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Medizin

Mann führt Hand zur Stirn
© Colourbox

Orale Gabe von Vitamin B12 ist effektiv

Die orale Gabe von hochdosiertem Vitamin B12 (1.000 mg/d) ist einem aktuellen Review zufolge auch bei Resorptionsstörungen wirksam. Eine orale Gabe kann dabei Beschwerden, Risiken und Unannehmlichkeiten vermeiden, die bei Injektionen auftreten können.

Nicht nur Vegetarier und Veganer sind betroffen, auch bei Senioren ist ein Mangel an Vitamin B12 weit verbreitet: Ein Viertel der über 65-Jährigen in Deutschland wies in einer Studie einen subklinischen Mangel auf. In der Gruppe der 85- bis 93-Jährigen war es mehr als ein Drittel.2 Erste Symptome wie Müdigkeit, Erschöpfung und Konzentrationsstörungen sind meist unspezifisch. Unbehandelt kann der Mangel schwerwiegende hämatologische und neurologische Folgen haben.
Häufige Ursache der Unterversorgung sind Resorptionsstörungen bedingt durch gastrointestinale Erkrankungen, Einnahme von Medikamenten wie Protonenpumpeninhibitoren oder Metformin sowie altersbedingte Veränderungen.

Orale Gabe auch bei Resorptionsstörungen effektiv

In verschiedenen Studien hat sich die orale hochdosierte Supplementation von Vitamin B12 selbst bei diesen Risikogruppen als wirksam erwiesen. Dies unterstreicht auch ein aktuelles Review von Andrés et al., das 16 Studien aus den Jahren 2010 bis 2018 einschloss, die die Wirksamkeit der oralen bzw. nasalen Vitamin-B12-Therapie bei Menschen über 65 Jahre untersuchten. Die Auswertung der Daten zeigte, dass ein Mangel durch orale Verabreichung von 1.000 µg Vitamin B12 (z. B. enthalten in B12 Ankermann® Dragees) wirksam ausgeglichen werden kann. Vorteile der oralen Therapie sind den Autoren des Reviews zufolge, dass Beschwerden und Unannehmlichkeiten, die mitunter bei Injektionen auftreten, vermieden werden können.1 Bei Vorliegen einer schweren neurologischen Symptomatik empfehlen die Autoren initial eine parenterale Applikation. Anschließend kann eine orale Erhaltungstherapie erfolgen.

Neben Älteren können auch jüngere Menschen, deren Vitamin-B12-Mangel durch eine gastrointestinale Erkrankung hervorgerufen wird, von der oralen Gabe profitieren. In einer weiteren Literaturanalyse der gleichen Autorengruppe normalisierte eine orale Vitamin-B12-Therapie (1.000 µg/d) auch in diesem Kollektiv zu niedrige Vitamin-B12-Serumspiegel und behob klinische Manifestationen des Mangels wirksam. Dabei erwies sich die orale Therapie als sehr gut verträglich.3 Moleiro et al. demonstrierten, dass die hochdosierte orale Gabe von Vitamin B12 (1.000 µg/d) sogar bei Patienten nach totaler Gastrektomie, also bei vollständigem Fehlen des für die aktive Vitamin-B12-Resorption erforderlichen Intrinsic Faktors, wirksam ist.4
Dass Patienten die orale Therapie mit Vitamin B12 in der Regel bevorzugen, zeigen Daten von Metaxas et al. aus dem Jahr 2017.5

Auf die Dosis kommt es an

Für die Effektivität des oral verabreichten Vitamin B12 ist vor allem eine hohe Dosierung entscheidend. Neben der aktiven Absorption kann das Vitamin auch passiv durch Diffusion über die Darmmukosa aufgenommen werden. Dabei gelangt ein wesentlicher Teil unabhängig vom Intrinsic Faktor ins Blut und umgeht so mögliche Resorptionsstörungen. Zwar werden über diesen Weg nur etwa ein Prozent der oral eingenommenen Menge aufgenommen, bei 1.000 µg reicht dies jedoch aus, um einen Mangel effektiv auszugleichen.

Monika Walter

Literatur: 
1. Andrés E et al., An Int J Med 2019; 1-11; doi: 10.1093/qjmed/hcz046
2. Conzade R et al., Nutrients 2017; 9: 1276; doi: 10.3390/nu9121276
3. Andrés E et al., J Clin Med 2018; 7, 304; doi:10.3390/jcm7100304
4. Moleiro J et al., GE Port J Gastroenterol 2018; 25: 117–122
5. Metaxas C et al., Swiss Med Wkly 2017; 147: w14421


Mit freundlicher Unterstützung der WÖRWAG Pharma GmbH, Böblingen