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Medizin

© AdobeStock / DC Studio

COVID-19: Aktuelles Know-how für die Hausarztpraxis

Wie viele Viruskontakte bieten effektiven Schutz vor der aktuellen Omikron-Variante? Heute herrscht Konsens, dass drei Virus-Kontakte ein effektives Schutzschild aufbauen – dabei ist es unerheblich, ob es sich um Impfungen oder Infektionen handelt. Bei Long-COVID gilt Fatigue als häufigstes Symptom. Auch hier warten Experten mit konkreten Tipps auf.

Zweifach Geimpfte sind vor Omikron nicht geschützt, dreifach Geimpfte schon, erklärte PD Dr. Christoph Spinner, München. Deswegen sei die Boosterimpfung so wichtig.

3 Kontakte – und ggf. eine vierte bzw. fünfte Impfung
Eine Studie aus München hat gezeigt, dass es für den Schutz unerheblich ist, ob ein Patient geimpft oder genesen ist – drei Kontakte, ob durch Impfung oder Infektion, erzeugen einen vergleichbar guten Schutz. Inzwischen hat sich auch die STIKO diesem Standpunkt angeschlossen, sodass jetzt jeder Impf- oder Infektions-Kontakt mit dem Virus auch offiziell gleichwertig ist.
Für Patienten ohne Risikofaktoren sind mindes­tens drei Impfungen notwendig, die vierte Impfung senkt  besonders bei Risikopatienten die Mortalität. Für einzelne Risikogruppen gelten besondere Regelungen, chronisch kranke Patienten sollen beispielsweise fünf Impfungen erhalten.  

Wirklich Fatigue? Finden Sie es heraus!
„Fatigue, das ist das Problem, das uns in den Hausarztpraxen wirklich begegnet“, konstatierte Prof. Jochen Gensichen, München: Die Patienten berichten, dass sie bei Belastung schneller erschöpft und auch psychisch belastet sind. Ähnliche Phänomene kennt man schon von anderen Viruserkrankungen. Dabei sind alle Altersgruppen gleichmäßig betroffen, Frauen insgesamt jedoch ein wenig häufiger.
Um die Fatigue für die Diagnose richtig beurteilen zu können, ist es Gensichen zufolge wichtig, ein geeignetes diagnostisches Hilfsmittel zu nutzen. Denn sonst sei möglicherweise zu schnell von Fatigue die Rede und es bestehe die Gefahr von Überdiagnostik. So lässt sich beispielsweise mit der Fatigue Severity Scale (FSS) schnell und verlässlich feststellen, ob tatsächlich eine Fatigue-Symptomatik vorliegt.

Wann an Long-COVID denken?
Gensichen wies darauf hin, dass sich Post-COVID auf vielerlei Weise präsentieren kann. So bestehen mitunter die Symptome der akuten Phase weiter, auch wenn der Patient genesen ist. Es können aber auch neue Symptome auftreten, die den Patienten auf andere Weise einschränken als die akute Infektion. Es ist auch möglich, dass nach der ausgeheilten Infektion Symptome auftreten, die auf den Folgen der Infektion beruhen. Und schließlich kann sich eine vorbestehende Grunderkrankung verschlechtern.
Diagnostische Warnhinweise für Long-COVID sind außer Fatigue ein schlechter Allgemeinzustand, Gewichtsverlust, aber auch neu aufgetretene neurologische Defekte und anhaltende Schmerzen. Die Patienten müssen gründlich körperlich untersucht werden, eine sorgfältige Anamnese ist notwendig und funktionelle Einschränkungen sind zu erfassen. Zur Basisdiagnostik zählen Blutdruck, Herz- und Atemfrequenz, Sauerstoffsättigung, verschiedene Laboruntersuchungen und Fragen zu Fatigue und Erschöpfung. Bei nicht akuten Fällen könne es sinnvoll sein, die Entwicklung zu beob­achten. 

Roland Müller-Waldeck

Quelle: Webinar von Health Care Bayern e.V.  „Think Tank „COVID-19 - All Over? Ist jetzt alles vorbei?“ am 20. Juli 2022