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Kardiologie

© Adobe Stock/megaflopp news

Kritik der DGK: Herz-Patienten werden zu spät geimpft

In einem offenen Brief kritisiert die Deutsche Gesellschaft für Kardiologie (DGK) die mangelnde Impf-Priorisierung von Herzerkrankten. Zudem fordert sie die Aufrechterhaltung der Ressourcen für die Herzmedizin

Kaum eine andere Vorerkrankung erhöht das Sterberisiko von COVID-19-Patienten so sehr wie eine chronische Herzschwäche, auch Herzinsuffizienz genannt. An ihr leiden 20 Prozent der im Krankenhaus behandelten COVID-19-Erkrankten. Auch Patientinnen und Patienten mit Herzrhythmusstörungen oder Herzklappenerkrankungen sind einem deutlich höheren Risiko ausgesetzt, an COVID-19 zu versterben als andere Personengruppen. Dennoch tauchen Herzpatienten in der kürzlich verabschiedeten Coronavirus-Impfverordnung (CoronaImpfV) erst in der dritten Impfgruppe auf, der ein Anspruch auf eine Schutzimpfung lediglich mit erhöhter, nicht mit höchster oder hoher Priorität eingeräumt wird. 

„Damit wird riskiert, dass die Übersterblichkeit, die COVID inzwischen auch in Deutschland verantwortet, weiter ansteigt“, befürchtet Prof. Dr. Stephan Baldus, zukünftiger Präsident der DGK. In einem offenen Brief hat sich die DGK daher in dieser Woche an die Gesundheitspolitik gewendet und eindringlich vor einer nachrangigen Impf-Priorisierung von Herzpatienten gewarnt. 

Experten beurteilen Impf-Priorisierung als problematisch

In dem Brief heißt es unter anderem: 
„Die DGK hat in der Vergangenheit wiederholt auf die Bedeutung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen für Prävalenz, Morbidität und Mortalität von COVID-infizierten Patienten hingewiesen. Hinzu kommen „Kollateralschäden“ bei durch COVID verunsicherten Patienten, die dringlich notwendige kardiovaskuläre Therapien nicht in Anspruch nehmen bzw. nehmen können: Jüngere Untersuchungen für Mitteldeutschland zeigen, dass in der Pandemie nicht nur bedeutend weniger Patienten invasiver Diagnostik zugeführt wurden, sondern auch die kardiovaskuläre bzw. kardiale Mortalität erhöht war (1). Eine diese Hochrisikopatienten nachrangig berücksichtigende Impfstrategie macht die Situation für kardiovaskulär erkrankte Patienten nicht besser.“

Herzmedizinische Eingriffe nicht aufschieben

Die Experten der DGK weisen außerdem darauf hin, dass die Aufrechterhaltung der Ressourcen für die kardiovaskuläre Medizin alternativlos ist und auch in den kommenden Monaten kraftvoll umgesetzt werden muss. Vor allem kathetergestützte Eingriffe dürften nicht verschoben werden, da diese für die Patienten schonenden Eingriffe mit kurzen Krankenhausaufenthalten im Anschluss an die Prozedur verbunden sind und daher die Ressourcen in der Intensivmedizin schonen. „Eine Beschneidung dieser Eingriffe, die die Prognose unserer Patientinnen und Patienten entscheidend verbessern, wäre fatal und würde die kardiovaskuläre Sterblichkeit, die in Teilen im vergangenen Jahr bereits erhöht war, weiter ansteigen lassen“, so Baldus. „Wir bieten uns zu einem detaillierten Aus-tausch mit den Entscheidungsträgern in der Gesundheitspolitik noch einmal ausdrücklich an.“

Symptome von Herzerkrankungen ernst nehmen

Dem derzeitigen Präsidenten der DGK, Prof. Dr. Andreas Zeiher, appelliert darüber hinaus an die Herz-Patientinnen und -Patienten: „Nehmen Sie die Symptome von akuten Herzerkrankungen und auch von Verschlechterungen einer bestehenden Herzerkrankung ernst und begeben sich wenn nötig zeitnah in ärztliche Behandlung oder rufen den Rettungsdienst!“ Die Notfallversorgung sei flächendeckend sichergestellt, betont der Herzmediziner.

Referenz:
1. Nef et al. Impact of the COVID-19 pandemic on cardiovascular mortality and catherization activity during the lockdown in central Germany: an observational study. Clin Res Cardiol 2020; 1-10
2. Offener Brief der DGK an die Gesundheitspolitik 

Quelle: DGK