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Medizin

Mutter mit Migräne und fröhliches Kind
Migräne-Attacken machen es schwer, den Alltag zu bewältigen.
© shutterstock/fizkes

Antikörper in der Migräne-Prophylaxe bewährt

Wie gut Biologika und Biosimilars in dieser Indikation wirken, bei wem sie (nicht) eingesetzt werden können und wann die gesetzlichen Krankenkassen die Kosten übernehmen.

Die Entwicklung von Antikörpern gegen Calcitonin Gene-Related Peptide (CGRP) oder den CGRP-Rezeptor stellt laut der Gesellschaft für Neurologie (DGN) einen wesentlichen Fortschritt in der Migräneprophylaxe dar. Große Phase-III--Studien bestätigen die Wirksamkeit von Erenumab, Eptinezumab, Fremanezumab sowie Galcanezumab. Die entsprechenden Substanzen werden entweder einmal monatlich oder alle drei Monate subkutan injiziert. Im Mittel kommt es zu einer Reduktion der Migränetage pro Monat von 2,8 bis 4,7 Tage verglichen mit Placebo. Zudem bessert sich die Lebensqualität, und die Einnahme der Akutmedikation reduziert sich.

Wirksam und gut verträglich

„Die Wirkung der Antikörper setzt relativ schnell ein, sodass nach vier Wochen ermessen werden kann, ob die Therapie wirkt oder nicht“, sagt Prof. Hans-Christoph Diener, Pressesprecher der DGN. „Wenn die Patienten auf die Therapie ansprechen, sind die Antikörper sehr wirksam und gut verträglich, und zwar auch, wenn die bisherigen Medikamentenklassen zur Prophylaxe nicht gewirkt hatten oder nicht vertragen wurden. Die Antikörper haben das Therapiespektrum für die Prophylaxe der Migränetherapie sinnvoll erweitert“, kommentiert Diener.

Im Moment wird empfohlen, die Therapie für einen Zeitraum von drei bis sechs Monaten durchzuführen und dann auszusetzen und zu beobachten, ob eine Fortsetzung notwendig ist.

Kontraindiziert sind die Antikörper z.B. bei Schwangerschaft. Diener mahnt allerdings auch zur Vorsicht bei Patienten mit schwerwiegenden vaskulären Erkrankungen, mit entzündlichen Darmerkrankungen oder mit Wundheilungsstörungen. Bei Frauen im gebärfähigen Alter sollte nur ein Antikörper gegeben werden, der einmal monatlich injiziert wird, denn die Placenta wird ab dem 4. Monat durchlässig für Antikörper.

Im Moment können Antikörper zu Lasten der gesetzlichen Krankenkassen nur bei Patienten verordnet werden, bei denen mindestens vier der bisher zugelassenen Migräneprophylaktika nicht wirksam waren, nicht vertragen wurden oder wenn Kontraindikationen bestehen. Bei Patienten mit chronischer Migräne muss auch ein Therapieversuch mit Onabotulinumtoxin A erfolgt sein.

Neue Hoffnung bei Resistenz

Letztlich sprechen 30% der Patienten auf de Antikörpertherapie nicht an und sind damit gegenüber allen Behandlungen resistent. Ebenso wenig haben die Migränepatienten eine Behandlungsoption, bei denen die Antikörper zwar wirken würden, aber aus medizinische Gründen lieber nicht eingesetzt werden sollten.

Nun sieht die DGN auch für diese Patientengruppen einen Hoffnungsschimmer: Eine neue Entwicklung ist Atogepant, ein „kleiner“ oraler CGRP-Antagonist, zu dem derzeit Phase-III-Studien laufen. Bei einem Patienten kam es allerdings zu erhöhten Leberwerten. Laut DGN bleibt abzuwarten, ob das ein Einzelfall ist oder ob sich dies zu einer substanzspezifischen, unerwünschten Nebenwirkung ausweitet.

Quelle: Deutsche Gesellschaft für Neurologie/cw