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Allgemein Medizin

© Adobe Stock / mi_viri

Chronische Nierenerkrankung: Was sagen die neuen Leitlinien?

SGLT2-Hemmer können das Progressionsrisiko bei chronischer Nierenerkrankung deutlich senken – das belegen drei große Studien. Daher empfehlen die neuen Leitlinien SGLT2-Hemmer ab einer GFR von über 20. Nicht behandelt werden sollen Patienten mit Typ-1-Diabetes, polyzystischen Nierenerkrankungen und Lupus-Nephritis.

„Wenn man über die Niere spricht, nimmt man sich die drei Nierenstudien heraus, und die heißen CREDENCE, DAPA-CKD und EMPA-Kidney“, erklärte Prof. Christof Wanner, Würzburg. Auch wenn Canagliflozin in Deutschlandnicht zugelassen sei, so habe doch die CREDENCE-Studie 2019 zum ersten Mal gezeigt, dass SGLT2-Hemmer die Progres­sion chronischer Nierenerkrankungen bei Typ-2-Diabetes beeinflussen können.

Studien einhellig: überzeugende renale Protektion
Anschließend zeigte die Studie DAPA-CKD im Jahr 2020, dass Dapagliflozin bei Patienten mit chronischer Nierenerkrankung mit Albuminurie einen Benefit hat, und zwar unabhängig davon, ob die Teilnehmer einen Diabetes aufwiesen. In der Studie trennten sich die Kaplan-Meyer-Kurven für den kombinierten Endpunkt (mindestens 50%iger GFR-Rückgang, Nierenversagen, renaler oder kardiovaskulärer Tod) nach etwa 8 Monaten. Nach 2,5 Jahren standen 197 Ereignisse unter Dapagliflozin 312 Ereignissen in der Kontrollgruppe gegenüber. Das entspricht einer relativen Risiko­reduktion um 39%, auch die absolute Risikoreduktion war hoch.
Beide Studien wurden vorzeitig abgebrochen, weil die SGLT2-Hemmer einen überdeutlichen Vorteil gegenüber der Kontrollgruppe hatten. „Das findet man sehr selten, dass eine Studie abgebrochen wird, weil man den Patienten das Präparat nicht mehr vorenthalten kann“, betonte Wanner.
Die Studie EMPA-Kidney prüfte die Wirkung von Dapagliflozin vorwiegend bei Patienten mit chronischen Nierenerkrankungen mit oder ohne Albuminurie, aber ohne Diabetes. Auch diese Studie wurde vorzeitig abgebrochen – und Wanner erwartet ähnliche Ergebnisse wie bei der DAPA-CKD-Studie.
Eine Metaanalyse schließlich wertete die primären und sekundären renalen Endpunkte zahlreicher SGLT2-Studien aus und stellte ein um 40%–50% relativ reduziertes Risiko fest. „Das ist ungefähr doppelt so viel, als man mit dem ACE-Hemmer erreichen konnte“, erklärte Wanner. Es sei überraschend gewesen, dass es noch ein Medikament gibt, das zusätzlich gegeben zum ACE-Hemmer und Standard of Care noch solche Effekte macht. „In der Nephrologie haben wir also jetzt ein neues Therapieprinzip.“

Grenzen der Behandlung
Nicht in die Studien eingeschlossen waren Patienten mit polyzystischen Nierenerkrankungen bzw. Lupus-Nephritis, sie sollen auch nicht mit SGLT2-Hemmern behandelt werden. Bei Patienten mit Typ-1-Diabetes sind die Substanzen ebenfalls nicht empfohlen. Unklar ist, ob SGLT2-Hemmer auch bei seltenen Nierenerkrankungen wie Alport-Syndrom, Amyloidose oder M. Fabry wirksam sind. 

Roland Müller-Waldeck

Quelle: Symposium anlässlich der DGIM-Jahrestagung „SGLT2-Hemmer in der Inneren Medizin: SGLT2-Inhibitoren zur Progressionsbeeinflussung der chronischen Nierenerkrankungen“