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Medizin

Hand mit Ekzem
Gibt es eine "Neurodermitis des älteren Menschen"?
© Colourbox/traza

Ekzeme im Alter: Eigenständiges Krankheitsbild?

Während für Neurodermitis im Kindesalter Risikofaktoren bekannt sind, gibt es weit weniger Erkenntnisse zu Ekzemen im Erwachsenenalter. Welche Rolle spielen hier Veranlagung und Umweltfaktoren?

Im Hinblick auf diese Fragen haben Wissenschaftler des IUF – Leibniz-Institut für umweltmedizinische Forschung Daten aus der Langzeitstudie SALIA* analysiert. Die im Juli veröffentlichten Ergebnisse zeigen, dass das Auftreten von Ekzemen im Alter sehr häufig ist.¹ So haben ca. 8 % von 834 Frauen nach eigenen Angaben erstmals ein Ekzem im Alter von 55+ entwickelt. Es zeigte sich ein Zusammenhang zwischen einer langjährigen Luftschadstoffbelastung durch verkehrsbedingte Luftverschmutzung und dem erstmaligen Auftreten von Ekzemen jenseits von 55 Jahren. Konkret fanden die Wissenschaftler einen Zusammenhang zwischen erhöhten Werten für Feinstaub (PM₂,₅, PM₁₀) und gasförmigen Umweltschadstoffen (NO₂, NOₓ) und Ekzemen bei älteren Frauen.

Als nächstes haben die Wissenschaftler vom IUF gemeinsam mit einem Kollegen von der Monash Universität in Melbourne, Australien, sich die Frage gestellt, ob es sich hierbei um eine Form der Neurodermitis handelt. Dabei zeigte sich, dass die Ekzeme der Älteren sich von der Neurodermitis des Kindesalters, dem sogenannten atopischen Ekzem unterscheiden. So war der Zusammenhang zwischen Luftverschmutzung und Ekzemen bei älteren Frauen stärker, wenn sie weder Heuschnupfen hatten, noch im Blut vermehrt Anti-IgE Antikörper aufwiesen und wenn keine genetische Veranlagung vorhanden war, atopische Erkrankungen wie die Neurodermitis zu entwickeln. Diese Untersuchungen wurden kürzlich im „Journal of Allergy and Clinical Immunology“ veröffentlicht.²

„Unsere Untersuchung zeigt, dass Ekzeme viel häufiger erstmals im Alter 55+ auftreten als bisher angenommen. Außerdem legt sie einen Zusammenhang mit chronischer Belastung durch verkehrsbedingte Luftverschmutzung nahe“, erläutert Dr. Tamara Schikowski, Umweltepidemiologin und Arbeitsgruppenleiterin am IUF. Prof. Jean Krutmann, Dermatologe und Direktor des IUF ergänzt: „Bisher wissen wir kaum etwas über Ekzeme, die erstmals im höheren Lebensalter auftreten. Die Erkenntnis, dass sich das Ekzem der Älteren von der Neurodermitis der Kinder unterscheidet, weist daraufhin, dass es sich hierbei um ein eigenständiges, bislang unbekanntes Krankheitsbild handelt“.

 

* Über die SALIA-Studie

Die Analysen basieren auf Daten aus der SALIA-Studie, die 1985 initiiert wurde, um die langfristigen Auswirkungen von Luftverschmutzung auf die Gesundheit zu untersuchen. Betrachtet werden ältere Frauen aus dem ehemals hochindustrialisierten Ruhrgebiet und dem ländlichen, südlichen Münsterland. Männer wurden ausgeschlossen, da sie zum damaligen Zeitpunkt berufsbedingt starker Luftverschmutzung durch Kohleabbau und Stahlindustrie ausgesetzt waren. Die Erstuntersuchung erfolgte mit 54-55 Jahren (1985-1994). Die erste Folgeerhebung von Gesundheitsdaten wurde anhand eines Fragebogens durchgeführt. An der zweiten Untersuchung mit durchschnittlich 73,5 Jahren nahmen 834 Frauen teil (2007-2010). Auf den Ergebnissen dieser Untersuchung basieren auch die hier genannten Analysen. Die statistischen Zusammenhänge werden über sogenannte Regressionsmodelle berechnet. Dabei werden diverse Störfaktoren wie z.B. Rauchen miteinbezogen und die Modelle dahingehend angepasst. Die Luftverschmutzung hat im Verlauf der Studie im Ruhrgebiet stark abgenommen, sodass sich z.T. bereits Gesundheitsverbesserungen beobachten lassen. Die SALIA-Studie wird von Frau Dr. Schikowski am IUF betreut.

Literatur:
1.) Schnass W, Hüls A, Vierkötter A, Krämer U, Krutmann J, Schikowski T: Traffic-related air pollution and eczema in the elderly: Findings from the SALIA cohort. Int J Hyg Environ Health 221(6): 861-867, 2018. doi: 10.1016/j.ijheh.2018.06.002.

2.) Hüls A, Abramson MJ, Sugiri D, Fuks K, Krämer U, Krutmann J, Schikowski T: Nonatopic eczema in elderly women: Effect of air pollution and genes. J Allergy Clin Immunol 2018. doi: 10.1016/j.jaci.2018.09.031.

Quelle: IUF - Leibniz-Institut für umweltmedizinische Forschung