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Medizin

Symbolbild Gehirn
Verschlechterung des Hörvermögens auf Kosten kognitiver Fähigkeiten. © Colourbox / Ihor

Schlechtes Hören fördert Depression und Demenz

Die Ursache von Affektsschwankungen und Verhaltensauffälligkeiten bei Senioren müssen nicht psychiatrischer Natur sein, sondern können auch durch eine Verschlechterung des Hörvermögens bedingt sein

Die Folgen einer altersabhängigen Verschlechterung des Hörvermögens werden im Alltag in ihrer prognostischen Bedeutung für die neuropsychiatrische Gesundheit unterschätzt. Schlechtes Hören wird von den Betroffenen vielfach als stigmatisierend empfunden und gar nicht ärztlich abgeklärt. Die Hirnforschung hat aber gezeigt, dass andauerndes schlechtes Hören zu Veränderungen zu adaptiven Veränderungen des neuroplastischen Netzes führt. Neurobiologisch wurde u. a. eine schlechtere Konnektivität im limbischen System, insbesondere des Cingulums, nachgewiesen, wodurch die emotionale Reaktivität, Aufmerksamkeit und Gedächtnis beeinträchtigt werden.

Soziale Isolation als Folge

Kognitive Beeinträchtigungen betreffen vor allem die Gedächtnisfunktion, die Geschwindigkeit der Informationsverarbeitung, die Multitasking-Fähigkeiten sowie die Fähigkeit, ungewollte Reaktionen zu unterdrücken (Response Inhibition). Bislang gibt es nur vergleichsweise wenige klinische Studien zu diesem Thema. Die Ergebnisse sind jedoch eindeutig. Eine anhaltende altersabhängige Verschlechterung des Hörvermögens ist mit sozialer Isolation sowie mit einem höheren Risiko einer Depression im höheren Lebensalter und einer Demenz assoziiert.
Dr. Alexander Kretzschmar

Literatur: Rutherford BR et al. Sensation and Psychiatry: Linking Age-Related Hearing Loss to Late-Life Depression and Cognitive Decline. Am J Psychiatry 2018; 175:215–224