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Medizin

Krebsvorsorge
Eine Hautärztin untersucht eine verdächtige Hautveränderung bei einem Patienten.
© NCT/UCC/Philip Benjamin

Starkes Signal für Hautkrebs-Screening

Seit 2008 haben gesetzlich Versicherte ab 35 Jahren in Deutschland alle zwei Jahre Anspruch auf eine Hautkrebs-Früherkennungsuntersuchung. Was das Screening wirklich bringt, haben Forschende am NCT/UCC Dresden und der Medizinischen Fakultät Carl Gustav Carus Dresden nun in einer groß angelegten Analyse untersucht.

Das 2008 in Deutschland eingeführte Hautkrebsscreening ist umstritten. Denn bislang konnte nicht überzeugend nachgewiesen werden, dass es das vorrangige Ziel tatsächlich befördert: die durch den gefährlichen schwarzen Hautkrebs – das so genannte Melanom – bedingte Sterblichkeit zu senken. Eine aktuelle Studie zeigt nun, dass das Screening tatsächlich einen positiven Effekt auf die hautkrebsbedingte Sterblichkeit haben könnte. „Unsere groß angelegte Studie liefert wichtige Hinweise darauf, dass eine Screening-Teilnahme für die Betroffenen einen Nutzen bringt. Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass sich durch die Früherkennungsuntersuchung schwarzer Hautkrebs früher erkennen und die Sterblichkeit von Melanom-Patienten senken lässt“, sagt Prof. Jochen Schmitt, Direktor des Zentrums für Evidenzbasierte Gesundheitsversorgung (ZEGV) der TU Dresden.

Deutlich geringere Sterblichkeit

Im Rahmen der Studie analysierten Forschende am NCT/UCC Dresden und der Medizinischen Fakultät Carl Gustav Carus Dresden Krankenkassendaten von gut 1,4 Millionen Versicherten der AOK PLUS aus Sachsen aus den Jahren 2010 bis 2016. Sie verglichen hierbei die Sterblichkeit zweier Gruppen von Patientinnen und Patienten, bei denen im genannten Zeitraum ein Melanom neu diagnostiziert wurde. Die Personen aus Gruppe 1 hatten im relevanten Zeitraum mindestens einmal am Screening teilgenommen, Gruppe 2 hatte nicht am Screening teilgenommen. Im Ergebnis war die Sterblichkeit bei Patientinnen und Patienten mit neu diagnostiziertem Melanom in der ersten Gruppe mit Screening-Teilnahme um 38 Prozent geringer als in der Vergleichsgruppe. Die Analyse ließ zudem Rückschlüsse darauf zu, dass Hautkrebs bei den Personen aus Gruppe 1 in früheren Stadien entdeckt wurde.

Bei der Analyse wurden zahlreiche Unterschiede zwischen beiden Gruppen herausgerechnet, die zu einer Verzerrung des Ergebnisses führen können: beispielsweise unterschiedliche Zusammensetzungen hinsichtlich Alter, Geschlecht oder ausgewählten weiteren Erkrankungen. Analysiert wurden ausschließlich Krankenkassendaten aus Sachsen, die jedoch hinsichtlich der Verteilung wichtiger Merkmale wie Alter oder Geschlecht mit der gesamtdeutschen Bevölkerung vergleichbar sind.

Positives Signal trotz möglicher statistischer Verzerrungen

„Die Studie ist ein wichtiges positives Signal in der Bewertung des Screenings. Sie liefert starke Anhaltspunkte dafür, dass das nationale Vorsorgeprogramm im Kampf gegen Hautkrebs sinnvoll ist und für die teilnehmenden Personen einen Nutzen bringt. Weitere großangelegte Untersuchungen in dieser Frage wären wünschenswert, um verbleibende Unsicherheiten zu minimieren“, sagt Prof. Friedegund Meier, Leiterin des Hauttumorzentrums am NCT/UCC.

So ist es trotz aller vorgenommenen mathematischen Modellierungen prinzipiell möglich, dass die vorliegende Analyse statistische Verzerrungen enthält, die das Ergebnis verfälschen können. „Denkbar ist beispielsweise, dass gesündere Menschen eher zum Screening gehen und dieser Faktor die Überlebenswahrscheinlichkeit in Gruppe 1 positiv beeinflusst“, erklärt Erstautor Dr. Thomas Datzmann vom ZEGV. Durch die relative Kürze des Beobachtungszeitraums – das Überleben nach Neudiagnose eines Melanoms wurde während eines Zeitraums von maximal vier Jahren nachverfolgt – konnte zudem keine Langzeitwirkung des Programms analysiert werden.

Veröffentlichung:
T. Datzmann, O. Schoffer, F. Meier, A. Seidler, J. Schmitt: Patients benefit from participating in the German skin cancer screening program? A large cohort study based on administrative data. In: British Journal of Dermatology. https://doi.org/10.1111/bjd.20658

Quelle: Dr. Anna Kraft, Nationales Centrum für Tumorerkrankungen Dresden (NCT/UCC)