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Reportagen

Sampa, sempre Sampa

Batman Alley

Street Art in der Batman Alley: "With a little help of my friends" – Beatle Ringo Starr in Umarmung mit Fußball-Held Pelé

© Scholz

Sao Paulo Skyline

Skyline der 20-Millionen-Stadt Sao Paulo bei Sonnenuntergang

© ITER Brazil

Monumento Bandeirantes

Beeindruckend ist das „Monumento às Bandeiras“ des italienisch-brasilianischen Bildhauers Victor Brecheret, das in São Paulo im Ibirapuera-Park steht und die starke Vermischung einer solchen Bandeira aus Europäern, Schwarzen und Indios zeigt.

© ITER Brazil

 

japanische Lampen Liberdade

Beim Rundgang durch die Straßen von Liberdade, dem sog. japanischen bzw. orientalischen Viertel, fallen einem sofort die großen japanischen Lampen ins Auge, die Suzurantos, sie sind ein Kennzeichen des gesamten Viertels.

@ ITER Brazil

Flagship Store Havaianas

Im Flagship Store des Flip-Flop-Herstellers "Havaianas" (Rua Oscar Freire, 1116) bleibt kein Wunsch unerfüllt – man kann auch Maßanfertigungen bestellen.

© Scholz

Batman Alley

Batman Alley ist der Ort, wo junge Talente hinkommen, um ihrer Kreativität freien Lauf zu lassen. Sie befindet sich im schicken Stadtviertel Vila Madalena und beide Seiten der gewundenen Straße sind mit Darstellungen geschmückt, die eigentlich in eine Galerie gehörten.

© Scholz

Batman Alley

São Paulo ist für seine lebendige und sich schnell entwickelnde Straßenkunstszene bekannt, hier eine Szene aus der Batman Alley.

© Scholz

Japan House

Japan House in der Avenida Paulista, das erst letztes Jahr eröffnet wurde. Der luftige Pavillon des renommierten japanischen Architekten Kengo Kuma kombiniert Hinoki-Lamellen (Zypressenholz) mit hohlen Cobogó-Ziegeln, ein Markenzeichen der brasilianischen Moderne.

© Scholz

 Edifício Martinelli

An der Kreuzung der Rua São Bento 405, der Avenida São João 35 und der Rua Libero Badaró 504 gelegen, findet sich das Edifício Martinelli, das älteste Hochhaus der Stadt, das bis zum Ende der 1920er Jahre als höchstes Gebäude Lateinamerikas galt.

© Scholz

Museo de Arte de São Paulo (MASP)

Museo de Arte de São Paulo (MASP), das Kunstmuseum befindet sich seit 1968 in einem einzigartigen Gebäude an der Avenida Paulista, das vom italienisch-brasilianischen Architekten Lina Bo Bardi konzipiert wurde.

@ Scholz

So nennen die Paulistanos liebevoll ihre Stadt. Work hard, party hard, so das Motto der City, São Paulo ist das brasilianische Hipstermekka – keine Schönheit, aber interessant und immer in Bewegung.

Gudrun Rentsch (Text)

Der Blick aus dem Fenster beim Landeanflug ist überwältigend. Ein schier unendliches Hochhäusermeer breitet sich unter dem Betrachter aus. Weltmetropole, Mega-City, subtropisches New York – die gewaltige Metropole ist nicht nur das Herz der brasilianischen Wirtschaft, sie ist auch einer der abwechslungsreichsten Orte zum Leben. 

Die Fahrt auf einer der bis zu zehnspurigen Stadtautobahnen ins Zentrum führt an grauen Industrievierteln, ärmlichen Bretterbuden, glitzernden Einkaufszentren und hypermodernen Hochhäusern vorbei. Das permanente Verkehrschaos an Arbeitstagen stellt ein massives Problem dar: Die Einwohner São Paulos verbringen durchschnittlich drei Stunden im Berufsverkehr. Wer kann, steigt deshalb auf den Transfer per Helikopter um. Mit 500 registrierten Hubschraubern hat São Paulo die größte Hubschrauberflotte der Welt.

