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Medizin

Nicht immer will man sein Tattoo lebenslang behalten.
© Colourbox

Picosekundenlaser – nicht perfekt, aber immer besser

01.01.2018

Der Picosekundenlaser stellt gegenüber den Quality-switched Lasern einen wesentlichen Fortschritt dar – nicht nur bei der Entfernung von Tattoos und Permanent-Makeup, sondern auch bei der Vermeidung von postinflammatorischer Hyper- oder Hypopigmentation sowie Narbenbildung.

Die Technologie entwickelt sich kontinuierlich weiter. 2012 erfolgte die Zulassung für den ersten Picosekundenlaser, einem 755 nm Alexandrit-Pico-sekundenlaser durch die US-Behörde FDA. Inzwischen werden Picosekundenlaser mit neuen und variablen Wellenlängen getestet. Sie erweitern die therapeutischen Möglichkeiten, insbesondere bei schwierig zu entfernenden Farben, so die Erwartung1. Bisher gab es noch keinen Picosekundenlaser, der über alle erforderlichen Wellenlängen verfügt. Das Entfernen aller Farben und Haut-töne mit einem Gerät ist derzeit noch nicht möglich. In einer neueren Studie konnte allerdings die Behandlung mit einem Nd:YAG-Picosekundenlaser mit variablen Wellenlängen deutlich vereinfacht werden. Mit 1064 nm gelang die erfolgreiche Entfernung von blauer, schwarzer und purpurner Tinte, während für rote und gelbe Tinte eine Wellenlänge von 532 nm benutzt wurde2.

Cave überzogene Erwartungen

Die Inzidenz von dauerhaften Hypopigmentierungen ist mit dem Picosekundenlaser – verglichen mit dem Nano-sekundenlaser – deutlich niedriger, besonders bei den dunklen Hauttypen IV und V. Die praktischen Erfahrungen zeigen jedoch auch, dass die großen Vorschusslorbeeren nicht selten zu überzogenen Erwartungen hinsichtlich des Erfolges geführt haben. So ist die Hoffnung, dass der Picosekundenlaser deutlich weniger schmerzhaft ist, nicht haltbar. Ein dermatologisches Schmerzmanagement ist weiterhin erforderlich2,3.

Zu den Mythen gehört auch die Ansicht, dass mit dem Picosekundenlaser die Anzahl der Sitzungen bis auf etwa ein Drittel der Zahl mit älteren Laser-
systemen reduziert werden kann. Bisher unpublizierte Daten klinischer Studien zeigen zwar, dass mit der R20-Methode mit einem Picosekundenlaser eine 75%-Tattoo-Entfernung in 1–2 Sitzungen möglich ist1. Allerdings sind derartig kurze Behandlungen noch klinische Zukunftsmusik. In der Praxis variiert die Zahl der Sitzungen individuell und hängt von der Art des Tattoos, dem Alter sowie dem Hauttyp des Patienten ab. Für die Entfernung von Profitätowierungen sind aufgrund der höheren Pigmentdichte und Farbenvielfalt in der Regel mehr Sitzungen erforderlich als für einfarbige Laientätowierungen3. Das dürfte dazu führen, dass die Picosekundenlaser trotz des großen Investitions-volumens bei einem zunehmenden Anteil von Patienten mit Tattooentfernung zum Einsatz kommen werden.

Literatur: 1. Jakus J & Kailas A. J Clin Aesthet -Dermatol. 2017; 10(3): 14–15. 2. Ho S & Goh CL. J Cutan Aesthet Surg. 2015; 8(1): 9–15. 3. Heise H. Tattooentfernung – What Matters? Jahreskongress der Schweizerischen Gesellschaft für medizinische Laseranwendungen (SGML), Zürich, 19.1.2017

Autor: Dr. Alexander Kretzschmar