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Medizin

Globus und Stethoskop
Eine ärztliche Herausforderung: Internationale Gesundheit
© Colourbox/1981 Rustic studio kan

Werden Sie zum Experten für Internationale Gesundheit

Dem wachsenden Bedarf an Fachpersonal im Bereich Tropenmedizin und Internationale Gesundheit wird durch die Etablierung eines neuen „Diploma in Tropical Medicine and International Health“ in München begegnet. Der Lehrgang versteht Gesundheitsversorgung als Konzept, das nationale Grenzen überschreitet.

Tropenmedizin und Internationale Gesundheit haben in den letzten Jahren an Bedeutung gewonnen – nicht zuletzt durch Ausbrüche von Epidemien, wie zum Beispiel der sogenannten „Ebola-Epidemie“ 2014/2015. Im Rahmen humanitärer Einsätze wie auch bei der medizinischen Versorgung von Flüchtlingen sind Aspekte der Tropenmedizin und der Internationalen Gesundheit mitzudenken. Darüber hinaus steigt auch durch die wachsende Zahl deutscher Reisender in tropische und subtropische Länder der Bedarf für tropenmedizinisch ausgebildete Fachkräfte in der Landschaft der deutschen Gesundheitsversorgung. 

Gegenwärtig unternehmen deutsche Bürger gemäß Daten von Weltbank, dem Statistischen Bundesamt und der Welttourismus-Organisation der Vereinten Nationen jährlich über 80 Millionen Auslandsreisen, davon etwa 30 Millionen in Länder mit reisemedizinischer Relevanz, sowie 4 Millionen in tropische und subtropische Regionen. Nach einer Analyse von Fleck et al. aus dem Jahr 2006 ist bei einem von sieben Fernreisenden mit einer medizinischen Bedarfssituation zu rechnen. Auch in der hiesigen Bevölkerung, die laut Statistischem Bundesamt 2016 bei 82 Millionen Gesamtbevölkerung immerhin knapp 13 Millionen Personen mit eigener Migrationserfahrung umfasste, ist in der allgemeinen medizinischen Versorgung mit besonderem Bedarf zu rechnen hinsichtlich Morbidität und Konzeptionalisierung von Gesundheit und Krankheit. Außerdem spielen Sprachbarrieren eine nicht zu unterschätzende Rolle.

Durch spezifische Weiterbildung breit aufgestellt

Um diesen vielfältigen Anforderungen zu begegnen, gibt es in Deutschland eine spezielle Weiterbildung für Ärzte im Bereich der Tropenmedizin, welche ohne Inhalte der Internationalen Gesundheit nicht mehr denkbar ist. Als Internationale Gesundheit wird hier ein etablierter Lehr-, Forschungs- und Versorgungsbereich verstanden, der Gesundheitsversorgung als Konzept versteht, das nationale Grenzen überschreitet.

Tropenmediziner in spe: Was wird verlangt?

Gemäß Weiterbildungsordnungen der Landesärztekammern ist für die Anerkennung als Facharzt in der Tropenmedizin erforderlich, dass ein angehender Tropenmediziner zwölf Monate bei einem Weiterbilder für Tropenmedizin an einer tropenmedizinischen Einrichtung verbringt. Zudem sind weitere zwölf Monate tropenmedizinische Tätigkeit in der Patientenversorgung einer medizinischen Einrichtung in den Tropen oder Subtropen nachzuweisen. Diese medizinisch-praktischen Elemente der Weiterbildung werden durch einen dreimonatigen Weiterbildungskurs in Tropenmedizin ergänzt.

Ziel dieser umfassenden Weiterbildung ist es, dass Kenntnisse der Epidemiologie, Erkennung und Behandlung von Tropen- und Reisekrankheiten einschließlich bakterieller, viraler, mykotischer und parasitärer Infektionen und Gifttierunfällen erlangt werden. Ein Tropenmediziner soll zudem in der Lage sein, vor Reisen und Auslandseinsätzen zu beraten sowie Prophylaxe-Maßnahmen und Impfungen zu empfehlen. Inhalte der Weiterbildung sind außerdem die Gesundheitssystemwissenschaften mit besonderer Berücksichtigung von tropischen und subtropischen Ländern bzw. Niedrig- und Mitteleinkommensländern sowie die geomedizinischen Zusammenhänge in den jeweiligen Gebieten. Auch werden Kenntnisse von arbeits- und umweltmedizinischen Aspekten bei Auslandsaufenthalten einschließlich Vorsorgeuntersuchungen vermittelt.

