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Gastroenterologie

Prof. Dr. Arndt Vogel und PD Dr. Anna Saborowsk
Haben eine aktuelle Übersicht zum hepatozellulären Karzinom erstellt: Prof. Dr. Arndt Vogel und PD Dr. Anna Saborowski.
© Karin Kaiser / MHH

Fettleber vermehrt Ursache für Leberzellkrebs

Während dank verfügbarer Impfungen virale Ursachen für das hepatozelluläre Karzinom zurückgehen, steigt der Anteil der Fettleber-Erkrankungen als wichtiger Risikofaktor. Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Übersicht an der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH).

Das hepatozelluläre Karzinom (HCC) gehört zu den häufigsten Krebserkrankungen weltweit. In Deutschland gibt es derzeit rund 9.000 HCC-Neudiagnosen pro Jahr, fast 8.000 Betroffene überleben die Erkrankung nicht. Bevor der Tumor in der Leber entsteht, ist das Organ oft bereits durch eine chronische Entzündung vorgeschädigt. Zu den „traditionellen“ Ursachen chronischer Leberschädigungen zählen insbesondere Infektionen mit Hepatitis-Viren oder übermäßiger Alkoholkonsum. Inzwischen jedoch nehmen Übergewicht und metabolische Erkrankungen, zu denen auch der Diabetes mellitus zählt und die zu einer sogenannten Fettleber führen, einen immer höheren Stellenwert ein.

Diese epidemiologischen Entwicklungen hat ein internationales Forschungsteam um Prof. Dr. Arndt Vogel und Privatdozentin Dr. Anna Saborowski von der Klinik für Gastroenterologie, Hepatologie und Endokrinologie der MHH nachgezeichnet. Sie haben rund 200 internationale Studien gesichtet und eine aktuelle Übersicht zu Risikofaktoren, Diagnose und Behandlung des hepatozellulären Karzinoms erstellt.

Anteil viral verursachter HCC-Fälle nimmt ab

„Nicht-alkoholische Fettlebererkrankungen nehmen deutlich zu und entwickeln sich zu einer der Hauptursachen für das hepatozelluläre Karzinom“, stellt Vogel fest. Aufgrund falscher Ernährung und von Bewegungsmangel steige die Zahl an extrem übergewichtigen Menschen, die eine Fettleber entwickelten. Zwar sei das Risiko für den Einzelnen relativ gering, später an Krebs zu erkranken. Aber die Volkskrankheit Übergewicht und die daraus wachsende Zahl an Fettleber-Betroffenen steigere eben die absolute Zahl der Krebsfälle. „Der Anteil viral verursachter Leberkrebsfälle ist dank der Impfungen gegen Hepatitis B und erfolgreichen Therapie der Hepatitis C dagegen zurückgegangen“, erklärt der Gastroenterologe.

Doch nicht nur die Epidemiologie der Leberkrebs-Erkrankung hat sich verändert. Auch die Behandlungsmöglichkeiten für das HCC haben sich seit der letzten Lancet-Übersichtsarbeit vor vier Jahren weiterentwickelt. „Lange Zeit gab es nur wenige therapeutische Möglichkeiten für Patienten mit fortgeschrittenem Tumorstadium“, erklärt Saborowski. Mittlerweile steht aber eine ganze Palette an Möglichkeiten für eine systemische Therapie zur Verfügung. Dabei werden zum einen spezielle Medikamente eingesetzt, die in die Signalwege für das Tumorwachstum eingreifen. Der große Durchbruch wurde aber zum anderen mit der Einführung der sogenannten Immun-Checkpoint-Inhibitoren erreicht. Diese Wirkstoffe aktivieren das Immunsystem, so dass Krebszellen erkannt und bekämpft werden. Mit dem zeitlich versetzten Einsatz der verschiedenen Medikamente lässt sich die Prognose von Patienten mit HCC deutlich verbessern.

Behandlung in spezialisierten Zentren empfohlen

Ein Problem ist weiterhin, dass Leberkrebs wegen seiner unspezifischen Symptome oft erst spät erkannt wird. „Es fehlen Biomarker, mit denen wir nicht nur Risikopatientinnen und patienten erkennen, sondern auch für alle Stadien des hepatozellulären Karzinoms präzise Behandlungsentscheidungen treffen können“, sagt Vogel. Entscheidend für den Therapieerfolg sei aber vor allem, dass HCC-Patientinnen und -Patienten dort behandelt würden, wo das gesamte Spektrum der Diagnose- und Therapiemöglichkeiten, einschließlich der Lebertransplantation, interventionell-lokalen Verfahren und Systemtherapien, angeboten werde. Und das böten nur spezialisierte Einrichtungen wie das Viszeral-Onkologische Zentrum der MHH, betont der Leberkrebsexperte. „In unseren Tumorkonferenzen arbeiten Ärztinnen und Ärzte verschiedener Fachrichtungen zusammen und erstellen einen gemeinsamen Therapieplan, überprüfen ihn regelmäßig und entscheiden, was das Beste für den Patienten in der jeweiligen Situation ist.“

Stefan Zorn, Medizinische Hochschule Hannover