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Medizin

DGHO Frühjahrstagung
Frühjahrstagung der DGHO in Berlin
© Baierl

Der junge Krebspatient im Fokus

Kostenübernahme des Fruchtbarkeitserhalts, Versorgungstrukturen nach -überstandener Krebserkrankung – junge Menschen mit Krebs stellen das Gesundheitssystem vor besondere Herausforderungen, die bei der Frühjahrstagung der DGHO in Berlin zur Diskussion standen.

Pro Jahr erkranken circa 16.000 junge Frauen und Männer im Alter von 18 bis 39 Jahren an Krebs. Dabei werden die jungen Erwachsenen mit weit mehr als den unmittelbaren medizinischen Problemen konfrontiert. Eine positive Entwicklung zugunsten junger Krebs-patienten steht im Zusammenhang mit dem Terminservice- und Versorgungs-gesetz (TSVG). Hier sollen auch die Kosten für die Entnahme und das Einfrieren von Keimzellen und Keimzell-gewebe neu geregelt werden. Jüngst hat der Bundestag nun die Gesetzesänderung im Sozialgesetzbuch V (SGB V) zur Kostenübernahme der Fruchtbarkeitserhaltung durch die Krankenkassen beschlossen. Die Deutsche Stiftung für junge Erwachsene mit Krebs hatte zuvor gemeinsam mit ihrer Gründerin, der DGHO, eine intensive Presse- und Öffentlichkeitsarbeit initiiert, um die Gesellschaft und die Kollegen in der Ärzteschaft für dieses Thema zu sensibilisieren. Der Beschluss des Bundestages sei ein riesiger Schritt in Richtung Gerechtigkeit für junge Krebspatienten, so Prof. Diana Lüftner, Berlin. „Diese krebskranken Frauen und Männer haben eine hohe Heilungschance von über 80% und wollen nach erfolgreicher Therapie vor allem ein normales Leben führen. Dazu gehört für die meisten auch eine Familie mit eigenen Kindern.“ Mit dem Inkrafttreten des TSVG wird im Mai 2019 gerechnet. Zuvor erhält der Bundesrat die Gelegenheit, dem künftigen Gesetz abschließend zuzustimmen.

Umgang mit Therapie-bedingten Langzeitfolgen

Dank verbesserter Behandlungsmöglichkeiten von Krebserkrankungen liegt die Heilungsrate bei jungen Krebspatienten bei ca. 80%. Allerdings hat insbesondere die Gruppe der Patienten zwischen 15 und 39 Jahren nach überstandener Krebserkrankung im Kindes-, Jugend- und jungen Erwachsenenalter ein erhöhtes Risiko für Langzeitfolgen, die je nach Behandlungsansatz unterschiedlich sein können.

Die meisten dieser Folgeerkrankungen sind – wenn sie rechtzeitig entdeckt werden – gut behandelbar. Dafür seien spezialisierte und risikoadaptierte Versorgungsstrukturen besonders relevant, so Dr. Judith Gebauer, Lübeck.

Das Universitätsklinikum Schleswig-Holstein, Campus Lübeck, beispielsweise bietet eine interdisziplinäre Sprechstunde von Kinderonkologen und Internisten bzw. Endokrinologen an.

Bestehende Kooperationen zu anderen Kliniken und niedergelassenen Ärzten (z.B. HNO-Klinik, Klinik für Psychiatrie etc.) ergänzen das Team bei speziellen Fragestellungen. Hier werden sowohl medizinische als auch psychosoziale Aspekte berücksichtigt. Die Überleitung in die interdisziplinäre Tumornachsorgesprechstunde erfolgt nach Abschluss der onkologischen Routinenachsorge, sobald die Patienten 18 Jahre alt sind und die Krebsbehandlung mindestens fünf Jahre zurück liegt. Die Bestrebungen gehen dahin, ein umfassendes Netz von Late-Effekt--Kliniken zu etablieren, so Gebauer.

Das Präventionsprogramm CARE for CAYA richtet sich an 15- bis 39-Jährige, die zuvor eine Krebserkrankung überstanden haben – unabhängig davon, wann die Erkrankung stattgefunden hat. Die Abkürzung CAYA steht für Children, Adolescents und Young Adults. Diese fachübergreifende und vernetzte Versorgung zur Beeinflussung und Vorsorge von Langzeitfolgen konnte dank der Förderung durch den Innovationsfond des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) entwickelt und in 14 Zentren deutschlandweit aufgebaut werden. Das Programm beinhaltet grundlegende Themen wie Ernährung und Bewegung, betrachtet aber auch etwaige psychische Belastungen oder den Wiedereinstieg in Schule oder Beruf. Eine wissenschaftliche interventionelle Begleitstudie prüft, ob das Programm wirksam ist und die Betroffenen davon profitieren.

Die Frühjahrstagung der Deutschen Gesellschaft für Hämatologie und Medizinische Onkologie e. V. (DGHO) widmet sich traditionell aktuellen gesundheitspolitischen Themen zur langfristigen Beherrschung von Krebs- und Blutkrankheiten. Ein Programmtag konzentrierte sich mit dem Themenkomplex „Der jüngere Krebspatient“ auf eine besonders vulnerable Patientengruppe. Dazu diskutierten Expertinnen und Experten aus Wissenschaft, Medizin, Ethik, Informatik und Politik über therapiebedingte Langzeitfolgen nach überstandener Krebs-erkrankung im Kindes-, Jugend- und jungen Erwachsenenalter und stellten neue Versorgungsstrukturen vor.

Bettina Baierl

Quelle: Frühjahrstagung der Deutschen Gesellschaft für Hämatologie und medizinische Onkologie „Der jüngere Krebs-Patient rückt in den Fokus“ am 13.03.2019 in Berlin