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Medizin

Blutdruckmessung in der Praxis
Bis zu 40% mehr Menschen haben nach den neuen Richtlinien Bluthochdruck.
© Inselspital, Universitätsspital Bern

Blutdruck senken – mit weniger Nebenwirkungen

Patienten mit Hypertonie erhalten häufig einen ACE-Hemmer. Doch wieso dessen Nebenwirkungen in Kauf nehmen, wenn es eine ebenso wirksame, aber verträglichere Alternative gibt?

Bis zu 40% mehr Menschen haben Bluthochdruck, seit die amerikanischen Fachgesell-schaften die Kriterien dafür heruntergesetzt haben (neu 130/80 mmHg). Die neuen internationalen Richtlinien empfehlen ACE-Hemmer als Blutdrucksenker. Diese Medikamente sind jedoch mit Nebenwirkungen behaftet: Häufig auftretender chronischer trockener Husten führt dazu, dass Patientinnen und Patienten die Therapie oft abbrechen. In sehr seltenen Fällen kann es zu akuten lebensbedrohlichen Erstickungsanfällen kommen, einem sogenannten Angio-Ödem. Doch es gibt eine alternative und sicherere Wirkstoffklasse. Das zeigt eine Vergleichsstudie, welche die Universitätsklinik für Kardiologie am Inselspital am 26. März 2018 im Fachjournal JACC veröffentlichte.

Ähnlich gute Wirkung – weniger gravierende Nebenwirkungen

Die Forschungsgruppe um Prof. Dr. med. Franz Messerli und Prof. Dr. med. Stefano Rimoldi verglich die blutdrucksenkende Wirkung von ACE-Hemmern und Angiotensin-Rezeptor-Blockern (ARBs) bei Menschen ohne kardiovaskuläre Grunderkrankung sowie bei solchen mit Erkrankungen der Herzkrankgefäße, Herzinsuffizienz, Diabetes oder chronischer Nierenerkrankung. Auch die Nebenwirkungen der jeweiligen Patientengruppe wurden retrospektiv untersucht. Insgesamt schlossen sie die Daten von 254.301 Patientinnen und Patienten in die Untersuchung ein. 

Der Vergleich ergab, dass ARBs in allen Patientengruppen eine ähnlich gute oder sogar bessere blutdrucksenkende Wirkung aufwiesen wie ACE-Hemmer. Beide Wirkstoffe senkten das Risiko für Todesfälle, Herzinfarkt, Herzversagen, Hirnschlag oder Nierenversagen gleichermaßen gut – besonders auch bei weiteren Risikofaktoren wie einer Herzerkrankung oder Diabetes. Dabei kam es unter ARBs zu signifikant weniger Nebenwirkungen. Es gab deutlich weniger lebensbedrohliche Erstickungsanfälle. Der trockene Husten blieb aus. Teils linderte das Medikament sogar Kopfschmerzen und andere Beschwerden, welche der Bluthochdruck hervorgerufen hatte. Da heute zwischen 30 und 40 Millionen Menschen weltweit ACE-Hemmer erhalten, könnte die äußerst seltene Nebenwirkung des Angio-Ödems statistisch immerhin mehrere hundert Todesfälle im Jahr verursachen.

Quelle: Universitätsspital Bern