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Neurologie-Psychiatrie

Frau mit Kopfschmerzen
© MaximFesenko@istockphoto

Chronische Migräne beeinträchtigt die Denksteuerung

Bei Patienten mit Migräne verschlechtern sich die exekutiven metakognitiven Fähigkeiten mit dem Grad der Chronifizierung und der Schmerzmittelexposition. Darauf weist eine italienische Studie hin.

An der Studie nahmen insgesamt 64 Patienten (46 Frauen und 18 Männer, im Mittel 45,65 Jahre) mit episodischer (n = 27) sowie chronischer Migräne und Medikamentenübergebrauch-Kopfschmerz (Medication Overuse Headache; MOH) (n = 37) teil. Als Kontrollen dienten 29 gesunde Freiwillige (im Mittel 42,86 Jahre). Die metakognitiven und exekutiven Fähigkeiten wurden mithilfe der metakognitiven Version des Wisconsin-Card-Sorting-Tests untersucht.

Dabei schnitten in den Tests die Patienten mit chronischer Migräne und MOH gegenüber den Kontrollen signifikant schlechter ab in den Domänen „Treffsicherheit“ (p=0,012), „globale Beurteilung“ (p=0,015), „finanzielle Gewinne“ (p = 0,022) und „Kontrollsensitivität“ (p = 0,027). Ein schlechteres Ergebnis gab es auch im Vergleich zu der Gruppe mit episodischer Migräne in den Domänen „Treffsicherheit“ (p = 0,001), „globale -Beurteilung“ (p = 0,003), „Verbesserung bei freier Wahlmöglichkeit“ (p = 0,002), „finanzielle Gewinne“ (p = 0,009) und „Kontrollsensitivität“ (p = 0,001). Die Ergebnisse lassen den Schluss zu, dass sich die exekutiven metakognitiven Fähigkeiten mit der Chronifizierung der Migräne und der Menge der eingenommenen Schmerzmittel verschlechterten.

Die Fähigkeit, das eigene Denken zu steuern, zu überwachen und zu organisieren bzw. Erinnerungen, Wahrnehmungen und Entscheidungen richtig einzuordnen und zu bewerten, kann Menschen dabei helfen, bessere Entscheidungen zu treffen, erreichbare Ziele zu formulieren, aber auch eigene Stärken und Schwächen deutlich zu erkennen. Die Autoren sehen daher in der Verbesserung metakognitiver Defizite ein wichtiges Behandlungsziel in der Zukunft.

Dr. Alexander Kretzschmar

Literatur: Zucca M et al. Metacognitive impairment in patients with episodic and chronic migraine. J Clin Neurosci 2020; 72: 119–23