Newsletter

Medizin

Corona-Virus im Modell
Corona-Virus im Modell
© Shutterstock/peterschreiber.media

Tumorpatienten in der Coronavirus-Pandemie

Tumorpatienten sind eine vulnerable Risikogruppe für COVID-19. Laut DGHO ist gefährdet, wer aktuell eine immun-suppressive Therapie erhält bzw. unter unkontrolliertem Tumor leidet. Sie fordert, dass alle Patienten mit aktiver Krebserkrankung getestet werden sollten.

Inzwischen werden immer mehr Erfahrungen im internationalen Umgang mit COVID-19-Infektionen publiziert. In mehreren Krankenhäusern im chinesischen Wuhan wurden etwa doppelt so viele Tumorpatienten positiv getestet als in der Allgemeinbevölkerung (1). Tumorpatienten sind allein deswegen schon mehr gefährdet, weil sie wegen ihrer Therapie und dem Monitoring regelmäßig eine Praxis oder Klinik aufsuchen müssen und dort Hospitalinfektionen ausgesetzt sind – so die chinesische Sicht.

Wer ist besonders gefährdet

Die DGHO (Deutsche Gesellschaft für Hämatologie und Medizinische Onkologie e.V.) differenziert hier stärker. Besondere Vorsicht empfiehlt sie bei Patienten mit einem geschwächten Immunsystem durch Leukämien, Lymphome bei aktiver Erkrankung, einer niedrigen Leukozytenzahl und Immunglobulinwerten, einer langdauernden Immunsuppression, z. B. durch Kortison einer allogenen Stammzelltransplantation und anderen zellulären Therapien. Auch für Patienten mit Lungentumoren wird ein erhöhtes Risiko berichtet (1). Nach Auffassung der DGHO haben Tumorpatienten mit chronischer und gut beherrschter Erkrankung oder nach einer erfolgreichen Erstbehandlung kein erhöhtes Ansteckungsrisiko für einen schweren Krankheitsverlauf.

Dies unterstreicht den hohen Stellenwert einer konsequenten Desinfektion aller Arbeitsbereiche und Einhalten von einem möglichst zwei Meter großen Abstand zu anderen Personen, empfiehlt die DGHO. Für die bestmögliche Behandlung von Tumorpatienten weist die DGHO auf die aktuelle onkopedia-Leitlinie zu „Coronavirus-Infektion (COVID-19) bei Patienten mit Blut- und Krebserkrankungen“ (Stand April 2020) hin (2).

Auch eine Modifikation der Behandlung kann zur Risikoreduktion beitragen. Als zweckmäßig hat sich in China die Umstellung von Infusionstherapien, soweit möglich, auf orale Gabe, beispielsweise mit Etoposid oder Vinorelbin, erwiesen. Bei Patienten  mit einer adjuvanten Chemotherapie oder Erhaltungstherapie sollte die Möglichkeit einer Verlängerung der Infusionsintervalle erwogen werden (3). Der Geschäftsführende Vorsitzende der DGHO, Prof. Lorenz Trümper, Göttingen, stellt hierzu fest: „Bei Patientinnen und Patienten mit chronischer und gut beherrschter Krebskrankheit kann individuell über eine Therapieverschiebung entschieden werden.“

Ärzte und Pflegepersonal wirksam schützen

Zwei Mailänder Onkologen haben in einem bewegenden Bericht die desaströse Situation in vielen italienischen Kliniken beschrieben. Neben dem Schicksal der Patienten gilt ihre Sorge auch den Ärzten und dem Pflegepersonal vor Infektionen (4). Ein Weg zu mehr Sicherheit in den Praxen und auf den Stationen ist die breite und wiederholte Testung aller PatientInnen, die sich derzeit einer Krebstherapie unterziehen müssen, fordert daher auch die DGHO.

Dr. Alexander Kretzschmar

Hilfreiche Links

  1. Die aktualisierten DGHO-Empfehlungen können abgerufen werden unter: https://www.dgho.de/aktuelles/news/news/2020/covid-19-bei-krebspatienten-leitlinie-und-patienteninformation-aktualisiert
  2. Eine Zusammenstellung aller klinischen und Forschungspublikationen stellt die ASH zur Verfügung unter https://www.hematology.org/COVID-19

    Literatur
  1. Yu J et al. JAMA Oncology Published online March 25, 2020
  2. onkopedia-Leitlinie „Coronavirus-Infektion (COVID-19) bei Patienten mit Blut- und Krebserkrankungen“ Stand: April 2020. https://www.onkopedia.com/de/onkopedia/guidelines/coronavirus-infektion-covid-19-bei-patienten-mit-blut-und-krebserkrankungen/@@guideline/html/index.html
  3. Wang Z et al. JAMA Oncology Published online April 1, 2020
  4. Pietrantonio F & Garassino MC JAMA Oncology Published online April 10, 2020