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Medizin

COVID-Zehen
Besondere Manifestation: COVID-Zehen
© Adobe Stock/WESTOCK

Dermatologische Manifestationen von COVID-19

Mukokutane Manifestationen einer COVID-19-Infektion stellen sich deutlich polymorpher dar als andere Virusinfektionen und sind ubiquitär an der ganzen Körperoberfläche zu finden. Je nach zugrundeliegender Pathologie können sie auch Prädiktoren für leichtere und schwerere Verläufe sein.

Die Prävalenz einer dermatologischen Beteiligung differiert bei Kindern und Erwachsenen in der Literatur, abhängig von den Diagnosekriterien – Verdachtsfall oder bestätigt – zwischen 0,2 und 24%1. Dabei sind die Art und Dauer der klinischen Manifestation sowie der Zeitpunkt – früh oder verzögert – im Infek-tionsverlauf offenbar eng mit der individuellen Immunreaktion und der davon abhängigen Pathogenese verknüpft.

Pathogenese bestimmt klinische Manifestation

Detailliertere Daten liegen insbesondere für hospitalisierte Patienten mit einer SARS-CoV-2-Infektion vor. Eine aktuelle Publikation fand in einem stationären Setting bei 35/396 Patienten (11,8%) auch dermatologische Symptome2. Bei dieser Population kann man die Symptomatik insgesamt in zwei Kategorien einteilen: Vaskulopathie-assoziierte kutane Läsionen sowie virale inflammatorisch-exanthemische Effloreszenzen. Dabei werden erstere vorzugsweise bei Patienten mit schwererem Krankheitsverlauf beob-achtet und gehen mit einer höheren Mortalität einher. Demgegenüber treten inflammatorisch-exanthemische Ef-floreszenzen häufiger auf und sind mit leichteren Verläufen bei stationären Patienten assoziiert.  Eine Ausnahme ist hier ein neuartiges Krankheitsbild, das als MIS-C (Multisys-tem Inflammatory Syndrome in Children) bezeichnet wird. Es tritt in den Wochen nach einer Infektion mit SARS-CoV-2 bei Kindern und Jugendlichen auf und ist durch schwerere Verläufe gekennzeichnet.
Eine retiforme Purpura und Livedo racemosa finden sich fast ausschließlich bei stationären, älteren Patienten mit thromboembolischen Organschäden und sind Prädiktoren für schwere Verläufe mit längerem stationärem Aufenthalt1,2.
Patienten, bei denen das angeborene Immunsystem den Erreger mit einer robusten oder gesteigerten Typ 1-Interferon-Immunantwort erfolgreich bekämpft, noch bevor die humorale Immunantwort einsetzt, zeigen häufiger Pernio-artige Infiltrationen an den Händen und Füßen („COVID-Zehen“). Ausdruck einer erhöhten dermalen und subkutanen Koagulationsbereitschaft ist auch eine fluktuierende oder transiente Livedo reticularis, vorzugsweise am Körperstamm und den Schenkeln. Die zugrunde liegenden Mikrothrombosen verlaufen überwiegend mild2. Ausdruck einer schweren inflammatorischen Krankheitsaktivität kann auch plötzlicher, exzessiver Haarverlust sein1.

Sekundäre COVID-19-assoziierte Dermatosen

Ein besonderes Krankheitsphänomen sind sekundäre COVID-19-assoziierte Dermatosen. Sie treten nach abgelaufener Infektion auf und werden offenbar durch den assoziierten Stress ausgelöst. Sie manifestieren sich vorzugsweise als Herpes simplex bzw. Herpes zoster oder als telogenes Effluvium sowie psychokutane Störungsbilder wie eine Alopecia areata1. Eine sehr sorgfältige Händedesinfektion, das Tragen einer Maske oder Handschuhen können außerdem die Entwicklung einer Kontaktdermatitis oder akuten Urtikaria oder eine Exazerbation vorbestehender chronischer Hauterkrankungen begünstigen1,3.

Dr. Alexander Kretzschmar

Literatur:
1. Afshar ZM et al. Dermatological manifestations associated with COVID-19: A comprehensive review of the current knowledge. J Med Virol 2021; 93(10): 5756-5767.
2. Do MH et al. Cutaneous Manifestations of COVID-19 in the Inpatient Setting. Dermatol Clin 2021; 39; 521–532.
3. Beiu C et al. Frequent hand washing for COVID-19 prevention can cause hand dermatitis: management tips. Cureus. 2020;12(4):7506