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Medizin

Die Diagnose von Dermatosen bei dunkleren Hauttypen kann sich als schwierig erweisen.
© Adobe Stock/Marta Klos

Dermatosen auf dunkler Haut sicher erkennen

Läsionen auf dunkleren Hauttypen sehen oft sehr spezifisch aus, so dass akute Dermatosen mitunter falsch eingeschätzt oder fehldiagnostiziert werden, insbesondere bei zu wenigen Erfahrungen damit.

Menschen afrikanischer, lateinamerikanischer, asiatischer, indischer, hawaiianischer, pazifischer Herkunft haben typischerweise dunklere Hauttöne als im Vergleich zur weißen Bevölkerung. Dunklere Hauttöne unterscheiden sich zu helleren Hauttönen durch funktionelle und strukturelle Unterschiede (Variationen) des Stratum corneums, Epidermis, Dermis sowie Hautpigmentierung. Die Hautpigmentierung variiert zum Beispiel in der Menge und Art des dominanten Melanins sowie in der Zahl und Größe von Melanozyten und Melanosomen, berichtete Prof. Dr. med. Peter Schmid-Grendelmeier aus Zürich im Rahmen des Derma Updates 2021. So hat der Hauttyp V im Vergleich zum Hauttyp II beispielsweise wesentlich mehr spezialisierte Organellen (Melanosomen) in Pigmentzellen.

Diese Unterschiede sind wesentliche Faktoren für unterschiedliche Phänotypen bei Hyperpigmentierung, Hypopigmentierung, trockene Haut, Schuppigkeit, Xerose und Keloide. So neigt der Hauttyp VI weniger zu Hautalterungs-
bedingten Falten und weniger Hautkrebs. Besonderheiten beim Hauttyp VI umfassen jedoch öfter eine trockene Haut sowie eine erhöhte Keloidneigung. Die Tendenz zur Keloid-bildung ist bei Hauttyp VI bis zu 10-fach erhöht, so
Schmid-Grendelmeier. Keloide sind vergleichsweise einfach per Blickdiagnose zu erkennen und zur Entstehung reichen oft schon Mikrotraumata aus, gab der Experte zu bedenken.

Erytheme oft schwierig zu identifizieren

Zur Erkennung von Erythemen empfahl der Experte das betroffene Hautareal zur Diagnosestellung gut zu beleuchten (nicht zu gleißend, seitlich einfallendes Licht) und auf diskrete violett-livide Verfärbungen zu achten. Statt eines „klassischen“ Erythems zeigen sich stattdessen meist leichte Hyper- oder Hypopigmentierungen, so Schmid-Grendelmeier. Bei Verdacht auf Erythem kann außerdem eine Erythema nodosum in Betracht kommen. Das Erythema nodosum ist eine häufige Begleiterscheinung bei Sarkoidose oder bakteriellen Infektionen (Tuberkulose, Lepra).

Zur Schulung der Erkennung von Erythemen auf dunklen Hauttypen schlug Schmid-Grendelmeier vor, Fotos von entsprechenden Hautbefunden auf hellen Hauttönen mit Hilfe der Bildbearbeitung in Grautöne umzuwandeln und zu beurteilen bzw. Muster zu erkennen.

Einsatz von Hilfsmitteln

Der Einsatz von Hilfsmitteln wie einer Wood-Lampe (Schwarzlichtlampe) und eines Dermatoskops sind auch bei dunkleren Hauttypen sinnvoll. Die Wood-Lampe hat sich zum Beispiel bei Verdacht auf Mykosen (Tinea capitis, Tinea versicolor) und anderen Infekten (z.B. bakterielle Dermatosen) mit Eigenfluoreszenz als nützlich erwiesen. Die Wood-Lampe ist allerdings wenig ergiebig bei Melasmen und anderen Hyper- oder Hypopigmentierungen, weil der Kontrast zu gering ist, gab der Experte zu bedenken. Das Dermatoskop erleichtert die Diagnose von melanozytären Läsionen und entzündlichen Läsionen wie Lichen planus, Melasma, exogene Ochronose und Skabies auf dunkleren Hauttypen. Bei Verdacht auf Skabies sind die Gänge auf dunkleren Hautttypen allerdings oft schwieriger zu erkennen, daher sollte der Fokus auf Papeln/Pusteln an Prädilektionsstellen (Palmo-Plantar-/Genital-region) gerichtet sein, empfahl der Experte.

