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Onkologie

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Der Deutsche Krebskongress fand von 19. bis 22. Februar in Berlin statt.
© Deutsche Krebsgesellschaft

Aktuell vom DKK aus Berlin

Fortschritte bei Screening, Nebenwirkungsmanagement, Diagnostik und Therapie – unter dem Motto „Optimale Versorgung für alle“ diskutierten Experten beim Deutschen Krebskongress über die weitere Verbesserung derzeitiger Tumortherapien, neue Kombitherapien, die Vermeidung von Nebenwirkungen und die Möglichkeiten der Krebsprävention.

Prostatakrebs-Screening nach hinten verlagern?

In der PROBASE-Studie, der weltweit größten Untersuchung zum Prostatakrebs-Screening, soll ein  standardisiertes risikoadaptiertes Konzept zur Früherkennung dieses Tumors etabliert werden. Wichtig ist eine solche Strategie, da ein generelles Screening mittels PSA-Wert zu einer hohen Rate an Überdiagnosen und Übertherapien indolenter Tumoren führt, erläuterte Prof. Peter Albers, Düsseldorf. In der von der Deutschen Krebshilfe unterstützten PROBASE-Studie werden die PSA-Tests in Abhängigkeit vom individuellen Risiko eines Mannes durchgeführt, welches anhand seines Basis-PSA-Wertes im Alter von 45 (Studienarm A) bzw. 50 Jahren (Arm B) ermittelt wird. Studienhypothese ist, dass Männer mit späterem Screening-Beginn bis zum 60. Lebensjahr nicht häufiger an einem metastasierten Prostatakrebs erkranken als die mit erstmaliger PSA-Bestimmung im Alter von 45 Jahren. Außerdem wird geprüft, ob sich die Rate an unnötigen Diagnostik- und Therapiemaßnahmen durch den verzögerten Screening-Start senken lässt

Ende 2019 wurde die Rekrutierung von PROBASE mit fast 47.000 Teilnehmern im Alter von 45 Jahren erfolgreich beendet, berichtete Alberts. Die ersten Ergebnisse bezeichnete der Urologe als „erstaunlich“: Etwa 90% der Männer wiesen einen PSA-Wert im Niedrigrisikobereich auf, sodass PSA-Tests künftig nur in fünfjährigen Intervallen durchgeführt werden müssen. Lediglich bei etwa der Hälfte aller Männer mit einem PSA-Spiegel >3 ng/ml, d.h. im Hochrisikobereich, konnte der Wert in der Kontrolluntersuchung bestätigt werden. „Eine isolierte PSA-Bestimmung ist also nicht sinnvoll“, kommentierte Alberts. Entsprechend musste nur 0,8% aller Teilnehmer bereits mit 45 Jahren eine weitere Diagnostik empfohlen werden, die bei einem Drittel tatsächlich ein Karzinom ergab. Allerdings waren diese nachgewiesenen Tumoren in 70% der Fälle von nur geringer Aggressivität. Das weitere Follow-up wird zeigen, ob sich dieser Trend bestätigt und der Beginn des  risikoadaptierten Screenings verzögert werden kann.

NSCLC: PD-L1-Testrate deutlich gestiegen

Bis zu 60% aller Patienten mit nicht-kleinzelligem Lungenkarzinom (NSCLC) exprimieren PD-L1 und sind daher Kandidaten für die Therapie mit Checkpoint-Inhibitoren. Im prospektiven CRISP-Register wird derzeit untersucht, inwieweit die in Leitlinien geforderte Testung auf die PD-L1-Testung und die anschließende Einleitung der Immuntherapie bei positivem Testresultat in Deutschland umgesetzt wird. Am Register beteiligen sich bislang 163 Zentren, in denen mehr als 3.700 Patienten mit metastasiertem NSCLC ab Beginn der Erstlinientherapie rekrutiert wurden, berichtete Dr. Martin Sebastian, Frankfurt. Gut 2.200 dieser Patienten wurden auf Biomarker-Testung, eingeleitete Therapie und Behandlungsergebnisse hin analysiert. Die im Schnitt 66 Jahre alten Teilnehmer hatten mehrheitlich (79%) nicht-plattenepitheliale Tumoren; 11% waren Nieraucher

88% der 2.204 Patienten wurden auf mindestens einen Biomarker und/oder den PD-L1-Status getestet. Bei der PD-L1-Expression lag die Testrate im Falle der nicht-plattenepithelialen NSCLC bei 58% und im Falle der Plattenepithelkarzinome bei 49%. Die Testraten stiegen zwischen 2016 und 2018 deutlich: von 25% auf 75% bei den nicht-plattenepithelialen und von 20% auf 62% bei den Plattenepithelkarzinomen. Ein knappes Drittel der 2.204 CRISP-Teilnehmer (32%) hatten einen positiven PD-L1-Status . Bei 9% lag gleichzeitig eine EGFR-Mutation, bei 4% eine ALK-Translokation vor. 16% im Studienkollektiv hatten einen TPS (Tumor Proportion Score) ≥50%, 18% von 1-49% und 7% von <1%. Patienten mit einem TPS ≥50% erhielten mehrheitlich (70%) eine Therapie mit dem PD-1-Inhibitor Pembrolizumab, 21% eine Chemotherapie und 9% eine andere oder zielgerichtete Therapie. 185 Patienten mit PD-L1-positiven Tumoren werden mittlerweile seit mindestens einem Jahr nachbeobachtet. In dieser Gruppe liegt das mediane progressionsfreie Überleben (PFS) bei 4,4 Monaten. Gut die Hälfte der Patienten mit einem TPS ≥50% erlitten nach Erstlinientherapie einen Progress, 41% sind gestorben. „Die PD-L1-Testung wurde also rasch in die Routinediagnostik integriert. Auch erhielt die Mehrheit der PD-L1-positiven Patienten eine immunonkologische Therapie“, resümierten Sebastian und Mitarbeiter

