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Dermatologie

Senior mit VR-Brille
Mit virtueller Realität gegen den Juckreiz??
© Colourbox/ Kyryko Glivin

DERM 2020: Trends für die moderne dermatologische Praxis

Über 1.900 Teilnehmer nahmen am ersten virtuellen DERM Kongress teil. Neben dem gesamten Spektrum der Dermatologie ergänzten Workshops unter anderem zum Thema „Praxisoptimierung durch Teledermatologie“ das Tagungs-Programm.

Die Telemedizin umfasst mit Store-and-Forward-Optionen (z.B. Fragebogen, Fotos) und Live-Interaktionen per Video- oder Telefonkonsultation zwei Bereiche. Wobei Store-and-Forward-Optionen nach Einschätzung von Dr. Christian Greis, Hautarzt in Zürich und Gründer der derma2go AG, von den meisten Dermatologen als sinnvoller erachtet werden, aufgrund flexibler Bearbeitungsmöglichkeiten. Store-and-Forward-Optionen umfassen digitale Anwendungen für das Smartphone mit Apps wie Online-Doktor, Online-Hautarzt und Derma2go. Nach Plattform-Registrierung können Patienten Fotos des Hautproblems hochladen und beschreiben und erhalten zeitnah einen ärztlichen Rat. Der Arzt erhält per E-Mail oder SMS die Nachricht, dass eine neue Anfrage vorliegt, die er flexibel bearbeiten kann. Laut einer Umfrage von Greis unter 83 Dermatologen dauert die Beantwortung und Diagnosestellung im Median etwa 7 Minuten. Mit der Arbeitsroutine nimmt auch die Schnelligkeit der Bearbeitung dieser Anfragen zu. Die Hauptklientel von Store-and-Forward-Optionen ist zwischen 20 und 45 Jahre alt. Die häufigsten Anfragen werden zu Hautveränderungen bei Säuglingen und Kleinkindern gestellt, so die Erfahrung von Greis.

Hohe Patientenzufriedenheit mit Teledermatologie erzielbar

Eine Umfrage zu den digitalen Trends in der Gesundheitsversorgung mit 494 ambulant tätigen Ärzten sowie 2.432 Einwohnern der Schweiz im Jahr 2019 hat gezeigt, dass aus Patientensicht digitale Services bei der Wahl der Arztpraxis eine entscheidende Rolle spielen. Wobei am häufigsten die Möglichkeit für das Senden von Fotos mit dem Smartphone an die Arztpraxis gewünscht wird. Etwa 76% der Patienten wünschen sich digitale Dienstleistungen als Teil der medizinischen Konsultation. Patienten, die teledermatologischen Anwendungen vertrauen und diese nutzen, sind zu über 90% zufrieden mit dem Service, so Greis.

Audiovisuelle Stimulation bei Juckreiz

Viele technische Innovationen haben sich mittlerweile fest in der dermatologischen Praxis etabliert. Ein weiteres Beispiel für zukunftsweisende Technologien ist die begleitende Virtual Reality (VR)-Therapie bei Juckreiz. Erste Auswertungen belegen, dass die audiovisuelle Stimulation mittels VR den Juckreiz effektiv und längerfristig lindern kann und sogar medikamentöse Therapien verringert oder ersetzt. Die Wissenschaftler aus der Arbeitsgruppe von Prof. Dr. med. Ulrike Raap aus Oldenburg gehen davon aus, dass durch die Entspannung mit der audiovisuellen Stimulations-Brille eine Entkopplung vom sogenannten Juckreizgedächtnis erfolgt, die in der Folge zu einer Linderung der Symptomatik führt. „Das Projekt zeigt, wie sich mit einfachen und kostengünstigen Mitteln beeindruckende Therapieerfolge erzielen lassen und macht neugierig auf die endgültigen Studienergebnisse“, so Matthias Scheller, Vorstand der Professor Paul Gerson Unna Akademie e.V. zur Verleihung des Innovationspreises Dermatologie 2020 an die Arbeitsgruppe von Prof. Raap.

Dr. rer. nat. Christine Willen

Quelle: DERM Online Kongress 2020, 16. bis 18.10.2020