Viel arbeiten, ausgelassen feiern

Im Zentrum bietet die Dachterrasse im 43. Stock des Edifício Itália die beste Übersicht über die Stadt. Oder man begibt sich aufs Dach des Jugendstiljuwels Edifício Martinelli. Auf dem Dach thront eine kitschige, dreistöckige Villa, und die Aussicht ist atemberaubend. Spannend: Unten in diesem endlosen Gestrüpp aus Straßen versammeln sich 250.000 Geschäfte, 13.000 Restaurants und 120 Museen!

Die Suite im 11. Stock des „Hotel Pullman São Paulo Ibirapuera“ bietet einen grandiosen Blick über das grüne Herz der Stadt, den Parque Ibirapuera. Es ist nur ein kurzer Spaziergang von hier zum Park, der 1954 zum 400-jährigen Jubiläum der Stadt eröffnet wurde. An den Wochenenden ist der zwei Quadratkilometer große Stadtpark der Ort, wo sich alle sammeln, um zu picknicken, zu tanzen, sich zu entspannen. Mitten in all dem Grün steht die futuristische Architektur von Oscar Niemeyer. Die Gebäude fügen sich nahtlos ins Bild ein. Eines davon ist das Auditório Ibirapuera, aus dem an sich schlichten weißen Gebäude springt über dem Eingang auffordernd eine rote Flamme hervor, in der Lobby hat eine riesige rote, unter dem Plafond geschichtete Skulptur von Tomie Othake den Raum im Griff.

Hotel Pullman São Paulo Guarulhos Airport

Alle Zutaten für das "Active Breakfast" à la Sarah Hoey finden sich auf dem Frühstücksbuffet des "Hotel Pullman São Paulo Guarulhos Airport"

© Pullman Hotels/Tadeu Brunelli

Hotel Pullman São Paulo Vila Olímpia

Einmal im Monat dient das Restaurant "HUB Food Art Lounge" als Party-Bühne für lokale Künstler und Designer.

© Scholz

Hotel Pullman São Paulo Vila Olímpia

Designer-Kopfbedeckungen aus São Paulo bei der Art-Perfomance im "Hotel Pullman São Paulo Vila Olímpia"

© Scholz

Hotel Pullman São Paulo Vila Olímpia

Normalerweise heben vom Dach des "Hotel Pullman São Paulo Vila Olímpia" die Hubschrauber für die Business-Gäste ab, manchmal finden aber auch spezielle Events statt, wie eine Yoga-Stunde mit Sarah Hoey

© Scholz

Hotel Pullman São Paulo Guarulhos Airport

Nach einem langen Flug erweist sich das "Hotel Pullman São Paulo Guarulhos Airport" als regelrechte Oase.

© Pullman Hotels/Tadeu Brunelli

Hotel Pullman São Paulo Ibirapuera

Moderne Kunst und stylisches Design prägen die Lobby des "Hotel Pullman São Paulo Ibirapuera"

© Pullman Hotels/Tadeu Brunelli

Hotel Pullman São Paulo Ibirapuera

Pause im Grünen auf der Terrasse des "Hotel Pullman São Paulo Ibirapuera"

© Pullman Hotels/Tadeu Brunelli

Hotel Pullman São Paulo Vila Olímpia

Gut gebettet in geräumigen Zimmern im "Hotel Pullman São Paulo Vila Olímpia"

© Pullman Hotels/Daniel Martins Pinheiro

Hotel Pullman São Paulo Vila Olímpia

Markanter Hotelturm im Zentrum nahe des Nobelviertels jardim: das "Hotel Pullman São Paulo Vila Olímpia"

© Pullman Hotels/Tadeu Brunelli

Hotel Pullman São Paulo Guarulhos Airport

In der Bar des "Hotel Pullman São Paulo Guarulhos Airport" werden brasilianische Öko-Labels ausgeschenkt, z.B. der Gin "Vitoria Rega"

© Scholz

Mit 20 Millionen Einwohnern die größte Stadt der Südhalbkugel

Es ist Samstagnachmittag in São Paulo – und die Ausgelassenheit der Paulistas steigt spürbar an. Das ist durchaus eine Erwähnung wert. Denn anders als in vielen südamerikanischen Metropolen prägen an fünfeinhalb Tagen in der Woche Fleiß und Arbeit den Charakter der brasilianischen Mega-City. Sie ist Finanz- und Wirtschaftszentrum. Gemeinsam mit dem Ballungsraum kommt São Paulo auf rund 20 Millionen Einwohner. Es ist damit die größte Stadt der Südhalbkugel. 

