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Onkologie

Hand mit Brustkrebs-Symbol
Brustkrebs im Fokus bei der ESMO Breast Jahrestagung in Berlin
© Colorurbox / nito

ESMO Breast: Fine-Tuning der Brustkrebstherapie

Anfang Mai 2019 fand in Berlin der erste ESMO Breast Cancer Congress statt, den die ESMO von nun an jährlich ausrichtet.Ziel der in Zukunft jährlich geplanten Tagung ist es, einen umfassenden Überblick über neue, den Praxisalltag verändernde Ergebnisse sowie Ansätze zu liefern, wie diese Daten in die Patientenversorgung integriert werden können. in die Patientenversorgung integriert werden können.

Auf „Drug-holidays“ besser verzichten

In der Studie Stop&Go  hat sich die kontinuierlicheVerabreichung der Chemotherapieüber die ersten zwei Therapielinien bei Frauen mit fortgeschrittenem HER2-negativem Brustkrebs der intermittierenden Therapie als überlegen erwiesen. Die Phase-III-Studie umfasste 420 Patientinnen, die randomisiert dem intermittierenden Protokoll, d.h. einer Therapiepause nach vier Zyklen gefolgt von vier weiteren Zyklen, oder einer Behandlung mit durchgängig acht Zyklen zugeteilt wurden. Diese Randomisierung galt für die First-line-Therapie mit Paclitaxel/Bevacizumab und für die zweite Linie mit Capecitabin oder liposomalem Doxorubicin.

Primärer Endpunkt war das progressionsfreie Überleben (PFS) unter der Zweitlinientherapie, die insgesamt noch 270 Teilnehmerinnen erhielten. Durchgängig behandelt Frauen lebten median 1,5 Monate länger ohne Progress als die mit Therapiepause (5,0 vs. 3,5 Monate). Das Gesamtüberleben (OS) in der zweiten Linie war bei kontinuierlicher Therapie ebenfalls rund 1,5 Monate länger (12,0 vs. 10,6 Monate). Auch bei kombinierter Auswertung von First- und Second-Line-Therapie profitierten kontinuierlich behandelte Frauen mit einer deutlichen PFS- und OS-Verlängerung (16,6 vs. 14,6 Monate bzw. 23,0 vs. 20,3 Monate). „Angesichts des OS-Benefits bei kontinuierlicher Chemotherapie ist dieses Vorgehen beim fortgeschrittenen Brustkrebs zu bevorzugen“, resümierte Studienleiter Dr. Frans Erdkamp, Sittard-Geleen. Laut Prof. Nadia Harbeck, München, entspricht die kontinuierliche Chemotherapie zumindest in der ersten Linie, solange sie gut vertragen wird, den Empfehlungen nationaler und internationaler Leitlinien. Die Stop&Go-Studie untermauert diese Strategie jetzt auch für moderne Therapieregime.

Bessere Lebensqualität bei kontinuierlicher Therapie

Für die kontinuierliche Therapie sprechen außerdem die Ergebnisse zur Lebensqualität aus der Stop&Go-Studie, die Dr. Anouk Claessens, Sittard-Geleen, vorstellte. Entgegen der ursprünglichen Annahme, dass Therapiepausen mit einer Verbesserung der Lebensqualität assoziiert sind, fiel bei den intermittierend behandelten Patientinnen eine lineare Abnahme in den körperlichen Scores des Fragebogens RAND-36 bis Monat 24 auf. Dagegen blieben die Scores bei kontinuierlicher Therapie nach initialem Abfall ab Monat 12 stabil. In den mentalen Domänen gab es keine Unterschiede zwischen den Therapiearmen; hier zeigte sich nach einem Jahr sogar eine Verbesserung.

Bei wem reicht die alleinige HER2-Blockade?

Nachdem der Nutzen der Anti-HER2- Therapie beim HER2-positiven Brustkrebs zweifelsfrei belegt ist, denkt man jetzt über eine Deeskalation dieser Therapie nach, um betroffenen Frauen Toxizitäten zu ersparen. Eine solche Strategie wurde in der Phase-II--Studie PERNETTA erprobt, in der 210 Frauen mit metastasiertem HER2-positivem Mammakarzinom randomisiert eine Erstlinientherapie nur mit Trastuzumab/Pertuzumab oder zusätzlich auch eine Chemotherapie erhielten. Nach Progress wurden die Patientinnen beider Arme in der zweiten Linie auf T-DM1 umgestellt.

Eine erste Analyse der Studie hatte bereits ergeben, dass die alleinige HER2-Blockade zwar nicht das OS verschlechtert (2-Jahres-Rate 76,2% in beiden Armen), aber das PFS signifikant verkürzt: Es betrug bei den nur mit den Antikörpern behandelten Frauen 8,4 Monate, bei zusätzlicher Chemotherapie dagegen 23,3 Monate. Laut einer neuen, auf dem ESMO Breast Cancer Congress vorgestellten Subgruppenanalyse sind die Ergebnisse zum PFS und OS unabhängig vom Hormonrezeptor- (HR) Status der Teilnehmerinnen: Bei Frauen mit HR-positivem wie HR-negativem Brustkrebs betrug das mediane PFS bei alleiniger dualer HER2-Blockade gut acht Monate, bei zusätzlicher Zytostase hingegen rund 23 Monate. Die 2-Jahres-Raten für das OS unterschieden sich wiederum in beiden Tumorsubgruppen und unabhängig vom Therapieregime mit Werten zwischen 76% und 81% kaum.

