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Medizin

Mädchen am Strand
© Colourbox/Dmitry Travnikov

Der holprige Weg zur UV-Protektion

Die kanzerogene Wirkung der UV‐Strahlung auf die Haut ist spätestens seit Anfang der 1990er Jahre bekannt und heutzutage unumstritten. Bei der Entwicklung wirksamer Präventionsmaßnahmen ist jedoch noch Luft nach oben.

Aktuelle Studien aus den Niederlanden zeigen, dass mangelndes Wissen um die Notwendigkeit eines effektiven Sonnen- bzw. UV-Schutzes gerade bei Kleinkindern bei vielen Eltern immer noch ein Hindernis für die praktische Umsetzung ist. Bei den älteren Kindern hat die Aufklärung Wirkung gezeigt, wobei jedoch diese Effekte bei den (jüngeren) Erwachsenen wieder verblassen.1-3 Hier empfiehlt die U.S. Preventive Services Task Force (USPSTF) weitere Aufklärungsmaßnahmen.4

Sonnenschutzfilter oft trügerisch

Dermatologen an der Berliner Charité konnten jetzt zeigen, dass die reine Höhe des Sonnenschutzfilters nicht immer den realen Schutzeffekt angibt. Beim Vergleich mehrerer Formulierungen von topischen Sonnenschutzmitteln stellten sie fest, dass die UV-Protektion ganz wesentlich davon abhängt, wie gut die Filtersubstanzen beim Auftragen sich an der Haut festsetzen. Hier gibt es offensichtlich noch deutliche Unterschiede. Formulierungen mit äthoxyliertem Lanolin wiesen hier bessere physisch-mechanische Eigenschaften zur Bildung eines schützenden Films auf der Haut auf als ohne diesen Inhaltsstoff. Damit der Sonnenschutzfilter seine theoretisch mögliche Wirkung entfalten kann, sind daher weitere Anstrengungen zur Verbesserung der Eigenschaften von Sonnenschutzmittel-Formulierungen notwendig, mahnen die Autoren.5

Natürliche statt chemisch-physikalische UV-Filter

Intensiv beforscht wird die Verwendung natürlicher Inhaltsstoffe in den Formulierungen topischer Sonnenschutzmittel. Bislang wird die Produktion komplett natürlicher Formulierungen in industriellen Größenordnungen vor alle durch die zu geringe (Photo)Stabilität sowie den geringen Gehalt UV-protektiver Inhaltsstoffe in den Rohstoffen limitiert. Natürliche Sonnenschutzmittel enthalten derzeit Lignin, Melanin, Silymarin sowie insbesondere photoprotektive Meeresextrakte und Bestandteile von Früchten. Mithilfe von Nanopartikeln werden sog. Nanoemulsionen als natürliche UV-Filter hergestellt. Nach dem gegenwärtigen Forschungsstand können allerdings chemisch-physikalische UV-Filter noch nicht vollständig durch natürliche UV-protektiv wirksame Inhaltsstoffe ersetzt werden, stellen die Forscher abschließend fest.6

Mehr technische UV-Prävention 

In Deutschland sind über 2,5 Millionen Arbeitnehmer aufgrund ihrer beruflichen Tätigkeit als Outdoor‐Worker im besonderen Maße gegenüber natürlicher UV‐Strahlung exponiert. Bis zur Anerkennung von Hautmalignomen als UV-induzierter Berufskrankheit hat es aber lange gedauert. Größere Anstrengungen werden inzwischen auch zur technischen Prävention von Indoor- und Outdoor-UV-Exposition unternommen. Eine niederländische Arbeitsgruppe plant jetzt eine nicht-interventionelle Studie zur Wirksamkeit technischer Hilfsmittel zur UV-Protektion innerhalb und außerhalb geschlossener Räume.7

Dr. Alexander Kretzschmar

Literatur

  1. Thoonen K et al. A Qualitative Exploration of Parental Perceptions Regarding Children's Sun Exposure, Sun Protection, and Sunburn. Front Public Health 2021; 9: 596253.
  2. Thoonen K et al. Childhood sun safety at different ages: relations between parental sun protection behavior towards their child and children's own sun protection behavior. BMC Public Health 2019; 5; 19(1): 1044. 
  3. Asai Y et al. Systematic Review of Interventions to Increase Awareness of Ultraviolet Radiation-Induced Harm and Protective Behaviors in Post-Secondary School Adults. J Cutan Med Surg 2021; 10; 1203475420988863. doi: 10.1177/1203475420988863. Online ahead of print.
  4. Henrikson NB et al. Behavioral Counseling for Skin Cancer Prevention: A Systematic Evidence Review for the U.S. Preventive Services Task Force [Internet]. Rockville (MD): Agency for Healthcare Research and Quality (US); 2018; Report No.: 17-05234-EF-1.
  5. Infante VHP et al. Influence of physical-mechanical properties on SPF in sunscreen formulations on ex vivo and in vivo skin. Int J Pharm 2021; 598: 120262. 
  6. He H et al. Natural components in sunscreens: Topical formulations with sun protection factor (SPF) Biomed Pharmacother 2021; 134:111161.
  7. Keurentjes AJ et al. Protection Against Solar Ultraviolet Radiation in Outdoor Construction Workers: Study Protocol for a Non-randomized Controlled Intervention Study. Front Public Health 2021; 9: 602933.