Für einen schnellen, touristischen Durchmarsch eignet sich São Paulo nicht. Dafür ist das Kunst- und Kulturangebot auf Weltniveau zu gigantisch. Wer die Geschichte der Stadt bis zu den Wurzeln zurückverfolgen will, wird beim Pátio do Colégio fündig, dem Ort der Stadtgründung. Hier informiert ein kleines Museum mit einem schönen Café im Innenhof über die Gründung der Stadt im Jahr 1554 durch zwei jesuitische Missionare am Fest der Bekehrung des Apostels Paulus. 

Ganz in der Nähe befindet sich die Praça da Sé mit der imposanten, neugotischen Catedral da Sé. Aus der Mitte des Platzes klingt Live-Musik. Der Stil: Chorinho, eine gewagte Mixtur aus europäischen Einflüssen wie Walzer und Polka sowie afrikanischen Rhythmen. Die Altherrencombo „Canário e seu Regional“ ist ein echter Magnet. Zumeist junge Menschen lassen sich davon berieseln, während sie am obligatorischen Rindfleischspieß nagen. Rundum herrscht ein reges Treiben: Händler verkaufen supersüßen Zuckerrohrsaft, Straßenmusiker und religiöse Prediger eifern um Zuhörer.

Ein ganz eigener Mix aus Brasilien und Japan

Die Stadt ist eine multi-ethnische Metropole, viele Immigranten aus aller Welt haben seit dem Beginn des 20. Jahrhunderts einzelnen Stadtteilen ihren Stempel aufgedrückt, die Araber in Jardins, die Juden in Bom Retiro und die Deutschen in Santo Amaro/Brooklin. Im italienisch geprägten Viertel Bixiga sagen einige, die Pizza sei besser als im Mutterland. Und noch ein ethnischer Superlativ: São Paulo beheimatet die größte japanische Gemeinschaft außerhalb Japans – zuletzt etwa 665.000 Menschen. Ihre Vorfahren strömten seinerzeit in die Kaffeeplantagen, die nach der Abschaffung der Sklaverei leer standen. Um mehr über die japanisch-brasilianische Kultur zu erfahren, treffen wir uns mit der angesagten Modedesignerin Fernanda Yamamoto in der sternegekrönten Sushi-Bar „Kinoshita“ in der ruhigen Vila Nova Conceição.

Yamamoto betreibt ihr kleines Studio in der hippen Vila Madalena. „Das brasilianische Klischee ist sehr sexy mit vielen Drucken, aber ich glaube nicht, dass die brasilianische Identität so sein muss“, sagt sie. Sie greift für ihre Kollektionen auf volkstümliche Elemente – wie Renaissance-Spitze aus dem nordöstlichen Bundesstaat Paraíba – zurück und mixt sie mit dem Minimalismus ihrer japanischen Lieblingsdesigner. 

Unser reichhaltiges Omakase-Degustationsmenü kommt an den Tisch. „Japanische Küche ist sehr zart, aber das ist nicht der Geschmack von Brasilianern“, sagt Yamamoto, „also wird alles würziger, kühner, schärfer.“ Wohl wahr: Die Menüfolge besteht aus Oktopus in einem kräftigen Shiso-Pesto, Lachs-Sashimi mit Trüffeln und gebratenem Wagyu-Beef mit scharfem japanischem Senf. Sehr fein!

Urbane Kunst oder Schmiererei?

