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Reportagen

À la Vietnam

Vietnamesinnen am Strand des Fischerhafens von Mui Né

Vietnamesinnen am Strand des Fischerhafens von Mui Né

© Sandy Nguyen

Eine Touristengruppe inszeniert sich vor dem Cham-Tempel bei Quy Nhon

Eine Touristengruppe inszeniert sich vor dem Cham-Tempel bei Quy Nhon

© Sandy Nguyen

Blick auf den Pool und den Strand des „Anantara Mui Ne Resort & Spa“

Blick auf den Pool und den Strand des „Anantara Mui Ne Resort & Spa“

© Anantara Mui Ne Resort & Spa

Sandy mit Freundinnen beim Selfie am Strand

Sandy mit Freundinnen beim Selfie am Strand

© Sandy Nguyen

Fischkörbe auf dem Markt von Quy Nhon

Fischkörbe auf dem Markt von Quy Nhon

© Shutterstock/Vietnam Stock Images

Romantisches Dinner-Setting im „Anantara Mui Ne Resort & Spa“

Romantisches Dinner-Setting im „Anantara Mui Ne Resort & Spa“

© Anantara Mui Ne Resort & Spa

Deluxe-Zimmer im „AVANI Quy Nhon Resort & Spa“

Deluxe-Zimmer im „AVANI Quy Nhon Resort & Spa“

© AVANI Quy Nhon Resort & Spa

Unsere Autorin wollte für ihren Urlaub mit Freunden die Kombination Kultur und Meer, die vietnamesische Verwandschaft hat Quy Nhon und Mui Né empfohlen.

Sandy Nguyen (Text)

Familie im Land des aufsteigenden Drachen zu haben, bedeutet echte Insidertipps. Für mich ist die Heimat meiner Eltern  immer eine Mischung aus Entdeckungstour und Heimkommen. Wenn ich mit meinem Partner oder Freunden aus Deutschland unterwegs  bin, bleiben natürlich auch Erklärungen in Sachen Kulturunterschiede nicht aus. Vietnamesen lächeln zwar meistens, dennoch sollte man über ein paar Regeln Bescheid wissen.

Benimm bei der Familie

Meine Verwandten leben bei Ho Chi Minh City,  in einem hübschen Haus mit kleinem Garten. Und etlichen Rollern – auch so ein Thema,  bei dem Hintergrundwissen nicht schadet. Von den 95 Millionen Menschen in Vietnam besitzt ein Drittel einen Roller.  Mit ihnen wird alles Mögliche und Unmögliche transportiert, manchmal scheint die Schwerkraft in den südostasiatischen Ländern außer Kraft gesetzt zu sein. 

Für viele Einheimische ist das Moped ein Freiheitssymbol, denn ein Auto ist für die meisten zu teuer, und mit einem Fahrrad kommt man nicht so weit. Jeder fährt Moped, aber die Zahl der Verkehrstoten ist leider auch eine der höchsten der Welt. Touristen sind trotzdem fasziniert von der Flut knatternder Zweiräder.  Klare Warnung: Wem seine Gesundheit teuer ist, in den größeren Städten lieber nicht selber fahren. Am besten ist es, sich bequem als Sozius von einem kompetenten Fahrer kutschieren zu lassen. Für Besichtigungen gibt es da z.B. sehr gute Anbieter von Vespatouren (vespaadventures.com). 

Bei uns übernimmt das mit Freuden die Familie, bei der wir einen Antrittsbesuch machen, bevor wir weiterreisen. Es wird immer zuerst die älteste Person begrüßt: Nach traditioneller Art (unsere Familie ist buddhistisch; mit 20 Millionen Buddhisten bei einer Bevölkerung von 92 Millionen ist diese Religion zwar die am meisten verbreitete im Land, aber bei Weitem nicht die einzige) werden die Hände vor der Brust gefaltet und man verbeugt sich leicht, und ein Lächeln gehört einfach dazu. Beim Betreten des Hauses die Schuhe ausziehen, entweder man bleibt barfuß,  manchmal bekommt man auch Flip-Flops aus Plastik. Wir sind zum Essen eingeladen, unsere Geschenke werden erst später aufgemacht – das ist so Sitte. Am Tisch beginnt immer die älteste Person zuerst mit dem Essen, bei uns Tante Ngoc. Mein Freund Leander freut sich immer auf Vietnam, weil Gästen bevorzugt die bes-ten Happen auf den Teller geschaufelt werden –  aber auch nur hier, mein Lieber! Wird reichlich gegessen, sind die Gastgeber glücklich. Eine gelungene Einladung! Wichtig ist es, die Stäbchen am Ende des Mahls wieder nebeneinander hinzulegen – keinesfalls im verbleibenden Essen stecken lassen!

