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Influenza-Impfung gegen Hauttumoren wirksam?
© Colourbox/NorGal

Influenza-Impfung puscht Immunsystem gegen Hauttumoren

Wenn die Mikroumgebung eines Tumors dazu gebracht wird, immunvermittelte Reaktionen zu verstärken, entstehen heiße Tumoren, die mit Zellen der Immunabwehr infiltriert sind. Solche Tumoren sprechen besser auf Therapien an. Eine Studie untersucht die Möglichkeit, Hautumoren durch eine Influenza-Impfung in heiße Tumoren zu verwandeln.

Auch wenn die Immuntherapie die Krebs-behandlung revolutioniert hat, bleiben viele Patienten refraktär. Das gilt besonders für solche -Patienten, deren Tumoren nicht mit Immunzellen infiltriert sind. Eine aktuelle Studie zeigt, dass der von der FDA zugelassene, nicht-adjuvantierte Influenza-Impfstoff der Saison 2017/2018 nicht nur vor Grippe schützt, sondern auch die Zahl der CD8+-Zellen im Tumor erhöht und die Zahl der regulatorischen B-Zellen senkt, wenn er in den Tumor injiziert wird.

Überprüfung am Mausmodell

Untersuchungen, die dieser Studie vorangingen, zeigen, dass eine aktive Influenza-Infektion in der Lunge das Wachstum von Melanomen verstärkt, da gegen den Tumor gerichtete CD8+ T-Zellen in die Lunge abwandern. Die Autoren stellten die Hypothese auf, dass auch eine „Infektion“ mit einem Impfstoff zu einer Entzündungsreaktion in der Mikroumgebung des Tumors führen könnte, die das Tumorwachstum verlangsamt.

Die Autoren überprüften ihre Hypothese an einem Mausmodell (Mäuse mit Melanomen). Injizierten sie aktive Influenza-Viren in den Tumor, veränderte sich weder Tumorwachstum noch Überleben – vermutlich deswegen, weil die Hautzellen die Zielstrukturen der Viren nicht aufweisen und die Viren eliminiert werden, ohne dass eine produktive Infektion stattfindet. Durch Hitze inaktivierte Viren jedoch reduzierten das Tumorwachstum und verlängerten das Überleben der Tiere. Zugleich erhöhte sich die Zahl der dendritischen Zellen, der antigenpräsentierenden denritischen Zellen und es verstärkte sich die Antigenpräsentation.

Weitere Versuche zeigten, dass hitze-inaktivierte Influenza-Viren eine systemische Immunantwort gegen den Tumor auslösen und die Checkpoint-Inhibition verstärken, wenn die Tiere zuvor mit aktiven Viren infiziert wurden.

Checkpoint-Blockade aktiviert

Die Forscher vermuteten, dass hitzeinaktivierte Influenza-Impfstoffe das Tumorwachstum ebenfalls reduzieren könnten. Wurde der nicht-adjuvantierte Impfstoff der Saison 2017/18 in die Tumoren injiziert, verlangsamte sich deren Wachstum im Maus- und im Xenograft-Modell mit menschlichen Tumoren und vorher resistente Tumoren wurden anfällig für eine Checkpoint-Blockade. In den Tumoren erhöhte sich die Zahl der dendritischen Zellen und der CD8+ T-Zellen, die gegen den Tumor gerichtet waren. Ein adjuvantierter Impfstoff hatte nicht diesen Effekt.

Fazit: Die Autoren schließen aus den Ergebnissen, dass nicht-adjuvantierter Influenza-Impfstoff, wenn er in den Tumor injiziert wird, aus kalten Tumoren heiße werden lässt, eine systemische Immunantwort gegen den Tumor auslöst und ihn sensitiv gegen eine Checkpoint--Inhibition werden lässt. Somit könnte der Impfstoff die Response-Rate einer Immuntherapie erhöhen.

Roland Müller-Waldeck

Literatur: Newman JH et al. Intratumoral injection of the seasonal flu shot converts immunologically cold tumors to hot and serves as an immunotherapy for cancer. Proc Natl Acad Sci U S A. 2020 Jan 14;117(2):1119-1128. doi: 10.1073/pnas.1904022116. Epub 2019 Dec 30