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Medizin

Geldscheine mit Stethoskop
© Colourbox / fantazista

Biologische Arzneimittel wirtschaftlich verordnen

Der Versorgungsalltag bewegt sich bei vielen Indikationen in einem Spannungsfeld zwischen medizinischer Notwendigkeit und einer Reihe von Regeln, die es bei der Biologika-Verordnung zu beachten gilt. Der G-BA hat nun Hinweise für eine wirtschaftliche Verordnungsweise formuliert.

„Biotechnologisch hergestellte Arzneimittel spielen aufgrund ihres besonderen Wirkprinzips bei der Behandlung von Autoimmunerkrankungen wie rheumatoider Arthritis oder in der Krebstherapie eine immer wichtigere Rolle – vor allem medizinisch, aber auch hinsichtlich der Kostenanteile bei den Arzneimittelausgaben. Unter den zehn Arzneimitteln mit den höchsten Umsätzen pro Patientin oder Patient sind sechs Biologika“, erläutert Professor Josef Hecken, unparteiischer Vorsitzender des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) und Vorsitzender des Unterausschusses Arzneimittel.

Mit dem Gesetz für mehr Sicherheit in der Arzneimittelversorgung (GSAV) wurde der G-BA im Jahr 2019 beauftragt, in seinen Richtlinien Hinweise zur Austauschbarkeit von biologischen Referenzarzneimitteln – Biologika – durch im Wesentlichen gleiche biotechnologisch hergestellte biologische Arzneimittel – Biosimilars – zu geben und dabei die therapeutische Vergleichbarkeit zu berücksichtigen. Diesem Auftrag ist der Ausschuss nun nachgekommen. Vertragsärztinnen und Vertragsärzte finden zukünftig in der Arzneimittel-Richtlinie Hinweise für eine wirtschaftliche Verordnungsweise. Zur Orientierung werden künftig in einer neuen Anlage Informationen zum Zulassungsstatus von Biologika und deren Biosimilars zur Verfügung gestellt – und fortlaufend aktualisiert.
„Die vom G-BA beschlossenen Hinweise sind eine Richtschnur – selbstverständlich immer unter der Voraussetzung, dass die Verordnung eines Biosimilars patienten-individuell und medizinisch vertretbar ist", so Hecken.

Was gilt es zu beachten?

  • Im Sinne einer wirtschaftlichen Verordnungsweise sollen Ärztinnen und Ärzte zu Beginn einer Therapie mit biotechnologisch hergestellten Arzneimitteln wirkstoffbezogen ein preisgünstiges Produkt auswählen. In der Regel ist das, sofern vorhanden, ein Biosimilar.
  • Werden Patientinnen und Patienten bereits mit einem bestimmten Biologikum behandelt, sollen Ärztinnen und Ärzte prüfen, ob sie auf ein preisgünstigeres Biosimilar umgestellt werden können. Voraussetzung für die Umstellung bei einer bereits laufenden Arzneimitteltherapie ist insbesondere, dass keine patienten-individuellen medizinischen Gründe gegen den Wechsel auf ein anderes Präparat sprechen, wie Nebenwirkungen, Unverträglichkeiten oder eine instabile Therapiesituation.
  • Sowohl bei der Erstverordnung als auch bei der Umstellung gilt: Sofern die Krankenkasse der Versicherten oder des Versicherten für ein Arzneimittel einen Rabattvertrag abgeschlossen hat, ist auf diesem Wege die Wirtschaftlichkeit der Verordnung sichergestellt. Ein weiterer Kostenvergleich durch die Ärztin oder den Arzt ist nicht notwendig.

Der Beschluss ist nach Nichtbeanstandung durch das Bundesministerium für Gesundheit und Veröffentlichung im Bundesanzeiger zum 12. November 2020 in Kraft getreten.

Martha-Luise Storre