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Medizin

Hände mit atopischem Ekzem
Entzündliche Hauterkrankungen standen im Fokus des ISDS in Wien.
© Colourbox/Philipp Oscity

ISDS: Entzündungen hautnah betrachtet

Auf dem 3. Inflammatory Skin Disease Summit (ISDS) wurden Ende 2018 in Wien neue Erkenntnisse aus der Grundlagenforschung sowie der Translation in die klinische Diagnostik und Therapie entzündlicher Hauterkrankungen vorgestellt.

Bei Patienten mit einer läsionalen atopischen Dermatitis (AD) sollte auch der tägliche Konsum von Kochsalz in der Ernährung überprüft werden. Denn diese Patienten weisen eine signifikant höhere Kochsalz-Konzentration auf der Haut auf als Patienten mit nicht-läsionaler AD oder gesunde Individuen. Studien einer Münchener Arbeitsgruppe zeigen, dass hyperosmolare Kochsalz-Konzentrationen über Zytokin-gesteuerte Signalwege (Interleukin IL-4 und IL-13) die Immunantwort der Th2-Lymphozyten zugunsten eines proinflammatorischen Profils verändern und die Entwicklung von Hautläsionen begünstigen. Sie sind ein bisher vernachlässig­ter potenzieller Risikofaktor der kutanen Hautbesiedelung, so die Autoren1. Die Kochsalz-Konzentration im Blut spielt nach neueren Befunden auch eine Rolle bei der Pathophysiologie der multiplen Sklerose.
Das Mikrobiom der Haut beeinflusst auch die immunsuppressiven Effekte der UV-Strahlung auf die Haut, indem es die zelluläre und immunologische Reaktion beeinflusst. In der gesunden Haut findet sich eine Down-Regulation pro-inflammatorischer Gene als Gegenreaktion zu der nach UV-Bestrahlung nachweisbaren Prädominanz pro-inflammatorischer Zytokine wie IL-1, IL-6 oder IL-18rap. Gleichzeitig kam es nach UV-B-Bestrahlung zu einer epidermalen Hyperplasie und einer vermehrten Infiltration neutrophiler Granulozyten2.

Auf der Suche nach Biomarkern

Zahlreiche Vorträge und Poster beschäftigten sich mit der Suche nach Biomarkern zur Diagnose und als Therapiemonitoring entzündlicher Hauterkrankungen, insbesondere bei der AD. Bei Patienten mit atopischer Dermatitis konnten im Blut mithilfe einer proteomischen Hochdurchsatz-Screening-Plattform verschiedene Profile von Immunmarkern identifiziert und mit der Krankheitsschwere korreliert werden. Diese Erkenntnisse können benutzt werden, um etwa die Wirkmechanismen verschiedener Therapeutika genauer bestimmen zu können3.

Die IgE-spezifische Immunoadsorption ist eine effektive Therapieoption bei Patienten mit schweren atopischen Ekzemen. Münchner Allergologen konnten jetzt zeigen, dass die therapeutische Wirkung vor allem über eine Down-Regulation der CD23-B-Zell-Lymphozyten erreicht wurde. Die CD23-Konzentration im Blut kann als Biomarker für das klinische Ansprechen auf die Immunoadsorption benutzt werden4.

Interessante Biomarker-Kandidaten sind auch MicroRNAs (mRNAs). Diese sind kleine nichtkodierende Proteine, welche die Genexpression regulieren, beispielsweise von Immunzellen. mRNAs eignen sich daher nicht nur als mögliche Biomarker, sondern auch als therapeutische Zielstrukturen. In Wien wurden hierzu neue Erkenntnisse zu mRNA-Profilen vor allem bei Patienten mit AD oder Psoriasis vorgestellt5. Eine spanische Arbeitsgruppe konnte bei Psoriasis-Patienten auch unterschiedliche mRNA-Profile in Abhängigkeit kardiometabolischer Risikofaktoren nachweisen6.

Deutlich näher an der Praxis ist ein nicht-invasiver Hautabrisstest mittels Klebescheiben (D-Squame®, Corneofix®) zur Differenzialdiagnose entzündlich-ekzematöser Erkrankungen anhand der unterschiedlichen Immunzellprofile in den Korneozyten mittels Massenspektrometrie. Erste klinische Studien sind positiv. Eine Evaluierung im Vergleich zu einer Hautbiopsie als Goldstandard steht noch aus7.

Dr. Alexander Kretzschmar

Quelle: 3. Inflammatory Skin Disease Summit, Wien, 12. bis 15. Dezember 2018

Literatur: 1. Matthias J et al. ISDS 2018; Abstract 21; 2. Patra V et al. ISDS 2018; Abstract 23; 3. Sims J et al. ISDS 2018; Abstract 45; 4. Thomas J et al. ISDS 2018; Abstract 61; 5. de la Fuente H et al. ISDS 2018; Abstract 92; 6. Gay-Mimbrera J et al. ISDS 2018; Abstract 128; 7. Berekmeri A et al. ISDS 2018; Abstract 90