Weiterflug nach Phu Cat, mit Ziel Quy Nhon. Eine kleine, recht untouristische Stadt direkt am Strand, auf der Halbinsel zwischen Nha Trang und Hoi An. „Ihr könnt Ausflüge zu den Cham-Türmen, zur Gedenkstätte in My Lai und ins Hochland unternehmen. Oder auch nur am Strand unter Kokospalmen liegen, den Fischern zusehen und frische Meeresfrüchte verspeisen“, hatte  Onkel Thanh  erzählt, als er uns bei der Reiseroute  beraten hatte.  

Wir haben uns im „AVANI Quy Nhon Resort & Spa“ einquartiert, dessen Spa landesweit als eines der besten gilt und mehrfach international ausgezeichnet wurde. Ein Service, den wir ausgiebig nutzen wollen.  Schon vorweg gesagt: Das Hotel ist jung, stylisch und das Spa wirklich sensationell! Auch unsere Ausflüge haben wir gleich hier gebucht, mit Privat-Chauffeur, das ist sehr komfortabel – und nicht teuer!

Der Vietnamkrieg und die Gedenkstätte sind uns für den Urlaub zu harte Kost, aber Quy Nhon selbst ist wirklich charmant. Zentrum ist der lebhafte wie bunte Lon-Markt, auf dem Obst und Gemüse aus der Region verkauft werden. Nur einige Straßenzüge weiter, zwischen Markt und Stadion, steht in der Tran-Cao-Van-Straße der 300 Jahre alte Long-Khanh-Tempel. Schon von Weitem kann man die 17 Meter hohe Buddha-Statue sehen, die aus einem Lilienteich ragt. Die Ursprünge des Tempels gehen bis zum Jahre 1700 zurück, doch immer wieder wurde er zum Opfer von Verwüstungen. Die letzte Renovierung fand Ende der 1970er Jahre statt, dementsprechend sieht der Buddha auch aus.

Ein Hauch Angkor Wat in Vietnam

Wirklich unvergesslich ist die Tour zu den Cham-Tempeln, für uns alle eine ganz neue Kultur. Die Region hier war lange ein bedeutendes Cham-Zentrum (8. bis 14. Jahrhundert),  was  beeindruckende  Relikte von Tempeln  bezeugen. Wie die frühen Khmer waren auch die Cham Hindus, ihre Tempel und Sakralkunstwerke waren stark von der altindischen Kunst inspiriert – Angkor Wart lässt grüßen! Aber es zeigen sich auch Elemente des Buddhismus und der Tempelkunst Javas. My Son, weiter im Norden und seit 1995 UNESCO-Welterbe, war das religiöse Zentrum des Königreichs Champa in Zentralvietnam.    Für uns zu weit weg, wir besuchen als Erstes den Cham-Tempel Chiem Dem,  der angeblich   genauso sehenswert ist. Vor dem Tor posiert ein Brautpaar für Hochzeitsfotos, wir lassen die Truppe erst mal Richtung Tempel ziehen und schauen uns das angrenzende Museum an, wo einige Fresken und Figuren ausgestellt sind, die rund um die Cham-Türme gefunden wurden. Schon faszinierend, wie fein die Darstellungen der Tänzerinnen sind. In einen der Türme kann man hineingehen, drin ist leider nichts.

Auf dem Rückweg stoppen wir noch am  nördlichen Stadtrand von Quy Nhon, bei den Zwillingstürmen von Thap Doi (11. Jahrhundert). Im Gegensatz zu den für die Cham-Architektur typischen, meist abgestuften Dächern haben die Türme geschwungene, pyramidenförmige Aufbauten vorzuweisen. An ihren Ecken sitzen Garuda-Figuren. Mit Geldern der UNESCO konnten die Zwillingstürme rekonstruiert bzw. restauriert werden.

Vorsicht: Fischsosse!

