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Medizin

Die Entzündungsreaktion der Akne führt oft zur Narbenbildung.
© Adobe Stock/Budimir Jevtic

Wenn Akne Spuren hinterlässt

Auf Grund ihrer Prävalenz lässt sich Akne vulgaris als Volkskrankheit bezeichnen. Welchen Einfluss haben die Erkrankung und ihre sichtbaren Folgen auf die Psyche der Betroffenen? Und warum ist die Devise „hit hard and early“ bei der Prävention von Akne-Narben so wichtig? Ein Update

Weltweit ist Akne die häufigste Hauterkrankung. Circa 85% der Bevölkerung ist davon betroffen. Mit einer Prävalenz von nahezu 100% ist es die häufigste Dermatose in der Altersgruppe der Jugendlichen. Von den Betroffenen leiden 40% an einem akuten bis chronischen Krankheitsverlauf. Die Akne als chronisch-persistierende Erkrankung weist eine signifikante Prävalenz zwischen dem 14. Lebensjahr und Beginn des 3. Lebensjahrzehnts auf. Jedoch ist auch ein Anstieg der Acne tarda (Altersakne) zu beobachten.

Das entzündliche Krankheitsbild

Typisch für die Akne sind Papeln, Pusteln und Mikrokomedonen. In all diesen Stadien sind inflammatorische Prozesse nachweislich aktiv. Bei der Akne handelt es sich daher um eine chronisch-entzündliche Erkrankung – vom initialen, nicht sichtbaren Mikrokomedo bis hin zur Narbe spielen diese persistierenden Entzündungsreaktionen eine Rolle.

Wir wissen heute, dass das Cutibacterium acnes diese Entzündungsreaktion stimuliert, wodurch der TLR 2 verstärkt ausgebildet und die Ausschüttung von Botenstoffen über den AP-1 Weg gefördert wird. Zudem werden vermehrt MMPs (Matrix-Metalloproteinases) ausgeschüttet, was zu einem Ungleichgewicht an gewebezerstörenden MMPs und gewebeerhaltenden TIMPs (Tissue Inhibitor of Metalloproteinases) führt. Die Entzündungskaskade führt so zur dauerhaften Veränderung der Hautstruktur – es kommt zur Narbenbildung. Bis zu 99% der Akne-Narben stammen von entzündlichen Läsionen und postinflammatorischen Erythemen ab (siehe Abb. 1).

Psychische Belastung der Betroffenen durch Akne-Narben

Es lässt sich ein deutlicher Trend zur Korrelation zwischen dem Vorhandensein von Akne-Narben und körperdysmorphen Störungen feststellen, die in verschiedenen Schweregraden auftreten können. Die psychologischen Auswirkungen korrelieren nicht notwendigerweise mit dem klinischen Erscheinungsbild. Bereits vermeintlich geringe Hautveränderungen können einen hohen Leidensdruck verursachen. Eine Befragung von rund 1.388 Akne-Patienten ergab, dass 14,7% an psychosomatisch relevanten Entstellungsproblemen leiden. Im Vergleich dazu liegt gemäß repräsentativen Studien der Wert in der Gesamtbevölkerung bei 4,9%.

Hit hard and early

Bei rund 43% der Betroffenen mit leichter bis sehr schwerer Akne entwickeln sich Narben. Hier gilt: je höher der Schweregrad, desto größer diese Wahrscheinlichkeit. Zu den Risikofaktoren gehören neben dem Schweregrad  die Beteiligung des Stammes, eine positive Familienanamnese sowie ein früher Beginn der Akne und häufige Rezidive. Die Basis für eine effektive Verbesserung des Hautbildes ist ein schnelles und gezieltes Eingreifen in die Entzündungskaskade. Besonders ist auch das Zeitfenster zwischen Erkrankungsbeginn und wirksamer Therapie hervorzuheben. Ein früher Therapiebeginn mit einer hoch effektiven antientzündlichen Strategie nach der Devise „hit hard and early“ ist daher von hoher Relevanz in der Narbenprävention

Akne-Narben durch geeignete Therapien verhindern

Neben einer schnellen Besserung der Symptomatik sowie Minimierung von Rezidiven ist die Prävention von Akne-Narben ein wichtiges Therapieziel. Topische Retinoide gelten neben Benzoylperoxid (BPO) als Basistherapeutikum in der Akne-Therapie, wobei sich Adapalen (ADA) durch die nachgewiesenen antientzündlichen Eigenschaften und das gute Verträglichkeits-profil abhebt. In klinischen Studien hat ADA zudem einen Effekt auf die Kollagen-Neogenese gezeigt. Ein weiterer Vorteil: In der OSCAR-Studie konnte nachgewiesen werden, dass bei Patienten mit mittelschwerer entzündlicher Akne das Auftreten von atrophen Akne-Narben durch die Behandlung mit 0,3% ADA/2,5% BPO signifikant reduziert wurde. Dieser präventive Effekt auf die Narbenentstehung wurde sowohl über einen Zeitraum von 24 als auch 48 Wochen bestätigt.

Therapieerfolg auch bei bestehenden Narben möglich

Aktuelle Daten zeigen, dass mit der Kombination 0,3% DA/2,5% PO ein Therapieerfolg auch bei bereits bestehenden atrophen Akne-Narben erreicht werden kann. In der Split-Face-Studie (OSCAR) wurden bis Woche 24 jeweils eine Gesichtshälfte mit Verum und eine mit der Fixkombination aus ADA und BPO behandelt – danach wurde bis Woche 48 auf beiden Gesichtshälften die Fixkombination eingesetzt. Die 48-Wochen-Daten zeigen den besonderen Effekt hinsichtlich atropher Akne-Narben: 55,6% der Patienten wiesen einen narbenfreien oder fast narbenfreien Hautbefund auf. Die Gesichtshälfte mit frühem Einsatz der topischen Therapie wies insgesamt weniger atrophe Akne-Narben auf, was die Bedeutung des frühen effektiven Akne-Therapieeinsatzes widerspiegelt.

PD Dr. med. Markus Reinholz, München