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Medizin

© Adobe Stock / decade3d

COPD: Behandlungspfade für eine starke Lunge

Wie sieht ein moderner Behandlungsplan für Patienten mit chronisch obstruktiver Lungenerkrankung aus? Die aktuelle Fassung der Nationalen VersorgungsLeitlinie COPD gibt hier wichtige Orientierungs- und Entscheidungshilfen – wobei auch einige Empfehlungen neu adjustiert wurden.

 Wichtige Anpassungen der Leitlinie betreffen zum Beispiel  die medikamentöse Langzeit­behandlung. Hier stellt sich nun in der Praxis die Frage: Steht bei dem Patienten die Schwere der Symptome und die eingeschränkte Lungenfunk­tion im Vordergrund? Oder sind vor allem wiederholte Exazerbationen das Problem? Grundlage der medikamentösen Therapie bleibt in beiden Fällen die Bronchodilatation aus lang wirksamen Anticholinergika (LAMA) und lang wirksamen Beta-2-Mimetika (LABA).
Kommt es trotz Anwendung einer LAMA/LABA-Kombination weiterhin zu Exazerbationen, kann zusätzlich ein inhalatives Kortikosteroid (ICS) eingesetzt werden.  Ob dieses nach einiger Zeit noch indiziert ist, muss regelmäßig kritisch überprüft werden. So ist ein Absetzen etwa sinnvoll, wenn Patienten unter dem Steroid eine Pneumonie entwickeln, denn dann ist das Rezidivrisiko erhöht. Ein Absetzten von ICS ist außerdem zu empfehlen, wenn die Zahl der Eosinophilen im Differenzialblutbild unter 100 Zellen/µl liegt und sich keine Asthmakomponente eruieren lässt: In diesem Fall sind ICS vermutlich nicht wirksam.

Inhalationstechnik überprüfen
Der Erfolg der COPD-Therapie steht und fällt letztlich damit, dass der Patient sein Inhalationssystem korrekt anwendet. Nur bei richtiger Inhalationstechnik ist eine optimale Wirksamkeit der inhalativen Therapie bei möglichst geringen unerwünschten Wirkungen zu erreichen. Die korrekte Handhabung und Inhalationstechnik der Patienten soll regelmäßig und insbesondere bei unzureichender Symptomkontrolle überprüft werden. So wird auch vermieden, dass die Therapie unnötig eskaliert wird.
Um das Risiko für Verwechslungen und/oder Fehler in der Handhabung zu minimieren, empfiehlt die Leitliniengruppe, bei mehreren inhalativ applizierbaren Wirkstoffen Inhalationssysteme des gleichen Typs (nur ein Typ eines Dosier­aerosols, eines Sprühverneblers, eines elektrischen Verneblers oder eines Pulverinhalators) zu verordnen. Auch wenn ein einheitliches Inhalationssystem prinzipiell wegen der einfacheren Handhabbarkeit wünschenswert erscheint, ergibt sich bei Patienten mit COPD das Problem, dass einige wichtige Basismedikamente nicht in einem System verfügbar sind, v. a. in Hinblick auf die verfügbaren Generika, die unter Wirtschaftlichkeitsaspekten verordnet werden.

Körperliche Aktivität für mehr Autonomie
Die Leitliniengruppe empfiehlt, bei allen Patienten mit COPD regelmäßig das Ausmaß der körperlichen Aktivität zu erfragen und gegebenenfalls zu mehr körperlicher Aktivität zu motivieren. Gezielte Bewegung im Alltag und körperliches, individuell angepasstes Training sind wichtig – auch bei schweren Krankheitsstadien. Denn körperliches Training hat einen positiven Einfluss auf den Verlauf der COPD-Erkrankung und kann helfen, die Autonomie des Patienten zu erhalten. Welche Form oder welcher Umfang der Aktivität besonders wirksam sind, lässt sich auf Basis der verfügbaren Daten nicht beantworten.

Birgit Bok

Quelle: Nationale VersorgungsLeitlinie COPD, AWMF-Register-Nr. nvl-003