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Onkologie

Hyperthermie
Gezielte Wärme verändert die Zellaktivität und macht dadurch den Tumor für die Strahlentherapie besser angreifbar.
© heckel hyperthermia

Kontaktlose Oberflächenhyperthermie gegen Krebs

Mit Hilfe von Wärme soll die Zellaktivität gefördert und damit die Wirkung einer Strahlentherapie verbessert werden. Dank moderner Hyperthermie-Geräte ist dies jetzt auch ohne Hautkontakt möglich.

Die moderne Strahlentherapie bietet heute hochpräzise Behandlungsversfahren, die sich für jeden Patienten individuell adaptieren lassen, eine sehr effektive und gleichzeitig schonende Behandlung ermöglichen und somit eine Verbesserung der Lebensqualität bewirken können. Für die Anwendung strahlentherapeutischer Verfahren stehen heute modernste und hochtechnisierte Beschleuniger auf dem neuesten Stand wissenschaftlicher Erkenntnisse als Basis für eine erfolgsversprechende Therapie zur Verfügung. Insgesamt erreicht die moderne Radiotherapie somit höhere Heilungsraten bei gleichzeitig geringen Nebenwirkungen – wie zum Beispiel in Kombination mit der besonders schonenden, kontaktlosen Oberflächenhyperthermie, die auch Krebspatienten mit exulzerierenden und rezidivierenden oberflächlichen Tumoren eine neue Perspektive bietet

Tumoren mit Wärme angreifbarer machen

Bei der Oberflächen-hyperthermie mit anschließender Bestrahlung wird das Prinzip der Überwärmung eingesetzt, um exulzerierende und rezidivierende oberflächliche Tumoren effektiv, aber zugleich äußerst schonend zu behandeln. Bislang gelang dies nur mit Geräten, die mittels Applikator Hautkontakt zum erkrankten Gewebe des Patienten notwendig machten und damit zu Verbrennungen führen konnten. Seit knapp zwei Jahren ist mit dem hydrosunâ-TWH1500 das erste onkologische Oberflächenhyperthermiegerät mit kontaktfreier Energiezufuhr verfügbar.

Diese Behandlung gibt daher sogar Krebspatienten mit zuvor bestrahlten bzw. eigentlich ausbehandelten oberflächlichen Tumoren eine neue Perspektive. In ganz Europa sind aktuell bisher nur sehr wenige Geräte im Einsatz, die eine Kombinationstherapie ohne den sonst notwendigen Hautkontakt durch einen Applikator ermöglichen. In Bayern ist die Radiologie München der bisher einzige Anbieter. Das medizinische Verfahren beruht auf einer therapeutischen Überwärmung des erkrankten Körpergewebes, die die Tumorzellen für eine Strahlentherapie angreifbarer macht. Dadurch ist die Methode extrem effektiv und eignet sich auch im Rahmen palliativen Wundmanagements zur Behandlung erkrankten Gewebes, das sich geschwürartig verändert hat und häufig als nicht mehr behandelbar gilt.

Viele Tumoren reagieren gegenüber therapeutischer Überwärmung sehr empfindlich, daher lassen sich durch eine Kombination von Strahlentherapie und Hyperthermie die lokalen Heilungs- bzw. Behandlungschancen deutlich erhöhen. Bei der lokoregionären Oberflächenhyperthermie wird die betroffene Körperregion gezielt überwärmt, auf maximal 43 Grad. Vor allem bei oberflächlichen Tumoren, die sich bis zu zwei Zentimeter unter der Haut befinden, ermöglicht der Therapieansatz eine effektive Behandlung. Die Wärme steigert dabei die Durchblutung der Tumoren und verändert die Zellaktivität, wodurch die nachfolgende Strahlentherapie in höchstmöglichem Umfang auf das entartete Gewebe einwirken kann. Insbesondere großflächige Tumoren können mit dem kontaktfreien Verfahren besser behandelt werden.

Weniger Sitzungen dank hoher Effektivität

Das Verfahren ist schonend für die Patienten, da sie weder fixiert werden noch berührt etwas das erkrankte, manchmal offene Gewebe, was ansonsten sehr unangenehm und schmerzhaft sein könnte. Für den Patienten bedeutet das etwa eine Stunde „entspanntes“ Liegen. Nicht zuletzt reduziert das Verfahren auch die Anzahl der notwendigen Behandlungen, denn dank der hohen Effektivität genügt eine Sitzung pro Woche. Insgesamt werden in der Regel fünf Sitzungen durchgeführt – ein enormer Unterschied zur alleinigen Bestrahlung, die zwischen 20 und 30 Sitzungen, je fünfmal pro Woche, erfordert. Deshalb eignet sich die Therapie auch besonders für Patienten mit weiter Anreise oder für die, denen häufige Krankentransporte aufgrund von Unwohlsein oder Schmerzen schwerfallen. Bei der Kombinationstherapie wird zudem eine vergleichsweise geringe Strahlendosis von insgesamt 20 Gray benötigt, sodass kaum chronische Nebenwirkungen zu befürchten sind.

Priv.-Doz. Dr. med. Hendrik A. Wolff, Facharzt für Strahlentherapie und Radioonkologie mit Zusatzbezeichnung Palliativmedizin, Radiologie München