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Reportagen

Ausgeballert. Los, auf’s Rad!

Pass-Straße Cap Formentor

Radtouristen lieben die Pass-Straßen, wie hier am Cap Formentor, auf Mallorca.

© Adobe Stock/kovop58

Sangria Mallorca

Lieblingsgetränk am Ballermann: Sangria

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Playa de Palma

Playa de Palma ist tagsüber Strandresort und verwandelt sich abends in einen Partyort mit Bars und Discos.

© Adobe Stock/Gert Hochmuth

Radsport-Zentrum

Radsport-Zentrum im „Hotel Occidental Playa de Palma“

© Barcelo Group

Hotel Occidental Playa de Palma

„Hotel Occidental Playa de Palma“ im mallorquinischen Pueblo-Stil

© Barcelo Group

 

„Hotel Occidental Playa de Palma“ Pool

Badevergnügen auch im Winter: beheizter Pool im „Hotel Occidental Playa de Palma“

© Barcelo Group

„Hotel Occidental Playa de Palma“ Zimmer

Zimmer im „Hotel Occidental Playa de Palma“

© Barcelo Group

Weniger Hardcore-Party, dafür mehr Sportler wünscht man sich auf Mallorca. Eigentlich hat es von allen zu viel, meinen viele Einheimische. Aber irgendwie funktioniert es immer irgendwie, das Urlaubsparadies Mallorca …

Gudrun Rentsch (Text)

Schlagzeilen berichteten jüngst über einen dramatischen Einbruch der Urlauberzahlen auf Mallorca. In der Tat reisen dieses Jahr wohl weniger Deutsche auf die Balearen, aber Mallorca und auch Ibiza sind in den vergangenen Jahren ohnehin an die Grenzen der Belastbarkeit gestoßen. 16,6 Millionen Touristen haben 2018 auf den Balearen Urlaub gemacht.

Dieser Erfolg hat auch eine Kehrseite, und für viele, die auf der Insel leben, wäre etwas weniger Tourismus kein Drama, sondern ein Segen. Das sieht auch die vor Kurzem gegründete Bürgervereinigung „Iniciatives XXI“ so, die sich dem Schutz der Insel verschrieben hat, aber dezidiert „nicht tourismusfeindlich“ sein will. Ihr Ziel: mehr Qualitätstourismus, weniger Party zu Dumpingtarifen.

Neue Benimmregeln fürs Partyvolk am Ballermann

Ganz in diesem Sinne erließ die Stadtverwaltung von Palma im Frühjahr die Verordnung „ZEIT“ (gesprochen: Zeh-it), eine Ergänzung der Ballermann-Benimmregeln. Die Kurzform steht für „Zona d’Especial Interès Turístic“ – ein Gebiet von besonderem touristischem Interesse. Die gesamte Playa de Palma wurde als solches deklariert. Umgesetzt in den Alltag bedeutet das z.B. ein Verbot von Alkohol in Schaufenstern – und von Sonderangeboten wie der „Happy Hour“ mit starken Drinks zu Billigstpreisen. In der „Schinkenstraße“ und ihren Querstraßen sind die Regeln besonders streng: Biergärten müssen hier eingezäunt werden, Getränke dürfen nicht mehr auf dem Gehweg oder auf der Straße konsumiert werden. 

Viele Kneipenbetreiber dort begrüßen die Regelung, die Hoteliers sowieso. Etliche der in die Jahre gekommenen Herbergen haben in den letzten Jahren investiert und aufgerüstet. Man will eine andere Klientel ansprechen, z.B. die Aktiv-Urlauber. „Ein Radtourist gibt etwa 30 Prozent mehr aus als ein normaler Reisender", erklärt Francisco Colom vom Fremdenverkehrsamt. Also lautet die Devise: Biker-Träume statt Ballermann-Wahnsinn. So auch im „Hotel Occidental Playa de Palma“ der „Barceló-Gruppe“, das deshalb mit dem größten Radsport-Spezialisten auf der Insel kooperiert: mit der „Huerzeler Bicycle Holidays“. Der Schweizer Radprofi Max Huerzeler war 1981 nach Mallorca zum Trainieren gekommen, fand ideale Bedingungen vor und reüssierte in den folgenden Jahren mit dem Radtourismus. Heute verfügt der Anbieter über 13 Stützpunkte auf der Insel, verleiht 6000 Räder und bietet Pakete für einen idealen Radurlaub an. 