Für die alleinige Antikörper-Therapie sprechen die geringeren Nebenwirkungsraten: Zusätzlich zytostatisch behandelte Patientinnen klagten vermehrt über Alopezie, Mukositis, Übelkeit und Fatigue. Mithilfe des Genexpressionstests PAM50 wird jetzt nach prädiktiven Faktoren gesucht, um Frauen zu identifizieren, bei denen ohne Einbußen im PFS auf die Chemotherapie verzichtet werden kann. Daten neoadjuvanter Studien beim HER2-positiven Brustkrebs haben gezeigt, dass der HER2-angereicherte Subtyp am sensitivsten auf die HER2-Blockade anspricht, informierte Prof. Jens Huober, Ulm. Die Studiengruppe geht von der Hypothese aus, dass dies auch für das metastasierte HER2-positive Mammakarzinom zutrifft. „Sollte der PFS-Unterschied in dieser Subgruppe kleiner ausfallen, könnte der Verzicht auf die Chemotherapie hier eine Option sein“, so Huober. Auch Frauen mit geringer Tumorlast könnte  diese Strategie nach seinen Worten in der ersten Linie angeboten werden, sofern die Ergebnisse in einer Phase-III-Studie bestätigt werden.

Aggressive Tumoren bei jungen Frauen

Insgesamt treten 5% aller Mammakarzinome bei unter 35-jährigen Frauen auf. Damit ist Brustkrebs bei Frauen dieser Altersgruppe der häufigste Tumor. Mammakarzinome bei jungen Frauen sind üblicherweise aggressiver als die in höherem Alter. Das wird durch eine retrospektive portugiesische Studie an insgesamt 207 median 31 Jahre alte Frauen bestätigt. Jede fünfte Patientin (20%) hatte einen triple-negativen Brustkrebs, (TNBC). Bei 28% lag ein HER2-positives Mammakarzinom vor. Nur 4% besaßen einen Tumor vom Subytp Luminal A, 67% vom Typ Luminal B. Diese Daten untermauern erneut den hohen Prozentsatz aggressiver Mammakarzinome bei jungen Frauen. Auch präsentierten sich mehr Betroffene zum Diagnosezeitpunkt mit bereits fortgeschrittenem oder de novo metastasiertem Tumor, berichtete Dr. Ines Eiriz, Amadora.

Das Follow-up in dieser Kohorte erstreckt sich mittlerweile über median 54 Monate. Mit 85% ist die Mehrzahl der Patientinnen weiterhin am Leben; bei 37 Frauen sind Metastasen, bei drei Patientinnen Lokalrezidive aufgetreten. Erwartungsgemäß überleben Frauen mit HR-positivem Brustkrebs am längsten. Danach folgen Patientinnen mit HER2-positivem Mammakarzinom; das Schlusslicht bilden die mit TNBC. Im Median überlebten Patientinnen ohne Metastasen mit 130 Monaten mehr als zehn Jahre, die mit metastasiertem Tumor 37 Monate. Diese Zeiten sind kürzer als bei älteren Patientinnen, sodass bei sehr jungen Brustkrebspatientinnen wegen ihrer aggressiven Tumorbiologie spezielle Behandlungsansätze erforderlich sind, resümierte Eiriz.

Ernährungsberatung zahlt sich aus

Bei Frauen mit frühem Mammakarzinom sind Übergewicht und Gewichtszunahme mit einem erhöhten Rezidiv- und Sterberisiko assoziiert; der Stellenwert einer Ernährungsberatung  ist jedoch bislang noch wenig untersucht. Diese Lücke soll jetzt eine prospektive Studie an 204 Patientinnen unter (neo-) adjuvanter Brustkrebstherapie füllen, die von einer erfahrenen Ernährungsberaterin evidenzbasiert diätetisch beraten werden. Bei Studienaufnahme waren 2,5% der Frauen unter-, 42% normal- und 33% übergewichtig, 22,5% sogar adipös, berichtete Dr. Luisa Carbognin, Verona. Zudem ernährten sich die meisten Teilnehmerinnen ungesund mit zu hohem Fettkonsum  (mediane Fettaufnahme 32,5%) und zu geringer Aufnahme von Ballaststoffen (median 17,2 g/Tag).

Der Interimsanalyse zufolge wurde die Ernährungsberatung insgesamt gut angenommen; die mit dem validierten Fragebogen Med-Diet erfasste Adhärenz war hoch (medianer Score von 12). Zudem korrelierte eine hohe Adhärenz an die diätetischen Empfehlungen signifikant mit einer Gewichtsabnahme von mindestens 5% des Ausgangsgewichts. Auch ging dieser Gewichtsverlust mit einer Abnahme depressiver Symptome einher.

Dr. Katharina Arnheim

Quelle: ESMO Breast Cancer Congress 2019, Berlin, 2. bis 4 Mai 2019