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Neurologie-Psychiatrie

Schwermütiger Mann
Schwere und weniger schwere Depressionen unterscheiden sich auf genetischer Ebene nicht prinzipiell.
© Colourbox

Liegen Depressionen in den Genen?

Offenbar sind wir alle Träger von genetischen Risikovarianten für Depression, so eines der Ergebnisse einer großen Studie.

In einer seit zehn Jahren laufenden weltweiten Studie zur Erforschung der genetischen Ursachen von Depressionen ist Wissenschaftlern nun ein entscheidender Durchbruch gelungen. Sie konnten 30 neue genetische Varianten identifizieren, die mit Depressionen in Verbindung stehen. An der Studie sind auch Forscher des Zentralinstituts für Seelische Gesundheit (ZI) in Mannheim beteiligt.

Insgesamt identifizierten die beteiligten Wissenschaftler 153 Gene, die mit einer Depression in Verbindung stehen. Interessanterweise kam ebenfalls heraus, dass sechs Loci neben Depressionen auch bei Schizophrenie eine Rolle spielen.

Eine wichtige Erkenntnis aus der Studie ist, dass schwere Depressionen sich auf genetischer Ebene nicht prinzipiell von weniger schweren Depressionen und Depressivität, also einer Verstimmtheit, wie sie viele Menschen im Laufe ihres Lebens erleben, unterscheiden. „Die Ergebnisse zeigen, dass wir alle Träger von mehr oder weniger Risikovarianten sind und es darauf ankommt, die Umweltbedingungen so zu gestalten, dass diese nicht zur Krankheit führen“, sagt ZI-Forscherin Marcella Rietschel.

Deutlich wurde durch die Studie zudem, dass sich die genetische Basis von Depressionen mit der anderer psychischer Erkrankungen, wie Bipolare Störung und Schizophrenie, überschneidet. Darüber hinaus gibt es Übereinstimmungen mit der genetischen Basis für starkes Übergewicht sowie Tagesmüdigkeit und Schlaflosigkeit. „Die Befunde bieten die Grundlage für eine Vielzahl von Folgeuntersuchungen der verschiedensten Fachrichtungen“, sagt Rietschel. Zum einen geht es dabei darum, die genetischen Ausprägungen für Depressionen noch besser zu verstehen. Zum anderen kann mit diesem Wissen die Wirksamkeit von Therapien weiter verbessert werden.

Quelle: Zentralinstitut für Seelische Gesundheit.