Gute Auslastung dank Huerzeler Radsport-Zentrum direkt im Hotel

Huerzeler ist schon lange nicht mehr der einzige Anbieter, vor allem im Frühjahr ist die Insel pickepackevoll mit Radsportlern, übers Jahr zählt man bereits an die 200.000 Radtouristen. Meistens fahren die Urlauber im Pulk Strecken von 40 bis 170 Kilometern, das Durchschnittstempo geht vom gemütlichen Rollen mit 18 km/h bis hin zu ambitionierten Fahrten, die mit ehemaligen Profis als Zugmaschinen mit durchschnittlich 30 km/h über die Insel jagen. Momentan herrscht das Rennrad vor, aber auch auf Mallorca geht der Trend zum E-Bike.

Die Profi-Station von Huerzeler und die Radfahrleidenschaft der europäischen Kundschaft sorgen schon ab Februar für ein volles Haus im „Hotel Occidental Playa de Palma“. „80 Prozent Auslastung“, freut sich Hoteldirektorin Theda Bruske. Seit dem Umbau der Anlage ist das Vier-Sterne-Haus ganzjährig geöffnet. „Die Schließung für ein oder zwei Monate rentiert sich nicht“, so die gebürtige Deutsche. Lieber setze man auf den Indoor-Pool, das Spa – und neben dem Radsport-Angebot auch auf authentische Mallorca-Erlebnisse, die man den Gästen empfiehlt. 

Sei es ein Besuch des Restaurants „Es Rebost“, das mit seinem mallorquinischen Fast-Slow-Food-Konzept ein authentisches kulinarisches Erlebnis bieten will; die Zutaten stammen von einheimischen Produzenten, und internationalen Speisen verpasst man einen mallorquinischen Twist.

70 Prozent des mallorquinischen Weins werden auf der Insel konsumiert 

Gern schickt Theda Bruske ihre Gäste auch zum Weingut „Son Prim“. Die Bodega liegt mitten in den Reblagen von Binissalem bei Sencelles – an schönen Tagen bietet sich eine atemberaubende Weitsicht über die Rebberge bis hin zu den Gebirgszügen der Tramuntana.

2003 vom Mallorquiner Jaime Llabrés als Familienbetrieb gegründet, hat sich „Son Prim“ einen Namen als Produzent solider, geradliniger und klassischer Rotweine gemacht, mit fülligen und typisch mallorquinischen Aromen. Merlot, Cabernet Sauvignon und Syrah, ein jeder Wein mit seinem ureigenen, unverfälschten Charakter. Abgerundet wird das Sortiment der Familien-Bodega durch einen Weißen, den Blanc de Merlot, mit Aromen von Honigmelone und Aprikose, angenehm in Säure und Struktur. Junior-Chef Jaime, fürs Marketing zuständig, erzählt, dass der Markt nach autochthonen Sorten verlange, weshalb man jetzt zunehmend mit der heimischen Rebe Manto-Negro experimentiere. Getrunken werden übrigens 70 Prozent der mallorquinischen Weinproduktion direkt auf der Insel. „Die meisten Gäste wollen auf der Insel auch lokale Produkte konsumieren“, bestätigt er. 

Spannende Erkenntnisse in der Saline „Flor de Sal d’Es Trenc“

Ein Trend, dem auch die Saline „Flor de Sal d’Es Trenc“ im Süden der Insel Rechnung trägt. Ein klitzekleines Schild zeigt die Abfahrt an der Straße von Campos nach Es Trenc an: „Km 10 – Salinas de Levante". Schon nach wenigen Metern glitzern weiße Salzberge in der Sonne. Davor stehen die weiß getünchten Gebäude der Salzfabrik, wo ein idyllisches Café mit buntem Blumenschmuck zum Anhalten einlädt. 

140 Salzbecken erstrecken sich über 150 Hektar, das sind 1,5 Quadratkilometer. Einige Teiche sind tiefrot gefärbt. Das kommt von winzigen Krebsen, erzählt der Salinen-Führer und zeigt auf das Wasser, wo es vor kleinen Tierchen wimmelt. „Diese Urzeit-Krebse zählen zu den ältesten Organismen der Erde. Sie produzieren extrem viel Hämoglobin und können so in dem sauerstoffarmen, salzigen Wasser der Becken überleben.“ Der Blutfarbstoff färbt sie – und das Wasser – rot. Die Salinen stellen ein kostbares Ökosystem dar, allein 170 Vogelarten leben hier, viele davon sind Zugvögel wie die Flamingos. Deren rosa Farbe rührt übrigens daher, weil ihre Leibspeise die kleinen Krebse sind.