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Medizin

WCGC: Gastointestrinale Tumoren im Fokus © Somkiat Fakmee / Colourbox

WCGC: Highlights aus Barcelona

Der 20. ESMO World Congress on Gastrointestinal Cancer zog nach vier Tagen intensiven Austauschs ein positives Fazit: 3.500 Interessierte der Disziplinen Onkologie, Gastroenterologie, Pathologie, und Chirurgie aus 90 Ländern diskutierten über neueste Studienergebnisse und praxisverändernde Strategien.

Hoffnung für Patienten mit metastasiertem Magenkrebs

Patienten mit metastasiertem Magenkrebs, die nach Standardtherapie ein Rezidiv erleiden, können neue Hoffnung schöpfen. In einer globalen Phase-III-Studie wurde das für Patienten mit refraktärem metastasierendem Kolorektalkarzinom zugelassene Kombinationspräparat Trifluridine/Tipiracil (FTD/TPI) nun bei Patienten mit intensiv vorbehandeltem metastasiertem Magenkarzinom (mGC) untersucht. Eingeschlossen wurden Erwachsene mit einem histologisch bestätigt, nicht resezierbaren mGC, einem Leistungsstatus der Eastern Cooperative Oncology Group (ECOG PS) von 0 oder 1 sowie mindestens zwei vorherigen Chemotherapien. Im Verhältnis 2:1 erhielten die 507 Probanden entweder FTD/TPI (35 mg / m2 zweimal täglich an den Tagen 1-5 und 8-12 jedes 28-Tage-Zyklus) oder Placebo – sowie jeweils Best Supportive Care. Das mediane Gesamtüberleben betrug in der Verum-Gruppe 5,7 Monate, in der Placebo-Gruppe hingegen 3,6 Monate (HR 0,69; 95 % CI 0,56, 0,85). Die vier- und sechsmonatigen progressionsfreien Überlebensraten betrugen 26,8 % und 14,6 % in der FTD/TPI-Gruppe gegenüber 7,7 % bzw. 6,4 % in der Placebo-Gruppe. Mit einer 31 prozentigen Verringerung des Sterberisikos im Zusammenhang mit der 2,1-monatigen Verbesserung des medianen Überlebens belegen die Daten, dass die FTD/TPI-Kombination eine wirksame Behandlungsoption für Patienten mit intensiv vorbehandeltem mGC ist.

Darmkrebs auf der Spur: miRNA als prognostischer Marker

Die aus etwa 22 Nukleotiden bestehenden miRNA sind an der Regulation der Genexpression beteiligt und erfüllen entsprechend eine wichtige Aufgabe bei der Steuerung von Entwicklung, Zelldifferenzierung, Proliferation und Apoptose. Neuere Daten weisen darauf hin, dass sie auch an der Entstehung von Krebs oder Stoffwechselstörungen beteiligt sind. Daher bieten sie einen neuen Ansatzpunkt für die Entwicklung zielgerichteter Therapieoptionen. Zirkulierende miRNAs haben sich inzwischen als vielversprechende diagnostische Biomarker für das Darmkrebs-Screening erwiesen. Eine Fall-Kohorten-Studie untersuchte nun eine spezifische Signatur der hoch konservierten, nicht-codierenden RNA in Plasmaproben, um ein valides Modell zu entwickeln, das gesunde Individuen von denen mit kolorektalem Krebs und fortgeschrittenen Adenomen unterscheiden kann. Letztendlich wurden sechs unterschiedliche miRNA Signaturen identifiziert und validiert (miR19a, miR19b, miR15b, miR29a, miR335, miR18a). Diese sind als Prädiktoren in der Lage, Patienten mit Darmkrebs und fortgeschrittenen Adenomen von gesunden Probanden signifikant zu differenzieren.

Hemmung von Fusionsproteinen effektiv bei malignen gastrointestinalen Erkrankungen

Die Präzisionsmedizin macht auch vor malignen Erkrankungen des Gastrointestinaltrakts (GI) nicht halt. Tropomyosin receptor kinase (TRK)-Fusionen sind genetische Anomalien, die auftreten, wenn sich eines der NTRK-Gene mit anderen, nicht verwandten Genen verbindet. In drei unterschiedlichen Studien wurde der Tyrosinkinase-Inhibitor Larotrectinib hinsichtlich seiner Wirkung und Sicherheit bei der GI-Therapie untersucht. Eingeschlossen wurden Patienten mit einem lokal fortgeschrittenen oder metastasierten soliden Tumor inkl. nachgewiesener NTRK-Genfusion, nach Standardtherapie oder die keine Behandlungsalternativen hatten. In der Subgruppe von 12 Patienten litten vier an Darmkrebs, drei an gastrointestinalen Stroma-Tumoren (GIST), zwei wiesen ein Cholangiokarzinom auf und jeweils einer hatte ein Adenokarzinom des Appendix bzw. Pankreas sowie ein perirektales Weichteilsarkom. Acht Patienten (75 %) sprachen auf die Behandlung an, darunter einer mit kompletter Remission und die anderen sieben mit partiellem Ansprechen. Mit einer ersten Reaktion innerhalb der ersten zwei Monate, sowie einer Response-Dauer von 3,5 bis 22,9 Monaten und noch andauernd, führte die TRK-Inhibition mit Larotectinib zu einem schnellen und dauerhaften Ansprechen bei guter Verträglichkeit.

Leoni Burggraf

Quelle: World Congress on Gastrointestinal Cancer 20. Bis 23. Juni 2018 in Barcelona/Spanien