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Dermatologie

Dr. med. Roland Aschoff
Dr. med. Roland Aschoff, Universitätsklinikum Dresden
© privat

Tageslicht- oder klassische Photodynamische Therapie?

Aktinische Keratosen und Feldkanzerisierung: Sonne oder rotes LED-Licht: Photodynamische Therapien im Vergleich – Interview mit Dr. med. Roland Aschoff, Universitätsklinikum Dresden.

Herr Dr. Aschoff, wie sind die bekannten Photodynamischen Therapien bei Aktinischen Keratosen und Feldkanzerisierungen in jüngster Zeit erweitert und verbessert worden?
Aschoff: Die klassische PDT unter Verwendung von Rotlicht ist durch die Anwendung von Tageslicht erweitert worden, sodass der Patient diese nach Anleitung seines Arztes selbstständig durchführen kann. Voraussetzung dafür: Es müssen mindestens 10 Grad und ausreichend Licht vorhanden sein, was bei uns in der Regel von April bis Oktober der Fall ist. Ein leicht bewölkter Himmel reicht aus, es sollte nicht regnen.

Was ist neu an den Lichttherapien und  wie läuft die Therapie genau ab?
Neu ist, dass als Lichtquelle Tageslicht dazu kommt. Bisher waren dazu spezielle Lampen notwendig. Der Ablauf ist ähnlich, wobei bei der Tageslicht-PDT vor der Behandlung Sonnencreme aufgetragen wird, welche UV-Licht, das zur Therapie nicht benötigt wird, eliminiert. Wie bisher wird danach als Photosensibilisator Aminolävulinsäure aufgetragen. Dieser wird von den Tumorzellen der Haut aufgenommen und es bildet sich daraus Protoporphyrin IX. Dieser Stoff ist sehr lichtempfindlich. Wird er mit Licht aktiviert, entstehen in der Zelle Sauerstoffradikale, welche die Tumorzelle zerstören.

Ist die Therapie schmerzhaft?
Die Therapie läuft ohne Schmerzen ab. Bisher wurden die Patienten nach einer Einwirkzeit der Aminolävulinsäure von 3 Stunden mit rotem LED-Licht belichtet, was zu starken Schmerzen führte. Sie gaben im Durchschnitt eine Schmerz-intensität von 6 bis 7 auf einer visuellen Analogskala von 0 bis 10 an. Je nach Lampentyp dauerte das 10 bis 15 Minuten. Das Neue an der Tageslicht-PDT ist nun, dass der Patient innerhalb von 30 Minuten nach dem Auftragen der Aminolävulinsäure nach draußen in die Sonne geht und dort für 2 Stunden verbleibt. Diese Belichtung ist nicht schmerzhaft, der Patient verspürt in der Regel nur ein leichtes Kribbeln. Da die Therapie keine Schmerzen mehr verursacht und keine besondere Lichtquelle notwendig ist, kann sie der Patient eben zu Hause – z. B. im Garten – durchführen. Die Lichtquelle ist die Sonne.

Wie oft ist die Prozedur nötig?
Die Behandlung wird zunächst einmal durchgeführt und der Effekt kontrolliert. Da es sich bei Aktinischen Keratosen um eine chronische Erkrankung handelt, sollte diese in regelmäßigen Abständen überprüft werden, um sicherzustellen, wenn noch nicht alle Krebsvorstufen abgeheilt sind, dass dann nach z. B. 3 Monaten die Prozedur wiederholt werden kann. Auch dafür eignet sich eine Tageslicht-PDT

Was sagen Studien über die -verbesserte Wirkung der Therapie?  Welchen Nutzen bringt sie?
Die aktuellste Studie ist eine Vergleichsstudie zwischen BF-200 ALA und MAL. Man sieht, dass die Abheilungsraten der Aktinischen Keratosen durch die einmalige Therapie bei etwa 80 Prozent liegen, im Gesicht werden sogar Raten von bis zu 85 Prozent erzielt. Zusammenfassend kann man zu den Vorteilen der Tageslichttherapie sagen: Es handelt sich um eine schmerzfreie Therapie, bei der man große Flächen behandeln kann. Es werden nicht nur sichtbare Aktinische Keratosen erreicht, sondern auch subklinische Läsionen.  Das kosmetische Ergebnis der Therapie ist sehr gut.

Was ist über Rezidive bekannt?
Die Rezidiv-Rate nach 12 Monaten beträgt für BF-200 ALA 19,9 Prozent und bei MAL liegt sie bei 31,6 Prozent.

Wird es demnächst weniger notwendige Operationen geben?
Um das zu sehen, braucht es noch Zeit. Die Hoffnung ist, dass die Entwicklung von Plattenepithelkarzinomen enorm reduziert werden kann – oder dass zumindest der Anstieg, den wir aktuell sehen, verlangsamt wird. Das setzt aber voraus, dass alle Patienten mit Aktinischen Keratosen konsequent behandelt werden.

Interview: Nikolas Pohl