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Medizin

© Adobe Stock/Anna

Dermatitis, Akne, Rosacea: Wenn die Maske nicht nur schützt

Sie ist in Zeiten der Pandemie ein Schlüsselelement der Hygiene-Maßnahmen. Doch das dauerhafte Tragen einer Mund-Nasen-Maske kann Hautirritationen sowie eine Verschlimmerung von entzündlichen Hauterkrankungen begünstigen.

Das Wort „Maskne“ ist derzeit in aller Munde – es bezeichnet eine durch das regelmäßige Tragen von Mund-Nasen-Masken verschlimmerte Akne vulgaris. Dass sich in der Kürze der Zeit ein solcher Begriff etabliert, zeugt von der hohen Inzidenz dieser Begleiterscheinung. Die wissenschaftliche Datenlage dazu ist allerdings noch recht dünn.

Maske als Trigger von Flare-ups

Neben psychischen Faktoren wie Stress oder Angst kann eine bestehende Akne oder Rosacea durch exogene Faktoren ausgelöst bzw. verschlimmert werden. Unter anderem ist bekannt, dass Reibung und Druck auf die Haut, so auch zum Beispiel durch das Tragen von Masken, als Trigger fungieren können. Zudem wird durch das lange Tragen von Masken die Mikroumgebung der Haut beeinflusst, was zu Veränderungen des Mikro- und Mykobioms führt.

Wissenschaftler der Universität Mailand um Dr. Giovanni Damiani präsentierten beim virtuellen EADV 2020 Ergebnisse einer Untersuchung an einer kleinen Gruppe von Akne- und Rosacea-Patienten, die für mindestens sechs Stunden pro Tag Mund-Nasen-Masken trugen1: Demnach wiesen zehn Patienten (zwischen 16 und 25 Jahren) mit Akne vulgaris ein Flare-up im unteren Gesichtsdrittel auf. Die Papeln, Pusteln und Mikrozysten traten vor allem auf Wangen und Kinn auf, seltener auch an den Kieferbögen sowie der Nase. Bei fünf Rosacea-Patienten (zwischen 60 und 85 Jahre alt) zeigte sich eine Verschlechterung der vorbestehenden Dermatose. Der papulopustulöse Ausschlag trat hauptsächlich auf den Wangen und der dorsalen Oberfläche des unteren Nasendrittels auf. Das Kinn, die periorale und okulare Region waren am wenigsten betroffen. Die Autoren berichteten weiter, dass eine durch Masken verschlechterte Akne oder Rosacea deutlich therapieresistenter sei und es einer raschen und adäquaten Behandlung bedürfe.

Juckreiz durch Maske

Polnische Wissenschaftler nahmen sich im Rahmen einer online-basierten Umfrage unter 2.3157 Studenten dem Thema Masken-induzierter Juckreiz an2. 60,4 Prozent der Befragten gaben an, in der Vorwoche Mund-Nasen-Masken getragen zu haben; 19,6 Prozent von ihnen entwickelten dabei Juckreiz.
Teilnehmer, die eine empfindliche Haut oder eine atopische Prädisposition angaben oder bereits an einer Gesichtsdermatose leiden (Akne, Neurodermitis, seborrhoische Dermatitis) wiesen ein deutlich höheres Risiko auf, Juckreiz zu entwicklen. Ein längerer Tragezeitraum korrelierte laut den Autoren mit einem häufigeren Juckreiz.
Knapp 30 Prozent der Betroffenen gaben an, ihr Gesicht durch die Maske hindurch zu kratzen oder diese  hierfür abzusetzen. Die Autoren befürchten hierdurch einen eingeschränkten Schutz durch inkorrekte Anwendung der Masken.

Falsche Handhabung begünstigt Irritationen

Welchen Einfluss solch eine fehlerhafte Handhabung von Masken auf deren Effektivität haben kann und wie diese zu Hautveränderungen beitragen, untersuchten Forscher aus Verona3: Mit Hilfe eines Elektronenmikroskops stellten sie die strukturellen Veränderungen von chirurgischen Gesichtsmaske nach einer durchgehenden Tragedauer von 1,5 Stunden dar. Bei allen zehn Probanden enstanden durch Manipulation Deformationen in der Maskenstruktur. Diese Veränderungen können laut den Autoren die Porösität der Masken reduzieren, was zu einem Temperatur- und Feuchtigkeitsanstieg im Bereich zwischen Gesicht und OP-Maske führt – mit Folgen für die bereits zuvor erwähnte Mikroumgebung der Haut. Auch Verschmutzungen durch zu langes Tragen der Masken unterstützen diesen Effekt. Unter dem Elektronenmikroskop wurden zudem Abrasionen der Maske im Nanometer-Bereich beobachtet, welche laut den Autoren zu einer Kontakt-Dermatitis führen könnten.

Pflege für Masken-gereizte Haut

Die American Acadamy of Dermatology (AAD) hat  Empfehlungen für den Umgang mit Maskne-Symptomen aufgestellt4. Dazu gehöre, morgens und abends sowie nach starkem Schwitzen das Gesicht mit lauwarmem Wasser und sanften Reinigungsmitteln ohne Alkohol zu waschen. Anschließend solle eine Gesichtspflege aufgetragen werden, angepasst an die zugrunde-liegende Hauterkrankung. Es empfehle sich auf die Anwendung von Make-up zu verzichten.

Auch bei der Wahl der Maske kann man einiges beachten: So helfe ein eng anliegendes, aber bequemes Modell, zusätzliche Irritationen durch Reibung oder Druck zu vermeiden. Eine regelmäßige Tragepause von 15 Minuten alle vier Stunden  unterstütze die Regeneration der Haut. Sollte eine sogenannte Community-Maske aus Stoff getragen werden, ist es essenziell, diese regelmäßig zu waschen.

Martha-Luise Storre

Literatur:
1 Damiani G et al. FC01.07, EADV Virtual Congress, 29-31 October 2020.
2 Szepietowski JC et al. Acta Derm Venereol 2020; 100: adv00152; doi: 10.2340/00015555-3536.
3 Veronese S et al. J Eur Acad Dermatol Venereol. 2020 Sep 1. doi: 10.1111/jdv.16905.
4 www.aad.org/public/everyday-care/injured-skin/burns/face-mask-skin-problems-treatment, Stand 28.1.2021.