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Dermatologie

Welche Rolle spielt das Darmmikrobiom bei Rosacea?
© Colourbox/Somkiat Fakmee

Rosacea: Auch das Darmmikrobiom mischt mit

Obwohl klinisch ausführlich beschrieben ist die Pathophysiologie der Rosacea bislang nur teilweise bekannt. Neuere Studien zeigen, dass nicht nur die Dysbiose des Hautmikrobioms die inflammatorische Aktivität beeinflusst, sondern auch die des Darmmikrobioms.

Die Rosacea manifestiert sich nicht nur mit einem breiten Spektrum dermaler Affektionen und Komplikationen, sondern mit einer breiten neuropsychiatrischen und somatischen Komorbidität als Folge einer chronisch-wiederkehrenden systemischen Inflammation. Diese Patienten leiden gehäuft an kardiovaskulären Symptomen wie Hypertonie und koronarer Herzkrankheit sowie an einer ganzen Reihe gastrointestinaler Störungen, beispielsweise einer Helicobacter pylori-Infektion des Magens, einer bakteriellen Überbesiedlung des Dünndarms (SIBO) sowie einem Reizdarm-Syndrom (IBD) oder einer chronisch-entzündlichen Darmerkrankung (CED).

Darm-Gehirn-Haut-Achse

Angesicht der negativen Erfahrungen bei der Identifizierung kausal beteiligter Hautbakterien mit/ohne Gabe systemischer Antibiotika wurde der Fokus der Forschung in den letzten Jahren auf die Beteiligung auch des Darmmikrobioms erweitert1-3. Zusammen mit der neuropsychiatrischen Komorbidität spricht man daher heute von einer „Darm-Gehirn-Haut-Achse“ der Rosacea, welche über die Modulation des angeborenen und erworbenen Immunsystems über neuroendokrine Signalwege die Krankheitsaktivität beeinflusst3.

Inzwischen gibt es ausreichende Belege für eine Darm-Gehirn-Haut-Achse in der Pathogenese der Rosacea2. Obwohl einige Species wie Demodex folliculorum, Staphylococcus epidermidis, H. pylori, Bacillus oleronius oder Chlamydia pneumoniae wahrscheinlich nicht kausal an der Pathogenese der Rosacea beteiligt sind, so spielen sie doch offenbar eine wichtige Rolle bei der Modulation von Haut- und gastrointestinalen Symptomen. Ein Signalweg, für den eine Verbindung zwischen Haut und Darmbakterien bereits nachgewiesen wurde, ist das Plasma-Kallikrein-Kinin-System (PKKS). Darüber hinaus könnten sich bakterielle Metabolite in der Haut anreichern und die Vulnerabilität für infektiöse Hautaffektionen erhöhen.

Fazit für die Praxis

Die Identifizierung einer Darm-Gehirn-Haut-Achse könnte auch erklären, warum spezifische Ernährungsgewohnheiten – Konsum von Alkohol, stark gewürzten Speisen, heißen Getränken und Schokolade – als Triggerfaktoren für eine Rosacea gelten. Alle beeinflussen das Darmmikrobiom und über die Darm-Gehirn-Haut-Achse die Krankheitsaktivität. Aktuelle Fall-Kontrollstudien wiesen bei Patienten mit Rosacea ein gegenüber gesunden Kontrollen charakteristisch verändertes Mikrobiom in den Faeces auf4. Diese Befunde eröffnen auch neue therapeutische Optionen für die Zukunft. Über eine Klassifizierung von Rosacea-Subpopulationen anhand des Darmmikrobioms könnten spezifisch abgestimmte Ernährungsempfehlungen und Interventionen zur therapeutischen Umstimmung des Darmmikrobioms entwickelt werden5.

Dr. Alexander Kretzschmar

Literatur
1. Woo YR et al.   J Clin Med 2020; 9(1): 185.
2. Daou et al. Dermatol Ther 2020 Nov 10.
3. Searle T et al. Australas J Dermatol 2020; 61(4): 307-331.
4. Chen Yj et al. J Formos Med Assoc 2021; 120(1 Pt 1): 256-264.
5. Yuan X et al. J Dermatol 2019; 46(3): 219-222.