Saison oft verstärkt. Einflussfaktoren sind das nass-kalte Wetter, ge-häufte Atemwegsinfekte, körperliche Inaktivität und nicht selten verstärkte depressive Störungen.
Viele Patienten mit COPD trauen sich bei feuchtem, kaltem, nebeligem Wetter kaum vor die Tür. Eine Abwärtsspirale aus Angst, Unsicherheit und körperlicher Schonung beginnt – und endet in einem Teufelskreis: Die Symptome verschlechtern sich, weitere Organbereiche werden involviert, das Verhalten wird letztlich weiter verstärkt.

Steigende Temperaturen, weniger Exazerbationen
Die ersten Frühlingsboten sind daher häufig auch Zeichen der Hoffnung für viele Patienten. Die Tage werden wieder länger, das Wetter wird trockener und wärmer. Die meis­ten COPD-Patienten berichten, dass ihre Atembeschwerden und somit das allgemeine Wohlbefinden im Sommer deutlich gebessert sind. Wir sehen, dass die Exazerbations­häufigkeit sowie die Hospitali­sierungsrate merklich sinken.
Der Einfluss des Wetters lässt sich aber auch durch Verbes­serungen während Urlaubs­­reisen zum Bei­spiel in Mittel­meerländer im Herbst oder Frühling unzweifelhaft erkennen. Das moderat warme und trocke­ne Klima ist für die meis­ten Lungenpatienten sehr zuträglich.
Hinzu kommen sicher auch gewisse psychische Effekte einer schönen Urlaubsreise, denn wir wissen, dass die Psyche einen ganz erheblichen Einfluss auf die COPD und die Wahrnehmung der Beschwerden hat. Fast 30% der COPD-Patienten leiden an einer depressiven Störung, die oft durch Angst, Frustra­tion und soziale Isolation geprägt wird.
Im Sommer tritt die COPD meist etwas in den Hintergrund. Anhaltend gutes Wetter, fehlende Atemwegsinfekte, das Sonnenlicht, verbesserte Möglichkeiten zur körperlichen Aktivität und verstärkte soziale Kontakte führen zu einer Verbesserung der Beschwerden und zum Teil auch der Funktionswerte.

Aber nicht zu heiß
Ein gewisser Wermutstropfen ist indes, dass sehr heißes Wetter auf der anderen Seite ebenfalls den Gesundheitszustand und die COPD belasten können. Mit jedem Grad über 30 °C steigen die Exazerbations- und die Hospitalisierungssrate deutlich an. In unseren Breitengraden sind dies jedoch meist überschaubare Phänomene, die nur kurze Phasen des Sommers betreffen. Der Klimawandel könnte das Problem jedoch in Zukunft verstärken.
Die Verschlechterung des Gesundheitszustands von COPD-Patienten bei sehr heißem Wetter ist in vielen Fällen sicher auch der meist vorliegenden Komorbidität geschul-
det. Die Auswirkungen der COPD sind zwar oft sehr eindrücklich, dies sollte aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass viele COPD-Patienten zusätzlich an relevanten Komorbiditäten (wie beispielsweise KHK und Herzinsuffizienz) leiden.

Günstige Effekte über die Saison hinaustragen
Insgesamt haben die Sommermonate jedoch einen deutlichen positiven Effekt auf die COPD, und es wäre wünschenswert, diese günstige Wirkung bewusst aufzugreifen und möglichst weit in die kalte Jahreszeit hineinzutragen.
Neben einer möglichst optimalen medikamentösen Behandlung spielen hier körperliche Aktivität und soziale Kontakte eine wesentliche Rolle. Die regelmäßige Teilnahme am Lungensport ist oftmals eine gute Möglichkeit, beides zu kombinieren. Letztlich ist aber eine gewisse Lebensstilmodifikation für nachhaltige Effekte unumgänglich. Eine Infektprophylaxe (Impfungen, vollwertige Ernährung, Bewegung etc.) ist zudem eine wichtige Basis, um das Risiko Exazerbations-triggernder Atemwegsinfekte zu reduzieren.

Der Sonne folgen: Tipps für die Reise
Einige Patienten nutzen auch die Möglichkeit, die warme Jahreszeit durch eine (Mittelmeer-)Reise im Herbst oder Frühling zu verlängern und so die vorteilhaften Effekte eines moderat warmen und trockenen Wetters auszunutzen. Bei Urlaubsreisen sind generell einige Dinge zu beachten. Dies fängt mit einer umsichtigen Planung an: Wie ist das Reiseziel erreichbar? Sind das Reisemittel und die Reisezeit der Erkrankung angemessen? Zu lange Reisen sind generell zu vermeiden, auch die evtl. notwendige Sauerstoffversorgung sollte bedacht werden. Flugreisen sowie Reisen an Orte in höheren Lagen können aufgrund des verminderten atmosphärischen Sauerstoffdrucks problematisch sein. Neben der Mitnahme ausreichender Mengen an Medikamenten (inklusive einer kleinen Reserve) sollte auch an eine umfängliche Krankenversicherung sowie die medizinischen Versorgungsmöglichkeiten vor Ort gedacht werden. Wer ganz auf Nummer sicher gehen will, kann aber auch die Möglichkeit einer medizinisch begleiteten Reise wahrnehmen, die von verschiedenen Veranstaltern angeboten werden.