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Reportagen

Inselgenuss Malta

Die sonnenverwöhnte Insel im Mittelmeer ist immer eine Reise wert. Und die barocke Hauptstadt Valletta ist sogar „Europäische Kulturhauptstadt 2018“.

Katja Gartz (Text) Christian Schappeit (Bilder) 

 

Hinter dem Triton-Brunnen und dem Stadttor eröffnen sich die prächtigen Straßen Vallettas. Links das moderne Parlamentsgebäude von dem italienischen Stararchitekten Renzo Piano, rechts herrschaftliche Häuser mit barocken Fassaden oder farbigen Erkern. Wir schlendern an den Bistros und Geschäften in der gut besuchten Republic Street entlang. Vor dem traditionsreichen „Cafee Cordina“ lassen sich einige Gäste süße Törtchen und Pastizzi schmecken, die maltesischen Blätterteigtaschen mit Erbsenmus. Nach der geschäftigen Hauptstraße genießen wir die Ruhe in den schmalen Gassen. „Hier zeigt sich Valletta mit ihren historischen Gebäuden, barocken Kirchen und dem Blick auf das Meer von ihrer schönsten Seite“, sagt mein Fotograf Chris.

Ein buntes Programm für alle

Längst sind die Baukräne verschwunden und die Gerüste an den Fassaden abgebaut. Die eleganten Stadtpaläste strahlen in neuem Glanz. Die Hauptstadt Maltas hat sich schön gemacht, schließlich ist sie „Europäische Kulturhauptstadt 2018“. Nicht nur Besucher freuen sich über ein buntes Programm mit zahlreichen Festivals, Konzerten, Feuerwerk und Ausstellungen. Auch die Malteser feiern ihre Stadt und profitieren von den Investitionen, die Valletta  leben- und liebenswerter machen.  

In der Strait Street, in der sich früher britische Seeleute vergnügten, haben sich kleine Bars und Restaurants angesiedelt. Hier treffen wir Kris Fenech Solar, der vor 16 Jahren als erster eine Weinbar mit einer Käse-, Schinken- und Salamiauswahl in einem 400 Jahre alten Gebäude eröffnete. „Ich liebe Valletta, die Architektur und Geschichte dieser Stadt“, sagt Kris. Wir nehmen an einem Tisch auf den flachen Stufen Platz und werden in seiner kleinen und feinen Karte schnell fündig. Einst marschierten hier Ritter mit schweren Rüstungen entlang. Heute ist Malta auch bei Partysüchtigen und jungen Sprachschülern, die hier Englisch lernen, beliebt.

Gestärkt nutzen wir in der Nähe die Gelegenheit, einen Palazzo von innen anzusehen, die Casa Rocca Picola aus dem 16. Jahrhundert. Die 50 stilvoll möblierten Zimmer mit einer grünen Oase im Innenhof werden noch immer von einer maltesischen Adelsfamilie bewohnt. Von den Upper Barrakka Gardens genießen wir anschließend den besten Blick auf den Grand Harbour.

Idyllischer Rückzugsort: die Upper Barrakka Gardens
© Christian Schappeit
Kris Fenech Solar eröffnete in der Strait Street vor 16 Jahren als erster eine Weinbar mit einer Käse-, Schinken- und Salamiauswahl.
© Christian Schappeit
Paradise Bay auf Malta
© Christian Schappeit
Blick ins Restaurant des Hotels „The Phoenicia Malta"
© Christian Schappeit
Der Neubau des Parlamentsgebäudes nach Entwürfen von Stararchitekt Renzo Piano war Teil des City-Gate-Projekts, das die Neugestaltung der Stadtportale von Valletta zum Ziel hatte.
© PitK/Shutterstock.com

Malta lässt es gerne krachen

Den lauen Abend lassen wir bei einem Glas Wein am Hafen ausklingen. „Schau mal, dahinten ist wieder ein Feuerwerk zu sehen“, sagt Chris. Auf der ganzen Insel gibt es 35 Hersteller, die Feuerwerkskörper noch per Hand herstellen. Wenn an Festtagen der Schutzpatron des Dorfes durch die Straßen getragen wird, feiern die Malteser abends bei einem riesigen Feuerwerk. 

Berühmt für ein besonders inszeniertes Feuerwerk ist „Lilys Firework“ in dem kleinen Ort Mqabba im Südosten. „Wir arbeiten mit 20 Feuerwerksleuten aus dem Dorf auf das große Ereignis hin“, sagt Keith Demicoli von der Manufaktur. Da müsse alles stimmen, die Farben, Formen und die Musik. Jedes Dorf versucht hier, die beste Show zu liefern. Keith war mit seinen Leuten sogar schon bei den Olympischen Spielen im Einsatz. Nach einer Führung nimmt er uns abends anlässlich des heiligen Philipps mit auf die Festa. Groß und Klein sind auf den Beinen, die Straßen voll. An den Fassaden und an aufgebauten Gerüsten sind insgesamt 15.000 Feuerwerkskörper montiert. Ein Team gibt das Kommando, und das ganze Dorf beginnt nach und nach zu leuchten. In der Nähe der Kirche ist gegen Mitternacht das große Finale.

Am nächsten Morgen setzten wir unsere Rundreise fort und fahren in den Süden in die kleine Hafenstadt Marsaxlokk mit ihren bunten Fischerbooten. Am großen Platz kocht Victor Aquilina, sein Restaurant gehört zu den besten der Insel. Die verschiedenen Einflüsse aus Nordafrika und Europa finden sich auch in der Küche wieder. Die orientalisch-mediterranen Rezepte wurden von Generation zu Generation weitergegeben. Schafskäse, Tomaten, eingelegte Kapern und Bigilla, eine Paste aus Bohnen mit Knoblauch, und frische Fischgerichte füllen schnell unseren Tisch. „Ihr müsst nach Gozo fahren, dort ist es beschaulicher, und es gibt den bes-ten Käse“, rät uns der Koch.

Nach einem Abstecher in der arabisch anmutenden Stadt Mdina, besuchen wir die spektakulären Tempelanlagen Mnajdra und Hagar Qim. Entstanden sind sie etwa 3500 v. Chr. und gehören als Höhepunkt der Megalithkultur zum UNESCO-Weltkulturerbe.

Abstecher nach Gozo

Wir folgen Victors Rat und fahren mit der Fähre nach Gozo. Die kleine Schwesterinsel ist etwas grüner als Malta, bietet ebenfalls einen Strand, ein paar Badestellen und Buchten, in denen noch Meersalz gewonnen wird.  

Während die meisten Besucher zu der ältesten freistehenden Tempelanlage der Welt, dem Ggantija-Tempel, pilgern, schauen wir uns zuerst die Zitadelle der Hauptstadt Rabat an. Neben der Basilika und den kleinen Gassen mit ihren Geschäften finden wir auch das Restaurant von Rikardu Zammit. Er verwendet nur Zutaten aus der eigenen Landwirtschaft und Wein vom eigenen Weingut. Sein Käse und seine Lamm- und Ziegengerichte sind ein Gedicht.

Am späten Nachmittag geht es zurück nach Valletta. Chris macht noch ein paar Fotos in der Altstadt. Abends steuern wir die kleine Weinbar an. Und über dem Meer leuchtet wieder ein Feuerwerk.