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Ist es sinnvoll, Biologika präventiv bei Psoriasis-Patienten mit COVID-19-Infektion abzusetzen?
© Colourbox/Dawesign

Psoriasis und COVID-19: Folgen für Biologika-Therapie?

Mit dem Einsatz von Biologika stellt sich auch bei Psoriasis-Patienten die Frage, welchen Einfluss eine COVID-19-Infektion auf das Therapiemanagement hat. Aktuelle Erfahrungen geben Entwarnung.

Italienische Dermatologen stellten bei 720 Patienten (mittleres Alter 53,9 Jahre, BMI 30,9, häufig Bluthochdruck) mit schwerer Psoriasis insgesamt neun Fälle einer COVID-19-Infektion fest. Vier Patienten erhielten TNF-α-Inhibitoren und fünf gegen Interleukin gerichtete Wirkstoffe. Die häufigsten Symp-tome waren Fieber, Arthralgien und Husten. Ein Patient war asymptomatisch. Bei allen acht symp-tomatischen Patienten wurden die Biologika abgesetzt. Ein 62-jähriger infizierter Patient mit multipler Komorbidität unter Adalimumabtherapie entwickelte ein akutes Lungenversagen.1

Ob es sinnvoll ist, Biologika präventiv bei diesen Patienten abzusetzen, wird auch durch diese Fallserie nicht eindeutig beantwortet, zumal Daten zu den Effekten eines (möglicherweise überstürzten) Absetzens nicht vorliegen. Die Autoren weisen darauf hin, dass – obwohl adipöse Patienten einen tendenziell schwereren Verlauf  hatten – die Infektion bei 88,9% der Patienten mild oder asymp-tomatisch verlief.1

Die Erfahrung, dass Psoriasis-Patienten trotz kardiovaskulärer und metabolischer Risikofaktoren unter Biologika-Therapie selten hospitalisiert werden müssen, werden von einer norditalienischen Arbeitsgruppe bestätigt.2 Hinweise auf eine höhere Vulnerabilität für COVID-19-Infektionen wurden nicht beobachtet. Der wichtigste Risikofaktor für einen schweren Verlauf einer COVID-19-Infektion ist ein hohes Alter. Die meisten Psoriasis-Patienten unter Biologikatherapie sind jedoch eher jünger. 1

Cyclosporin A – Feind oder Freund?

Eine italienisch-schweizerische Arbeitsgruppe um Dr. Vito Di Lernia untersuchte das Risiko einer COVID-19-Infektion bei 130 dermatologischen Patienten (71 Männer, im Mittel 48,4 Jahre), die Cyclosporin A (CsA) wegen einer Psoriasis (n=114) oder atopischen Dermatitis (n=16) erhielten. Zwei der Patienten hatten eine bestätigte COVID-19-Infektion und leichte respiratorische Symptomen, die nicht stationär behandlungsbedürftig waren. Aus Sicherheitsgründen wurde das CsA bis zur kompletten Remission der respiratorischen Symp-tome und einer Woche Fieberfreiheit abgesetzt.3

Doch CsA ist möglicherweise kein Risikofaktor, sondern könnte günstig auf respiratorische Symptome einer COVID-19-Infektion wirken. Der Wirkmechanismus von CsA gegen Cyclophilin, dass zahlreiche Viren, darunter auch Corona, zur Replikation benötigen, deutet auf einen therapeutischen Nutzen hin. CsA hat sich bereits als wirksam erwiesen bei der Dermatomyositis-assoziierten interstitiellen Lungenerkrankung.4 Spanische Kliniker setzen CsA inzwischen auch bei rheumatologischen Patienten mit COVID-19-Infektion mit respiratorischen Symptomen ein, Therapieergebnisse sind noch nicht bekannt.5

Konsequenz für die Praxis: Angesichts der wenigen COVID-19-Infektionen sehen Di Lernia et al. keine erhöhte Vulnerabilität bei Psoriasis-Patienten unter Beachtung der grundsätzlichen Hygiene-regeln sowie keinen Grund für ein präventives Absetzen von CsA.3

Dr. Alexander Kretzschmar

Literatur:
1. Magnano M et al. Dermatol Ther 2020 May 30. doi: 10.1111/dth.13706.
2.Gisondi P et al. Br J Dermatol. 2020 Apr 28. doi: 10.1111/bjd.19158.
3. Di Lernia V et al. Dermatol Ther 2020 Jun 1. doi: 10.1111/dth.13739.
4. Go DJ et al. Rheumatol Internat 2016; 36:125–131.
5. Sanchez-Pernaute O et al. Reumatol Clin. 2020. doi.org/10.1016/j.reuma.2020.03.001.