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Dermatologie

Laptop auf Schoß einer Frau
© Colourbox/ProImageContent

"Toasted Skin" im Homeoffice

Bedingt durch die Corona-Pandemie arbeiten immer mehr Menschen im Homeoffice. Die Versuchung, es sich dabei mit dem Laptop – entsprechend der wörtlichen Übersetzung – auf dem Schoß gemütlich zu machen, ist groß. Doch das kann Folgen für die Haut haben.

Für den Anwender mag es sich vielleicht ganz angenehm anfühlen, den wärmenden Laptop an einem kalten Homeoffice-Tag auf dem Schoß zu platzieren. Schließlich handelt es sich nicht um eine Schmerzen verursachende Hitze, die von dem Gerät ausgeht. Schädlich kann sie aber dennoch sein.
Forscher der Universitätsklinik Köln untersuchten nun die Auswirkung anhaltender Infrarot-Strahlung von Laptops auf die Haut.Diese kann ein Erythema ab igne (EAI) auslösen, auch bekannt als  kalorische Hyperpigmentierung oder Buschke-Hitzemelanose. Diagnostisch zeigt sich ein netzförmiger, rotbrauner Hautausschlag, der in manchen Fällen auch mit Juckreiz einhergehen kann. Bei kurzer Exposition bildet sich die Rötung von selbst wieder zurück. Eine andauerne Bestrahlung kann jedoch eine fortbestehende, netzförmig marmorierte Hyperpigmentierung der Haut zur Folge haben und in seltenen Fällen präkanzeröse Läsionen, Plattenepithel- oder
Merkelzellkarzinome hervorrufen.

Steigende Zahlen

Historisch gesehen trat das EAI gehäuft bei Arbeiten nahe offenen Feuerstellen auf, so zum Beispiel bei Bäckern, Glasbläsern oder Schmieden. Dies hat sich in der Neuzeit durch eine veränderte Arbeitswelt gewandelt. Bislang waren EAI-Diagnosen laut den Studienautoren eher selten. Aktuell würden die Meldungen jedoch zunehmen und dies vornehmlich im Zusammenhang mit Infrarot-Strahlung von Laptops. Dies führen die Autoren auf die derzeitige Corona-Pandemie und die zunehmende Homeoffice-Tätigkeit zurück.

Direkte Exposition meiden

Bisher vorliegende Studien sind nur schwer zu vergleichen, da diesen eine große Bandbreite an Wellenlägen, Intensität und Dauer unterschiedlicher Infrarot-Strahlungsquellen zugrunde liegt. Zusätzlich spielen die Beschaffenheit der Kleidung sowie die Positionierung des Geräts eine wichtige Rolle. Daher ist es schwierig, eine generelle Empfehlung abzuleiten. Vielmehr sollten man sich des möglichen Risikos eines EAIs bewusst sein  und eine  entsprechende Arbeitssituation einrichten. Ist das Arbeiten an einem Tisch nicht möglich, sollte zumindest eine Art Tablett zwischen Laptop und Schoß verwendet werden, um eine direkte Exposition zu vermeiden und Hautschäden vorzubeugen. Liegt bereits ein EAI vor, empfiehlt sich laut den Autoren ein Follow-up für den Fall, dass sich präkanzeröse Läsionen entwickeln.

Martha-Luise Storre

Literatur: Lewis P et al. Working from home during and after COVID-19: watch out for erythema ab igne when using laptops. Br J Gen Pract. 2020 Jul 30;70(697):404