Atopische Dermatitis

Die Atopische Dermatitis (AD) ist eine der häufigsten chronisch entzündlichen Hauterkrankungen in Afrika südlich der Sahara. AD bei dunkleren Hauttypen zeigen oft andere Sensibilisierungs-muster und immunologische Signaturen. So dominieren bei AD-Patienten aus Tansania pro-inflammatoriische, Th17-verwandte Mediatoren stärker im Serum als im Vergleich zu AD-Patienten aus der Schweiz. Darüber hinaus treten häufig Sensibilisierungen auf Hausstaubmilben und Tropomyosin auf.

Die Therapie einer AD (z.B. Rückfettung der Haut) erfolgt wie auf heller Haut. Eine Therapie mit Biologika oder small molecules scheint ähnlich effektiv, jedoch ist der Hauttyp VI in großen randomisierten, kontrollierten Studien nur mit Anteilen zwischen 10 bis 18% vertreten. Spezifische Studien zu Hauttypen V-VI oder speziell in afro-amerikanischen Populationen wurden noch gar nicht umgesetzt, bemängelte Schmid-Grendelmeier.

Psoriasis

Auch bei Psoriasis gibt es zwischen ethnischen Gruppen bemerkenswerte Unterschiede in den klinischen Manifestationen. Jedoch tritt Psoriasis bei dunkleren Hauttypen seltener auf. Auch hier sind die Erytheme eher schwierig zu erkennen. Daher sollte vornehmlich auf Hypo-/Hyperpigmentation, sowie Nägel (Tüpfelnägel) und Haaransatz geachtet werden. Läsionen am Gesicht treten auf dunkleren Hauttypen häufiger auf, ansonsten gelten ähnliche Prädilektionsstellen (z.B. Streckseiten). Auch bei dunkler Haut sind postläsionäre Dyspigmentation häufig, nannte Schmid-Grendelmeier1.

Seborrhoische Dermatitis ist eine häufige, rezidivierende, entzündliche Hauterkrankung unklarer Ätiologie. Seborrhoische Dermatitis betrifft häufig Bereiche der Haut mit hoher Talgproduktion, einschließlich der Kopfhaut, Nasolabialfalten, Glabella, Augenbrauen, Bart, Ohren, retroaurikuläre Haut, Brustbein und andere Hautfalten. Läsionen der seborrhoischen Dermatitis sind bei dunkelhäutigen Personen schuppig und oft stark hypopigmentiert2.

Dermatosen mit Hyperpigmentation

Bis zu 40% der Frauen mit Hauttyp VI haben Melasmen, die auch auf dunkler Haut als sehr störend empfunden werden können. Betroffene sollten Sonnenschutz verwenden. Zur Behandlung kann zum Beispiel Tramexansäure (topisch, systemisch), Hydrochinon oder Hydrochinon (4%) in Kombination mit Tretinoin (0,05%) und Hydrocortision (1%) auf hydrophiler Grundlage zum Einsatz kommen. Allerdings sollte Hydrochinon weder zu hoch dosiert, noch zu lange angewendet werden, da sonst Risiken für exogene Ochronosen steigen, gab
Schmid-Grendelmeier zu bedenken.

Die Verwendung von Hautaufhellern über rezeptfreie Optionen und Konzentrationen, die ohne die Anleitung eines Dermatologen angewendet werden, können ebenfalls Nebenwirkungen wie exogene Ochronosen verursachen, warnte der Experte. Zur Therapie von Melasmen sollten zu stark irritative Verfahren wie zum Beispiel Microneedling vermieden werden oder allenfalls Nadellängen von maximal 0,3-0,5 mm zum Einsatz kommen, so Schmid-Grendelmeier.

Exogene Ochronosen gehen auf dunkler Haut mit Hyperpigmentation an exponierten Stellen sowie Vergröberung der Hauttextur und Atrophie einher. Da die Therapie von exogenen Ochronosen sehr schwierig ist, liegt der Fokus auf Prävention und Früherkennung. Als Behandlungsoptionen stehen laut Schmid-Grendelmeier topische Steroide und Retinoide oder Dermabrasio sowie der Einsatz verschiedener Laser-Technologien zur Verfügung.

Dr. rer. nat. Christine Willen

Quelle: Livestream zum Derma Update 2021 in Berlin „Hot topic – Dermatosen dunkler Haut“ am 13. November 2021.

Literatur: 1. Kaufman BP, Alexis AF. Am J Clin Dermatol. 2018;19(3):405-423; 2. Elgash M, Dlova N, Ogunleye T, Taylor SC. Seborrheic Dermatitis in Skin of Color: Clinical Considerations. J Drugs Dermatol. 2019;18(1):24-27.