Newsletter

Medizin

Ein junger und ein älterer Mann Arm in Arm und lächelnd
Männergesundheit im Fokus: Der DGU-Kongress gilt weltweit als drittgrößte urologische Fachtagung.
© Colourbox

DGU-Kongress: Tabus brechen, Forschung vorantreiben

Der Kongress der Deutschen Gesellschaft für Urologie e.V. (DGU) ist die wichtigste Wissenschafts- und Fortbildungsplattform der Urologie im deutschsprachigen Raum. Unter dem Motto „Mensch, Maschine, Medizin, Wirtschaft“ informierten sich die Fachärzte über die aktuellen Entwicklungen in Wissenschaft, Diagnostik und Therapie.

Tabuthema Peniskarzinom – erste S3-Leitlinie schürt Hoffnung

Eine qualitative Verbesserung der Versorgung betroffener Patienten hat die neue S3-Leitlinie „Diagnostik, Therapie und Nachsorge des Peniskarzinoms“ zum Ziel. Der Peniskrebs wird gemäß WHO-Klassifikation in das nicht-HPV-assoziierte und das HPV-assoziierte Plattenepithelkazinom unterteilt. Daher sollte der pathologische Befund eine Aussage darüber enthalten, ob die Erkrankung HPV-assoziiert ist oder nicht. Das könnte eine zusätzliche Entscheidungshilfe für das Tumorboard sein, da Patienten mit differentem HPV-Status jedoch unterschiedlich auf Chemotherapeutika oder Checkpoint-Inhibitoren ansprechen. Im Fokus der Behandlung sollte vor allem der Organerhalt stehen, da verstümmelnde Eingriffe am äußeren Genial erhebliche psychologische und psycho-onkologische Konsequenzen mit sich bringen. Ein Tumor-freier Schnittrand ist dafür essenziell. Inzwischen kann aber davon ausgegangen werden, dass ein Sicherheitsabstand von ca. 1 mm ausreichend ist, um diesen zu erzielen. Die lokale Radiotherapie wird vor allem bei T1- und T2-Tumoren empfohlen. Die Brachytherapie stellt bei Tumoren ≤ 4 cm eine adäquate Option dar.

Frühe Inkontinenz als verlässlicher Prognosemarker beim Prostatakarzinom

Die radikale Prostatektomie geht in der Regel mit Inkontinenz einher. Sechs Wochen nach dem Eingriff sind ungefähr 30% der Betroffenen wieder kontinent. Ob diese Frühkontinenz einer postoperativen Schwellung geschuldet ist, oder sich auch auf die Langzeitprognose übertragen lässt, hat eine retrospektiven Analyse von 3.713 Patienten untersucht. Es zeigte sich, dass sich das positive Ergebnis auch nach drei Monaten (97%) und einem Jahr (99%) noch zeigte. Und auch die Chance, die Potenz wiederzuerlangen, lag bei Patienten mit Frühkontinenz deutlich höher (OR 1,8 p<0,001). Risikofaktoren für eine dauerhafte Inkontinenz waren das Alter, keine oder nur einseitige Nervenschonung und das Prostatavolumen. Übergewicht war hingegen nicht mit einem größeren Risiko assoziiert. Im Gegenteil: Patienten mit Übergewicht (Adipositas I° oder II°) hatten ein zum Teil signifikant besseres frühfunktionelles Ergebnis, verglichen mit untergewichtigen, normalgewichtigen oder Patienten mit einer Adipositas III°.

Die digitale Transformation der Medizin

Die Digitalisierung macht auf vor der Medizin nicht halt. Die Chancen liegen u.a. in einer Steigerung der Prozesseffizienz, der Behandlungsqualität und damit Patientenzufriedenheit und einer Reduzierung des Dokumentationsaufwands. Mit der Roboter-gestützten Chirurgie wurden erste Schritte in Richtung Medizin 4.0 gegangen. Bis zum autonomen operieren ist es jedoch ein noch weiter Weg. Es steckt viel Potenzial in der künstlichen Intelligenz. Bilddaten eines Patienten könnten z. B. automatisiert mit großen Mengen mit ähnlichen Fällen verglichen werden, was die Diagnosesicherheit erhöhten könnte. Doch die Entwicklung effektiver Algorithmen bedarf Zeit sowie einer großen Datenmenge von guter Qualität. Und hier liegt auch ein Problem: der Datenschutz.

Leonie Burggraf

Quelle: 71. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Urologie e.V. (DGU), 18. - 21. September 2019 in Hamburg