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Medizin

Fleisch mit Sauerkraut
Gepökeltes Fleisch steht nicht nur im Verdacht, Krebserkrankungen zu fördern, sondern könnte auch für die psychische Gesundheit schlecht sein.
© Fotolia/Andrea Wilhelm

Verursacht nitratreiche Ernährung manische Episoden?

Eine US-amerikanische Kohortenstudie legt einen Zusammenhang bei Patienten mit positiver Anamnese einer psychiatrischen Erkrankung nahe.

Die 1.101 Studienteilnehmer aus dem Großraum Baltimore mit oder ohne positive Anamnese einer psychiatrischen Erkrankung wurden von einer Arbeitsgruppe an der Johns Hopkins University School of Medicine in Baltimore im Rahmen der Kohortenstudie ausführlich über ihre Ernährungsgewohnheiten befragt.
Ergebnis: Der Verzehr von nitratbehandeltem Fleisch, nicht jedoch von anderen Fleischwaren oder Fisch, war bei Patienten mit psychischer Erkrankung in der Vorgeschichte mit einem signifikant höheren Risiko einer manischen Episode assoziiert. Eine geringere, nicht signifikante Assoziation bestand mit anderen psychischen Erkrankungen wie Schizophrenien, schizoaffektiven oder bipolaren Störungen sowie einer bipolaren Depression oder einer Major Depressive Disorder. Fleischwaren, die statt mit Pökelsalz durch Lufttrocknung gereift waren, wie Prosciutto, waren ebenso wenig mit manischen Episoden assoziiert wie Fisch oder rohes Fleisch.
Zur Erklärung dieser Befunde verwiesen die Autoren auf Studien, in denen bei Ratten nach der Fütterung mit nitrat-reichem Fleisch hyperaktives Verhalten auftrat. Zugleich wurden Änderungen der Genexpression verschiedener Neuro-ne im Gehirn sowie eine Dysregulation der Serotininrezeptorfunktion so-wie der NF-kB- und Sphingosine-1-Phosphat-assoziierten Signale festgestellt. Diese Veränderungen traten nicht bei Ratten auf, die kein nitratreiches Fleisch erhielten.

Fazit für die Praxis
Die Autoren empfehlen Patienten mit psychischen Erkrankungen, auf den Verzehr von nitratreichen Fleischwaren zu verzichten, bis weitere Daten zur Risikobewertung vorliegen.

Dr. Alexander Kretzschmar

Literatur: Khambadkone SG et al. Mol Psychiatry 2018; Jul 18. doi: 10.1038/s41380-018-0105-6. [Epub ahead of print]