Newsletter

Medizin

Symbolbild Covid-19
Im Kampf gegen Covid-19 setzt die Forschung auf bereits vorhandene sowie neue Substanzen.
© Colourbox / #1970

Medikamente gegen COVID-19: Die Pipeline ist gefüllt

Zur Behandlung bereits an COVID-19 Erkrankter werden zum einen Medikamente, die schon gegen andere Krankheiten zugelassen oder zumindest weit erprobt sind, in klinischen Studien geprüft. Zum anderen gibt es einige vielversprechende neue Substanzen in der Pipeline. Ein kurzer Überblick

Nachdem die Impfung gegen SARS-CoV-2 bereits seit Monaten in vollem Gange ist, fokussiert die Forschung zunehmend auch auf stadiengerechte Medikamente gegen die Erkrankung selbst. Interessant sind  hier in erster Linie Substanzen mit antiviraler Wirkung, Herz-/Kreislauf-Medikamente, Immunmodulatoren sowie Medikamente, welche die Lungenfunktion beeinflussen.

Antivirale Substanzen

Die Viren abfangen, schon bevor sie in die Atemwege gelangen, wäre eine elegante Lösung. Verschiedene Pharmafirmen experimentieren deshalb beispielsweise mit antiviralen Nasensprays mit Rotalgen-Extrakt. Befinden sich die Viren bereits in den Atem-wegen, gilt es zu verhindern, dass sie in Zellen eindringen.

Hier setzen antivirale Substanzen an, welche die Viren ausbremsen, indem sie diese neutralisieren. Auch hier gibt es einige Kandidaten in der klinischen Forschung. Dabei handelt es sich vor allem um Antikörper und Antikörper-Kombinationen sowie Nanobodys. Letztere sind kleinere Antikörper, die von Lamas und Alpakas erzeugt werden und leichter herzustellen sind als herkömmliche Antikörper.

Damit Coronaviren aber überhaupt in die Zellen eindringen können, müssen diese bestimmte Merkmale auf ihrer Oberfläche aufweisen. Ein interessanter Ansatzpunkt ist hier das Oberflächenprotein Angiotensin Converting Enzyme 2 (ACE2) auf den Zellen, welches SARS-CoV-2 als Bindungs- und Eintrittsstelle dient. Gentechnisch in löslicher Form hergestellt und als Medikament in größerem Mengen infundiert, könnte es die Viren vom natürlicherweise vorhandenen ACE2 auf der Zelloberfläche und damit von den Zellen abhalten. Dieser Ansatz wird bereits in einer klinischen Studie erprobt.

Auch Antikörper, die aus dem Blut von genesenen COVID-19-Patienten gewonnen werden – sogenanntes Rekonvaleszentenplasma –, oder im Labor entsprechend nachgebaute Antikörper, die zu einer Passivimmunisierung führen, werden in Projekten untersucht.

Daneben kommen Antiandrogene, die eigentlich für die Therapie des Prostatakarzinoms entwickelt sind, in Studien zum Einsatz.

Sind die Viren bereits in die Zellen eingedrungen, gilt es, intrazellulär deren Vermehrung zu blockieren. In erster Linie geht es hier um small molecules, die chemisch-synthetisch hergestellt werden. Sie können leichter in die Zelle eindringen als die größeren Antikörper. Einige dieser Substanzen wurden ursprünglich für den Einsatz gegen andere Infektionen wie HIV, Hepatitis C, Grippe oder SARS entwickelt. Bereits zugelassen ist Remdesevir, das zunächst – wenig erfolgreich – gegen die Ebola-Erreger gedacht war.

Interessante Effekte im Laborversuch zeigen in diesem Zusammenhang beispielsweise auch saure Sphingomyelinase (ASM)-Hemmer, die für die Therapie von Depressionen zugelassen sind, oder Medikamente gegen  Milben und Fadenwürmer.

Neben Substanzen, welche die Viren direkt angehen, sind auch Medikamente in der Entwicklung, die das Immunsystem mobilisieren. Im Fokus der Forschung stehen hier Interferone, die eine antivirale  Immunantwort induzieren sollen.

Dämpfende Immunmodulatoren

In schweren Fällen kann eine Infektion mit SARS-CoV-2-Viren zu einer exzessiven Reaktion des Immunsystems führen. Dieser sogenannte Zytokinsturm kann mehr Schaden anrichten als die Viren selbst. In diesem Fall gilt es, diese Überreaktion des Immunsystems mit einer entsprechenden Begleitmedikation zu dämpfen. Bei Covid-19 bereits zugelassen ist Dexamethason.

Darüber hinaus gibt es auch hier verschiedene Ansätze. In der Erprobung sind einige Medikamente, die das Komplementsystem des Immunsystems – eine Kaskade von Enzymen, die bei der Abwehr von Infektionen zusammenwirken – dämpfen.

Daneben werden zahlreiche weitere Targets im Immunsystem anvisiert. Getestet werden hier insbesondere Biopharmazeutika, die für die Therapie von Autoimmunerkrankungen wie rheumatoide Arthritis, Gichtarthritis oder periodische Fiebersyndrome zugelassen sind.

Herz-/Kreislauf-Medikamente

Neben einer Schädigung der Lungenfunktion kann sich eine Covid-19-Infektion auch auf Herz, Niere und andere Organe auswirken. Eine gefürchtete Komplikation sind Blutgerinnsel. Deshalb können auch Medikamente zum Einsatz kommen, die z.B. zur Thromboseprophylaxe bzw. -therapie oder gegen eine Herzinsuffizienz bei Diabetes entwickelt wurden. Sie sollen die entsprechenden Komplikationen durch eine Covid-19-Erkrankung verhindern.
Viele Studien konzentrieren sich auf den Einsatz von Heparin-Derivaten. Aber auch mit Heparin strukturell nicht verwandte Gerinnungshemmer werden erprobt.

Medikamente für die Lunge

Ist die Lunge eines Patienten infolge der Infektion geschädigt, ist es wesentlich für die Genesung, dass sich das Organ mit funktionstüchtigem Gewebe und nicht nur Narbengewebe regenerieren kann. Auch hier befinden sich einige Kandidaten in der Pipeline – eine Zulassung gibt es jedoch noch nicht.

Cornelia Weber

Quelle: Verband forschender Arzneimittelhersteller: www.vfa.de/de/arzneimittel-forschung/woran-wir-forschen/therapeutische-medikamente-gegen-die-coronavirusinfektion-covid-19