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Medizin

Kontaktlinse
Keimabtötende Kontaktlinsen könnten eine Infektion mit Akanthamöben bekämpfen.
© Fraunhofer/AP

Kontaktlinsen zur Therapie von Augeninfektionen?

Mikrobielle Infektionen der Augenhornhaut sind bisher oft nicht erfolgreich in den Griff zu bekommen. Kontaktlinsen mit keimabtötenden Eigenschaften könnten eine effektive Alternative sein.

Infektionen der Augenhornhaut sind weltweit eine wesentliche Ursache für eine Minderung der Sehschärfe. Die WHO geht davon aus, dass sich jede vierte Erblindung auf eine Hornhauttrübung zurückführen lässt. Ursächlich dafür ist meistens eine mikrobielle Keratitis – eine durch Keime wie Bakterien, Pilze, Hefen, Viren oder Akanthamöben ausgelöste Hornhautentzündung. Augenärzte fürchten vor allem die durch Akanthamöben verursachte Keratitis, da diese Form der Erkrankung kaum auf verfügbare Medikamente anspricht. Derzeitige Therapien mit Desinfektionsmitteln in Kombination mit Antibiotika haben starke Nebenwirkungen und schädigen die Hornhaut.

Zu Beginn sind die Symptome der Akanthamöben-Keratitis unspezifisch: Das Auge ist rot, tränt, die Betroffenen sehen verschwommen. Erst nach fünf Wochen kommen starke Schmerzen hinzu – ein Zeichen, dass bereits Nervenzellen geschädigt sind. Die Erkrankung tritt in der Regel einseitig in einem Auge auf. Eine rechtzeitige Diagnose und Behandlung ist enorm wichtig, da eine solche Infektion in späteren Stadien zum dauerhaften Sehverlust führen kann.

Weiche Kontaktlinsen als Verursacher der Akanthamöben-Keratitis

Weiche Kontaktlinsen gelten zu 88% als Hauptübertragungsmedium der Erreger. Betroffene Patienten hatten in Befragungen angegeben, dass sie ihre Kontaktlinsen über mehrere Tage getragen oder nicht mit den dafür vorgesehenen Reinigungsmitteln desinfiziert, sondern unter fließendem Leitungswasser gewaschen hatten. „Akanthamöben kommen sozusagen ubiquitär vor. Nicht ganz saubere Kontaktlinsen bieten den Parasiten daher ein Klima, in dem sie sich hervorragend vermehren können. Die Amöben fressen sich förmlich in die Hornhaut hinein“, weiß Dr. Joachim Storsberg, Wissenschaftler am Fraunhofer-Institut für Angewandte Polymerforschung IAP.

Da derzeitige Behandlungsmethoden häufig bis zu einem Jahr beanspruchen und oftmals nicht wirksam sind, erforschen Storsberg und sein Team neuartige, schonende Therapiekonzepte, die auf den Einsatz von Antibiotika verzichten. Als vielversprechende Alternative könnten sich plasmabehandelte Kontaktlinsen erweisen. „Plasma ist für seine keimreduzierende Wirkung bekannt. Zum Therapieren von Hautkrankheiten wird es seit einigen Jahren erfolgreich eingesetzt. Daher war es naheliegend, Kontaktlinsen mit keimabtötenden Eigenschaften zu entwickeln und zu prüfen, ob sie die Amöben schädigen und wachstumshemmende Effekte auslösen können“, erläutert Storsberg. Die plasmabehandelten Hydrogel-Linsen sollen letztendlich ins Auge infizierter Patienten eingesetzt werden.

Therapeutische Kontaktlinsen

Um den gewünschten keimabtötenden Effekt zu erzielen, wählten die Forscher plasmaaktiviertes Wasser (PAW). Auch die Kontaktlinsen stellten die Forscher in Eigenregie her. Als Material verwendeten sie Silikon-Hydrogel. „Silikon-Hydrogel reagiert nicht mit dem plasmaaktivierten Wasser, vielmehr nimmt es dieses dank seiner sehr guten Speicherfähigkeiten auf und verändert sich dabei nicht“, beschreibt Storsberg die Vorzüge des Polymermaterials. PAW wiederum zeichnet sich durch seine fehlende Resistenzbildung aus. „Aufgrund seiner oxidierenden Wirkung ist es in der Lage, die Zellmembran der Amöben irreversibel zu zerstören“, so der Experte. Das antibakterielle Potenzial der plasmabehandelten Linsen bestätigte sich in allen In-vitro-Experimenten – die PAW-Hydrogele wiesen starke antimikrobielle Effekte auf: Nachdem die Amöben zunächst in Reinkultur hergestellt wurden, gaben die Forscher die PAW-Lösung direkt auf die Probe – bereits nach fünf Minuten waren sämtliche Amöben inaktiviert. In weiteren Experimenten infizierten die Forscher verworfene, nicht mehr transplantierbare Spenderhornhäute mit einer Typusart der Akanthamöbe, und deckten sie mit einer PAW-Kontaktlinse ab. Bei diesem Test wurden die Erreger ebenfalls zu 100% abgetötet. Derzeit untersuchen die IAP-Forscher, ob sich die Hydrogel-Kontaktlinsen auch zur Therapie von Pilzerkrankungen, von Mykosen, eignen.

Quelle: Fraunhofer-Gesellschaft