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Medizin

Staphylococcus aureus
Staphylococcus aureus im Elektronenmikroskop.
© Wikimedia Commons

Resistente Bakterien: Breitbandantibiotika begünstigen Wachstum

Bakterielle Infektionen der Haut und des Weichgewebes gehören weltweit zu den häufigsten Infektionen des Menschen und sind in vielen Ländern der zweithäufigste Anlass für eine Verordnung von Antibiotika.

Mit zunehmendem Lebensalter treten häufiger chronische Wunden auf. Sie sind eine häufige Ursache von bakteriellen Infektionen. Chronische Wunden können sich aus kleinen oberflächlichen Läsionen wie nässendem Hautausschlag (Impetigo) oder Fußpilz, aber auch aus schwerwiegenden Verletzungen der Hautoberfläche entwickeln. Hauptsächlicher Erreger ist das Bakterium Staphylokokkus aureus (S. aureus), der auch ein relevanter Erreger lebensbedrohlicher systemischer Infektionen ist. In Europa liegt die Anzahl der neu auftretenden Staphylokokkus aureus-bedingten Sepsen bei ungefähr 200.000 pro Jahr.

Einsatz von Antibiotika bei Hautinfektionen

Da der Staphylokokkus aureus häufig in Haut- und Weichgewebeinfektionen vorkommt, aber auch als kolonisierender Erreger in der Nase, hat das Bakterium mit seiner Resistenz gegen Methizillin (sog. MRSA) und andere Antibiotika eine besondere Bedeutung. Antibiotika sind durch ihre direkte, kurative Wirkung auf die Infektionserreger aus der Behandlung von Hautinfektionen nicht mehr wegzudenken. Gleichzeitig wirken sie jedoch auch gegen andere, „nützliche“ Bakterien des Mikrobioms. „Ein unnötiger Einsatz von Breitbandantibiotika bei Haut- und anderen Infektionen begünstigt das Wachstum resistenter Bakterien in Geweben, die nicht von einer Infektion betroffen sind, beispielsweise im Darm“, so Prof. Dr. Cord Sunderkötter, Direktor der Klinik für Dermatologie und Venerologie am Universitätsklinikum Halle. Die verordneten Antibiotika sollten daher so gezielt und schmal wie möglich wirken und rechtzeitig, adäquat lang und in ausreichend hoher Dosis eingesetzt werden. Um diesen Forderungen gerecht zu werden, hat die Deutsche Gesellschaft für Dermatologie (DDG) an entsprechenden Leitlinien mitgearbeitet.

Anstieg der Skabies

Die Diagnose Skabies wird in Deutschland in den letzten Jahren auffallend häufig gestellt. Auch der Verbrauch an Antiskabiosa ist deutlich gestiegen. Da die Skabies in Deutschland nicht meldepflichtig ist, können diese nicht bewiesen und genau quantifiziert werden. Die Ausbreitung einer Skabies wird in vielen Teilen der Welt durch ein Zusammenleben auf engem Raum bei mangelnden hygienischen Bedingungen begünstigt. In Deutschland sind solche Verhältnisse nur selten anzutreffen, daher müssen hier zusätzliche Gründe vorliegen. Eine Expertengruppe hat mögliche Ursachen herausgearbeitet, bewiesen ist bislang keine davon. Da Skabies unter anderem während Intimkontakten übertragen wird, ist Promiskuität ein bekannter Risikofaktor für Skabies. Ein Grund für den Anstieg könnte daher im Zusammenhang mit der wieder ansteigenden Zahl von sexuell übertragbaren Infektionen gesehen werden. Außerdem sind Kinder eine unterschätzte Infektionsquelle, denn bei ihnen ist die Prävalenz tendenziell höher als bei Jugendlichen und Erwachsenen. Sie weisen meist mehr Milben auf, werden dahingehend oft unzureichend behandelt und haben untereinander und zu Familienangehörigen einen intensiveren Körperkontakt. Durch Kinder könnte sich eine Skabies also leichter weiterverbreiten. Um solche kausalen Beziehungen zu verifizieren seien aufwendige epidemiologische Studien notwendig, so Prof. Dr. Sünderkötter.

Resistenz gegen Antiskabiosa

Mit der Zunahme der Skabies gehen Beobachtungen einher, denen zufolge die Milben gegenüber dem Antiskabiosum der ersten Wahl (Permethrin) unempfindlicher geworden sein sollen. Für einen ausbleibenden Therapieerfolg gäbe es drei mögliche Erklärungen: 1) eine fehlerhafte Anwendung, 2) eine Re-Infestation (Re-Infektion) infolge der ausgebliebenen, wichtigen Behandlung von Kontaktpersonen und 3) eine tatsächliche Unempfindlichkeit von Skabiesmilben gegenüber bestimmten Antiskabiosa. Während es für die ersten beiden Möglichkeiten Belege gibt, ist eine Unempfindlichkeit von Krätzemilben methodisch schwierig nachzuweisen (anders als bei den Antibiotikaresistenzen der Bakterien).

Prävention durch Impfen

Schließlich rät Prof. Sunderkötter zur konsequenten Infektionsvorbeugung durch Impfen: „Impfungen sollten wann immer empfohlen und so früh wie angegeben durchgeführt werden.“ Dazu gehöre auch die Impfung gegen „Warzenviren“ (humane Papillomviren). Sie schützten auch vor bestimmten Krebsformen, wie dem Gebärmutterhalskrebs und vor manchen Karzinomen am Penis oder im Rachenraum. Seit dem 30. November 2018 ist die HPV-Impfung auch für Jungen Bestandteil des Leistungskatalogs der gesetzlichen Krankenkassen. Ein weiterer in diesem Jahr zugelassener und empfohlener Impfstoff zielt auf die Vermeidung der schmerzhaften Gürtelrose (Herpes zoster) ab.

Quelle: Deutsche Dermatologische Gesellschaft e.V. (DDG)