Unser nächstes Ziel ist Mui Né, an der Südküste eine knappe Tagesreise (ca. 430 Kilometer) zurück Richtung Ho Chi Minh City. Die Fahrt führt immer wieder an der Küste entlang und gibt teilweise spektakuläre Blicke auf das Meer frei. In den Dörfern entlang der Strecke kann man sehen, dass Fischfang noch immer die Haupteinnahmequelle ist. Auf großen Reisiggestellen wird der Fang an der Sonne getrocknet. Viele der Fische werden für die Produktion der Fischsoße (nuoc mam) verwendet, eine dieser Fabriken besuchen wir. Je älter und „gehaltvoller“ die Flüssigkeit in den Produktionsbottichen ist, desto grässlicher stinkt sie. Verwunderlich ist nur, dass die Soße wirklich gut schmeckt. Im „Verkaufsraum“ kann man Flaschen in allen Größen erstehen. Ich würde gern ein Fläschchen mitnehmen, aber leider machen sie nicht den dichtesten Eindruck. Bei „Vietnam Airlines“ übrigens ist die Mitnahme dieser Fischsoße strikt verboten! 

Bis Ende der 1990er Jahre war Mui Né ein kleines Fischerdorf, doch heute ist es touristisch voll erschlossen. Den Hafen mit den bunten Fischerbooten gibt es immer noch, er liegt am nördlichen Ende der Bucht. Etwas weiter im Ort liegt ein kleiner bunter Markt, auf dem vor allem frische Fische und Meeresfrüchte verkauft werden. Am langen Strand reiht sich eine Hotelanlage an die andere, dazwischen Restaurants, kleine Geschäfte und Massage-Salons. Wir wohnen im „Anantara Mui Ne Resort & Spa“, schön und exklusiv, etwas außerhalb, dafür mit Privatstrand.

Wind und Wellen locken vor allem Surfer in den Küstenort. Von November bis März sind die Winde stark, und es ist die beste Saison. Außerdem gibt es im Wasser keine Felsen, die Bedingungen sind ideal zum Kitesurfen. In der Hochsaison können schon mal mehrere hundert Kitesurfer gleichzeitig durch die Wellen pflügen. Wenn man am Strand entlangläuft, kann man Kite-Schirm-Hüpfen spielen und muss aufpassen, dass man nicht über eine der Leinen stolpert oder einem startenden Kiter in sein Start-Manöver läuft.

Natürlich bietet sich ein Sprung ins Südchinesische Meer zur Abkühlung generell an. Die Wellen machen Spaß, haben jedoch eine enorme Kraft, so dass es einen ganz schön umreißen kann. Also, Badehose und Bikini gut festhalten!

Rund um Mui Né kann man viel auf eigene Faust unternehmen. Etwas nördlich liegen die großen roten und weißen Sanddünen. Die ganze Region ist recht sandig, und manchmal wandert der Sand bis auf die Küstenstraße. Hier beeindrucken nicht nur weitläufige Panorama-Aussichten, man kann sich auch auf Quads oder ähnlichen Fahrzeugen austoben. Gleich kommen einige Kinder angerannt, um uns gegen eine kleine Spende eine Matte zu leihen, mit der wir die steilen Dünen hinunterrutschen können. Um es mal vorsichtig auszudrücken: Einen Geschwindigkeitsrausch erlebt man nicht. Ohne ein kräftiges Anschieben hätte ich mich wahrscheinlich gar nicht von der Stelle bewegt.

Zur Belohnung ein Wasserfall

Gemächlich ist auch der Spaziergang im Suoi Tien (Fairy Spring), einem kleinem Fluss mit Canyon. Das Wasser ist selten tief, man kann an vielen Stellen hindurchwaten. Die  Schuhe „parken“ wir gegen ein Trinkgeld bei Abholung unter der Brücke. Freunde hatten uns empfohlen, fühmorgens oder nach 17 Uhr hinzufahren, weil sonst  Massen chinesischer Touristen am Start seien.  Also haben wir unser Frühstück auf später verschoben und erleben dafür tatsächlich   eine sehr schöne Stimmung. Das weiche Morgenlicht taucht den bizarren Sandsteinfels in warmes Gold.   Und am Ende wartet eine kleiner Wasserfall! Fast romantisch!