Später fahren wir durch die Stadt nach Liberdade, dem historischen japanischen Herzen der Stadt, mit engen Gassen, gesäumt von prägnanten Straßenlaternen in japanischem Design, Suppenküchen, kleinen Restaurants und Parks mit Koi-Teichen. Yamamoto weist auf die „Casa Bueno“ hin, einen traditionellen Markt, auf dem ihre Großeltern immer noch sonst schwer zu findende Zutaten einkaufen. Zum Schluss noch ein Abstecher zum Japan House in der Avenida Paulista,  das erst letztes Jahr eröffnet wurde. Der luftige Pavillon des renommierten japanischen Architekten Kengo Kuma kombiniert Hinoki-Lamellen (Zypressenholz) mit hohlen Cobogó-Ziegeln, ein Markenzeichen der brasilianischen Moderne. Ganz im Sinne des brasilianischen Star-architekten Oscar Niemeyers, der den interkulturellen Erfindungsreichtum des Zentrums sicher zu schätzen gewusst hätte. Irgendwie passend: Sein gigantisches Konterfei blickt von der Wand eines benachbarten Hochhauses herunter, geschaffen von dem bekannten São-Paulo-Street-Art-Künstler Eduardo Kobra. 

Die Avenida Paulista ist eine der wenigen geradlinigen Achsen der Stadt und erinnert mit ihren Bankentürmen tatsächlich ein wenig an Nordamerika. Mittendrin fällt ein Gebäude auf vier roten Stelzen auf: das Museo de Arte de São Paulo (Masp), das wohl beste Kunstmuseum in Südamerika mit einer reichhaltigen Sammlung und aufsehenerregenden Ausstellungen. Die Stadt ist kulturell extrem dynamisch und hat auch eine vielseitige Kunstszene entwickelt. Ein Beispiel ist die Graffiti-Kunst. 

Seit den 1980er Jahren boomt die Szene in São Paulo. Schon lange dabei ist André da Silva Monteiro, besser bekannt unter seinem Künstlernamen „Pato“ (Ente). Er leitet heute das Graffiti-Projekt „Aprendiz“ im Stadtteil Vila Madalena. Hier soll es nicht um Kommerz gehen: „Graffiti war immer eine Gegenkultur mit politischer Botschaft“, sagt Pato.

Definitiv subversiv ist eine spezielle Form der Straßenkunst in São Paulo: „Pixação“, am ehesten mit „Schmiererei“ zu übersetzen, gilt vielen Einwohnern als brutale Verschandelung ihrer Stadt. Die Welt des Pixação besteht aus einem eckigen, kaum zu entziffernden Alphabet. In monotoner schwarzer Schrift bringen verschiedene Gruppen ihren Gangnamen an und markieren so ihr Gebiet. Manche Wolkenkratzer sind von oben bis unten mit den Gang-Markierungen bedeckt.

Viertel für Hipster und Bohemiens

Allgemeinen Anklang finden hingegen die Kunstwerke in der Batman Alley (Beco do Batman). Eines der ersten Graffitis in diesem Stadtteil war in den 1980er Jahre dem Comic-Superhelden Batman gewidmet – es war der Namensgeber für den unteren Teil des hübschen Quartiers Vila Madalena, das ganz ohne Hochhäuser auskommt, und Initialzündung für viele weitere Street-Art-Werke. Heute ist das Viertel voller hipper Shops, Cafés, Res-taurants und Barbershops. 

In einigen Bars läuft Livemusik. Spätes-tens seit hier Caetano Veloso in den 1960er Jahren seine Musikerclique um sich scharte, ist „Vila Madá“ der Treffpunkt der Kreativen und Bohemiens. Am meisten spielt sich in der quirligen Rua Aspicuelta ab. In vielen Bars ist ein Hauch des alten São Paulo erhalten geblieben, etwa im „Salve Jorge“. Auf altem Intérieur und zwischen bunt gekachelten Wänden und alten Fotografien schlürfen Nachteulen ihre Drinks. Über allem wacht ein schwerer Kronleuchter, draußen auf einer Riesenleinwand läuft Fußball, der  hier wie überall in Brasilien eine große Rolle spielt. Auch die Paulistanos fiebern dem Juli entgegen, wenn es um die Revanche geht.