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Der Nutzen einer sinnvollen und geplanten Krebstherapie überwiegt das Risiko einer Covid-19-Infektion.
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Krebstherapie bei COVID-19 nicht verzögern

Die neuen Herausforderungen in der Betreuung von Patienten mit hämatologischen und soliden Tumoren aufgrund von SARS-CoV-2 bzw. COVID-19 war eines der zentralen Themen der diesjährigen DGHO-Tagung.

Laut einer britischen Analyse ist die 30-Tage-Mortalität bei mit SARS-CoV-2 infizierten Patienten mit aktiver Tumorerkrankung deutlich höher als bei Nicht-Tumorpatienten, berichtete Prof. Lorenz Trümper, Göttingen im Rahmen der virtuellen DGHO-Tagung 2020. Besonders auffällig ist die Übersterblichkeit bei jüngeren infizierten Krebspatienten unter 50 Jahren und zwischen 50 bis 69-Jahren, die ein vierfach bzw. doppelt so hohes Mortalitätsrisiko haben wie COVID-19-Patienten ohne Krebserkrankung. In höherem Alter ist der Unterschied nicht mehr so ausgeprägt, da in dieser Gruppe Komorbiditäten wie Herz-Kreislauf- oder Atemwegserkrankungen für einen Großteil der Todesfälle verantwortlich sind, erläuterte Trümper.

Vor allem jüngere Krebspatienten betroffen

Bestätigt werden diese Daten durch erste deutsche Ergebnisse des LEOS- (Lean European Open Survey on SARS-CoV-2 Infected Patients) Registers: Auch danach ist die Mortalität durch COVID-19 insbesondere in der Gruppe der 18- bis 35-jährigen Krebspatienten um ein Vielfaches höher als bei Nicht-Tumorpatienten. In den Altersgruppen 35 bis 55 Jahre und 56 bis 65 Jahre fällt ebenfalls eine Übersterblichkeit auf, während die COVID-19-bedingten Sterberaten in höherem Alter bei Patienten ohne und mit Krebserkrankung ähnlich sind.

Nutzen einer Krebstherapie überwiegt Risiko

Als besonders gefährdet haben sich Krebspatienten mit geschwächtem Immunsystem, aktiven Lymphomen, Leukopenie, niedrigen Immunglobulin-Spiegeln und anhaltender Immunsuppression, z.B. nach allogener Stammzelltransplantation (SZT) herauskristallisiert.  Dagegen haben Krebspatienten mit chronischer oder gut beherrschbarer Erkrankung oder nach erfolgreicher Primärtherapie den derzeitigen Erfahrungen zufolge kein erhöhtes Risiko für einen schweren Infektionsverlauf bei Ansteckung mit SARS-CoV-2. Bei den meisten akut an Krebs erkrankten Patienten steht der Nutzen einer sinnvollen und geplanten Krebstherapie über dem Risiko einer möglichen Infektion. Die Angst vor einer Infektion dürfe die Behandlung einer vorliegenden, lebensgefährlichen Tumorerkrankung nicht beeinträchtigen, betonte Trümper abschließend.

Dr. Katharina Arnheim

Quelle: Virtuelle Jahrestagung der Deutschen, Österreichischen und Schweizerischen Gesellschaften für Hämatologie und Medizinische Onkologie, 9. bis 11. Oktober 2020