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Medizin

Mann beim Sport
Von leichtem Sport profitiert auch die Kognition.
© Colourbox/821

Leichter Sport hilft Herz und Hirn

Rund die Hälfte der meist älteren Patienten mit einer Herzinsuffizienz leidet auch unter ersten kognitiven Einschränkungen. Eine auf Senioren abgestimmte leichte bis moderate sportliche Betätigung wirkt sich positiv auf Herz, Affekt und Kognition aus.

Bei Senioren mit ersten kognitiven Defiziten wird sportliche Betätigung empfohlen, ebenso bei Senioren mit Herzinsuffizienz. Allerdings befolgen nur wenige Betroffene diese Empfehlung. Als Gründe werden vor allem geringe Fitness und Schmerzen angegeben. Eine US-Arbeitsgruppe untersuchte jetzt, ob ein auf diese Zielgruppe abgestimmtes leichtes bis moderates Training zur Verbesserung der Kognition beiträgt.

An der exploratorischen Parallelgruppenstudie nahmen 69 Patienten mit symptomatischer Herzinsuffizienz (mittleres Alter: 65 Jahre; 89% Männer, BMI: 32; MoCA [Montreal Cognitive Assessment]: 24; BDI [Beck Depressionsinventar]: 9; linksventrikuläre Ejektionsfraktion: 46%; CRP: 2,5) teil. Primärer Endpunkt war die Veränderung des MoCA-Scores. Teilnehmer wurden drei Gruppen zugeordnet: Tai-Chi oder Widerstandsband (jeweils 2x 60 Minuten/Woche über 16 Wochen) und Therapie wie üblich (n = 23). Die Teilnehmer wurden gebeten, die Tai-Chi-Übungen und das Training mit dem Widerstandsband auch zu Hause an den Nichtübungstagen für 10–20 Minuten durchzuführen.

Positive Signale, aber noch offene Fragen

Beide Interventionsgruppen unterschieden sich nicht hinsichtlich Teilnahme (Tai-Chi: 87%; Widerstandsband: 81%) und häuslichem Training (74 bzw. 60,8 Minuten/Woche). Es traten keine unerwünschten Ereignisse auf. Im Vergleich zur Kontrollgruppe zeigte sich in beiden Interventionsgruppen eine signifikante Verbesserung des MoCA-Scores (p = 0,001). Veränderungen der Depressivität (BDI) und des Inflammationsmarkers CRP waren im Individualfall prädiktiv für eine Veränderung des MoCA-Scores. Im Gruppendurchschnitt fand sich aber keine signifikante Interaktion zwischen diesen Parametern.

Dies bedeutet, so die Autoren, dass depressive Symptome und systemische Inflammationsmarker der kardialen Funktion möglicherweise mit der kognitiven Funktion assoziiert sind. In dieser Studie waren sie im Gruppendurchschnitt unter einem rein mechanistischen Blickwinkel aber keine Faktoren für eine Verbesserung der Kognition durch leichtes -Training. Weitere Aufschlüsse über die Mechanismen der Interaktionen zwi-schen psychischen und physischen Parametern und kognitiver Funktion erhofft man sich von größeren Studien.

Dr. Alexander Kretzschmar

Literatur: Redwine LS et al. An exploratory randomized sub-study of light-to-moderate intensity
exercise on cognitive function, depression symptoms and inflammation in older adults with heart failure. J Psychosom Res 2020; 128: 109883