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Medizin

Symbolbild Brustkrebs
© iStock / Prostock-Studio

Brustkrebs: Therapiebedingte Beschwerden oft unterschätzt

Brustkrebspatientinnen, die nach Tumorresektion nachbestrahlt werden, leiden nicht selten unter Symptomen wie Schmerzen oder Fatigue. Diese Beschwerden werden von Onkologen allerdings vielfach unterschätzt.

Das hat eine Analyse von fast 10.000 Frauen deutlich macht, die zwischen 2012 und 2020 in 29 US-Zentren eine Strahlentherapie erhielten. Die Erkennung strahlenbedingter Symptome ist jedoch nötig, um Betroffene angemessen supportiv behandeln zu können, betonte Dr. Reshma Jagsi, Ann Arbor beim aktuellen San Antonio Breast Cancer Symposioum. Ihre Arbeitsgruppe verglich die mittels CTCAE (Common Toxicity Criteria for Adverse Events) erhobenen Angaben der Ärzte zu Schmerzen, Juckreiz, Ödemen und Fatigue mit den Einschätzungen der Betroffenen im Verlauf der Bestrahlung.

Gut ein Drittel der Patientinnen (34,5%) berichtete von mittelschweren bis schweren Schmerzen, 30,8% litten häufig unter Juckreiz, 23,8% klagten über Ödeme und 24,9% über Fatigue. Bei über der Hälfte der Frauen (53,2%) wurde jedoch mindestens eines dieser Symptome im Verlauf der Bestrahlung nicht ausreichend erkannt. Von den Ärzten besonders häufig unterschätzt wurde die Belastung durch Ödeme (51,4%). Juckreiz und Schmerzen wurden in etwa einem Drittel der Fälle, eine schwere Fatigue bei 18,8% nicht erkannt.

Jüngere Patientinnen im Nachteil

Die Wahrscheinlichkeit für ein Übersehen der Beschwerden war bei jüngeren Patientinnen unter 60 Jahren höher als bei Älteren. Gleiches gilt für Angehörige ethnischer Minderheiten im Vergleich zu weißen Patientinnen sowie bei konventionell fraktionierter Bestrahlung. Jagsi forderte daher die konsequente Erhebung Patienten-bezogener Outcomes in Studien, da bei der Dokumentation von Nebenwirkungen anhand CTCAE Beschwerden oft übersehen werden. 

Dr. Katharina Arnheim

Quelle: San Antonio Breast Cancer Symposium, 2020 Virtual SABCS, 8. bis 11. Dezember 2020