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Medizin

Symbolbild Darm
Männer ab 50 und Frauen ab 55 haben Anspruch auf eine Darmspiegelung.
© Colourbox/Adisorn Chiamchitr

Darmkrebs-Früherkennung: Alle zehn Jahre sinnvoll?

Wissenschaftler im Deutschen Krebsforschungszentrum haben systematisch untersucht, wann und wie oft bei einer Zweituntersuchung Gewebeveränderungen detektiert werden.

Wird bei einer ersten Darmspiegelung kein auffälliger Befund entdeckt, so empfehlen die Leitlinien zur Darmkrebsprävention eine zweite Untersuchung nach einer Frist von zehn Jahren. Dieses Zehn-Jahres-Intervall wurde bislang allerdings im Wesentlichen durch Beobachtungen der Wachstumsraten von Darmkrebs-Vorstufen oder anhand von Abgleichen mit Krebsregisterdaten ermittelt. „Was bislang fehlte, war eine systematische Untersuchung der Entdeckungsraten relevanter Befunde bei der Folgekoloskopie, um zu ermitteln, nach welchem Zeitraum zu einer Folgeuntersuchung geraten werden sollte“, sagt Hermann Brenner, Präventionsexperte am Deutschen Krebsforschungszentrum.

Metaanalyse soll Aufschluss geben

Sein Team führte daher nun eine Metaanalyse durch: Thomas Heisser, Erstautor der aktuellen Arbeit, fasste zusammen mit seinen Kollegen die Ergebnisse von 28 verschiedenen publizierten Einzelstudien zusammen, die ein Auftreten von Darm-Läsionen ein bis fünf Jahre (17 Studien), fünf bis zehn Jahre (16 Studien) sowie zehn und mehr Jahre (drei Studien) nach der Erstkoloskopie ermittelt hatten.

Die Wissenschaftler erfassten zunächst das Auftreten aller Arten von Darmläsionen: Bei 20,7 Prozent aller Untersuchten, deren Erstkoloskopie ein bis fünf Jahre zurücklag, wurden bei der Zweituntersuchung Läsionen entdeckt. Waren 5 bis 10 Jahre seit der Erstuntersuchung vergangen, so lag die Entdeckungsrate bei 23 Prozent, nach über zehn Jahren bei 21,9 Prozent.

Betrachteten die Wissenschaftler dagegen nur die klinisch wesentlich relevanteren fortgeschrittenen Vorstufen, so lagen die Entdeckungsraten bei 2,8 Prozent nach ein bis fünf Jahren, 3,2 Prozent nach fünf bis zehn Jahren und 7 Prozent bei über zehn Jahren.

„Die vergleichsweise hohe Rate kleinerer Gewebeveränderungen, die nur wenige Jahre nach der ersten Koloskopie gefunden wurden, lässt sich wahrscheinlich großenteils dadurch erklären, dass bei der Erstuntersuchung noch sehr kleine Veränderungen nicht entdeckt oder entfernt wurden“, sagt Hermann Brenner. „Dafür spricht auch, dass diese Rate im darauffolgenden Intervall kaum weiter ansteigt.“

Kürzerer Intervall nur in Ausnahmefällen

Wesentlich wichtiger für die Prävention ist dagegen die Rate an fortgeschrittenen Krebsvorstufen. Sie bleibt bis zu zehn Jahre nach der Erstuntersuchung mit 2,8 Prozent und 3,2 Prozent auf einem nahezu gleichbleibend niedrigen Niveau. Das bedeutet, dass bei einer Folgekoloskopie in den ersten zehn Jahren nach einer unauffälligen Darmspiegelung nur sehr selten relevante Befunde gefunden würden. Es ist daher sinnvoll, nur in besonderen Fällen, z.B. bei erhöhtem Risiko aufgrund einer familiären Vorbelastung, zu einer früheren Folgeuntersuchung zu raten.

Für Aussagen darüber, ob bei Menschen ohne bekannte besondere Risiken die zweite Darmspiegelung möglicherweise noch weiter als zehn Jahre aufgeschoben werden kann, ist nach Ansicht der Autoren die Datenlage noch zu dünn. Hier konnten die Wissenschaftler auf nur drei Studien zugreifen. „Diese Studien schlossen auch Personen ein, deren Erstuntersuchung teilweise erheblich länger als zehn Jahre zurücklag. Um aber feststellen zu können, ob die Entdeckungsrate eventuell 12 oder 15 Jahre nach der Erstuntersuchung noch vertretbar niedrig ist – dazu sind größere Untersuchungen notwendig“, so Herrmann Brenner.

Literatur: Heisser T, Le Peng, Weigl K, Hoffmeister M, Brenner H. Outcomes at Follow-Up of a Negative Colonoscopy in the Average-Risk Population: A Systematic Review and Meta-Analysis. BMJ 2019; DOI: 10.1136/bmj.l6109

Quelle: Deutsches Krebsforschungszentrum