Engpässe bei der Zusatzweiterbildung

Die Deutsche Gesellschaft für Tropenmedizin und Internationale Gesundheit (DTG) versteht sich als Fachgesellschaft, die u. a. das Tätigkeits- und Kompetenzbild für ärztliche Fachkräfte im Bereich Tropenmedizin und Internationale Gesundheit erstellt. Die Webseite der DTG verzeichnet aktuell 22 tropenmedizinische Institutionen, darunter Universitätskliniken, städtische Krankenhäuser, das Auswärtige Amt und weitere öffentliche Einrichtungen. Hiervon bieten mittlerweile drei Institutionen einen von der DTG anerkannten Diplomkurs Tropenmedizin an.

Vielfach wurde auf Engpässe in der Zusatzweiterbildung von Tropenmedizinern hingewiesen. Als besondere Hürden können die Schwierigkeiten bei der Stellenvermittlung an eine Weiterbildungseinrichtung in Deutschland, aber auch zu geringe Kapazitäten der bestehenden Weiterbildungskurse gesehen werden. In einer Erhebung von Höcker und Prüfer-Krämer im Jahr 2015 unter niedergelassenen Tropenmedizinern in Deutschland wurde ein wachsendes Defizit in der flächendeckenden Versorgung auch von Mitbürgern mit Migra-tionshintergrund als besonders vulnerabler Gruppierung konstatiert. In der DTG hat sich auch ein sehr aktiver Ausschuss zur Nachwuchsförderung herausgebildet, um genau diesen Defiziten entgegenzuwirken.

Neuer Kurs in München

Vor diesem Hintergrund ist es sehr erfreulich, dass nun seit Oktober 2017 mit einem neu etablierten dreimonatigen Weiterbildungskurs „Diploma in Tropical Medicine and International Health (DTMIH)“ der Abteilung für Infektions- und Tropenmedizin des Klinikums der Universität München als Mitglied des Center for International Health der LMU (CIHLMU) ein weiteres entsprechendes Weiterbildungsangebot im süddeutschen Raum besteht. Das Kursprogramm wird in englischer Sprache angeboten, die Teilnehmer sind international, wodurch auch der besonderen Bedeutung interkultureller Kompetenzen im Fachbereich Rechnung getragen werden soll.

Die Kurskoordinatoren legen mit kleinen Kursgruppen von maximal zehn Teilnehmern Wert auf individuelle Betreuung. Das Kurrikulum entspricht sowohl nationalen Vorgaben – es wurde von der DTG befürwortet und von der Bayerischen Landesärztekammer als Weiterbildungskurs anerkannt – als auch Internationalen Konzeptionen. Die Veranstalter sind als Mitglieder des globalen Netzwerkes tropEd, Network for Education in International Health, in einem Fachgremium aktiv, das sich der ständigen Weiterentwicklung und Akkreditierung von Weiterbildungsinhalten im Bereich der Internationalen Gesundheit widmet. Der DTMIH versteht sich hierbei als ein Münchner Weiterbildungsprojekt, an dem neben der Abteilung für Infektions- und Tropenmedizin des Klinikums der Universität München (unter Leitung von Prof. Dr. M. Hölscher) viele Akteure im Bereich Tropenmedizin und Internatio-nale Gesundheit in München beteiligt sind, wie etwa die Praxis Dr. Frühwein, das Städtische Klinikum Schwabing, die Ambulanz des Tropeninstitutes (unter Leitung von Dr. C. Rothe), das Diagnostische Labor des Tropeninstitutes (unter Leitung von Prof. Dr. G. Bretzel), die Organisation „Ärzte der Welt“ mit Sitz in München, die Abteilung für Mikrobiologie der Bundeswehr sowie viele weitere Institute am Klinikum der Universität München.

Der erste Kurs konnte in München am 22. Dezember 2017 von den ersten Teilnehmern erfolgreich abgeschlossen werden. Anmeldungen für den folgenden Kurs, der zum 1. Oktober 2018 beginnt, sind noch bis 31. August 2018 möglich (www.lmutropmed.de).    

Andrea Kinigadner, Günter Fröschl
Abteilung für Infektions- und Tropenmedizin,
Klinikum der Universität München