Kombinierte Antiemese bewährt sich im Praxisalltag

Die nicht-interventionelle AKYPRO-Studie untermauert die Effektivität und Sicherheit der oralen Fixkombination Netupitant/Palonosetron (NEPA) bei der Prävention von Chemotherapie-induzierter Übelkeit und Erbrechen (CINV) bei Patienten unter hoch (HEC) oder moderat emetogener Chemotherapie (MEC) im klinischen Alltag. Die multizentrische Studie umfasste 2.429 Patienten aus 162 deutschen Zentren, die Mehrheit von ihnen mit Mammakarzinomen (66%) und gastrointestinalen Karzinomen (10%). Etwa zwei Drittel erhielten eine HEC, die übrigen Patienten eine MEC.

Deutlich über 80% aller Patienten sprachen auf die antiememetische Prophylaxe mit NEPA in den Zyklen 1–3 unabhängig von der Art des Regimes mit einer kompletten Response an. So lag die Responserate unter der HEC mit Anthracyclin/Cyclophosphamid bei 82%, unter Cisplatin-basierter HEC zwischen 84-87%, unter Carboplatin-basierter MEC bei 83-89% und unter Oxaliplatin-basierter MEC bei 84-88%. Auch litten gut 60-70% aller Patienten unter HEC in den Zyklen 1-3 nicht an einer relevanten Übelkeit. Unter Carboplatin-basierter MEC waren gut 80%, unter Oxaliplatin-basierter MEC rund 50% ohne relevante Übelkeit. Die Nebenwirkungsrate von NEPA war mit 7% niedrig. Auch waren nahezu alle Nebenwirkungen leicht, weniger als 1% vom Grad 3-4. Darüber hinaus erwies sich die antiemetische Propyhaxe mit NEPA auch in puncto Lebensqualität von Nutzen. Als Vorteil der oralen Fixkombination wertet die Arbeitsgruppe um Prof. Meinolf Karthaus, München auch die einfache Applikation, die die Selbstmedikation zuhause ermöglicht und die Compliance verbessert.

Abemaciclib beim HER2-positiven Mammakarzinom

Der CDK4/6-Inhibitor Abemaciclib hat sich bereits in Kombination mit einer endokrinen Therapie beim fortgeschrittenen Hormonrezeptor- (HR) positiven, HER2-negativen Brustkrebs bewährt. Präklinische Daten weisen darauf hin, dass Abemaciclib die Wirksamkeit von gegen HER2 gerichteten Substanzen verstärkt und in Anti-HER2-resistenten Tiermodellen synergistisch wirkt, erläuterte Dr. Johannes Etti, München.

In der internationalen randomisierten Multicenterstudie MONARCHer werden jetzt erstmals Abemaciclib-Regime mit der Chemotherapie plus Trastuzumab verglichen. Die Phase-II-Studie schloss 237 vorbehandelte Frauen mit fortgeschrittenem HR-positivem, HER2-positivem Brustkrebs ein. Sie wurden randomisiert drei Therapiearmen mit Abemaciclib/ Fulvestrant/Trastuzumab,  Abemaciclib plus Trastuzumab oder einer Chemotherapie nach Wahl des Prüfarztes plus Trastuzumab zugeteilt. Alle Teilnehmerinnen hatten zuvor bereits mindestens zwei Anti-HER2-Therapien einschließlich T-DM1 und ein Taxan erhalten.

Durch das  Abemaciclib-Tripelregime wurde eine 33%ige Reduktion des Progressionsrisikos erreicht: Mit der Dreifachkombi behandelte Frauen lebten median 8,3 Monate ohne Progress oder Tod, Kontrollpatientinnen dagegen nur 5,7 Monate (HR 0,673; p=0,0253). Das PFS unter dem Zweierregime Abemaciclib/Trastuzumab war mit 5,7 Monaten identisch mit dem im Kontrollarm (HR 0,943; p=0,385). Ähnliche Ergebnisse wurden auch beim Ansprechen erreicht: Die Responserate unter der Tripeltherapie war mit 32,9% mehr als doppelt so hoch wie in den beiden anderen Armen mit jeweils 13,9% (p=0,0042). Zudem zeigt eine exploratorische Analyse zum Gesamtüberleben (OS) bereits einen tendenziellen Vorteil zugunsten beider Abemaciclib-Arme: Das mediane OS lag unter der Dreierkombi bei 24,3 Monaten, unter Abemaciclib/Trastuzumab bei 24,1 Monaten und im Kontrollarm bei 21,5 Monaten. Die Verträglichkeit entsprach dem bisher von Abemaciclib bekannten Profil. Nebenwirkungen vom Grad 3 und höher waren allerdings nicht unerwartet unter dem Dreierregime häufiger als in den beiden anderen Armen.

Dr. Katharina Arnheim

Quelle: Deutscher Krebskongress 2020, Berlin, 19. bis 22. Februar 2020